Rat verzichtet auf Gebühren – Libori-Eck schließt nach 22 Jahren
Gastronomie weiter unter Druck

Paderborn (WB). Es ist wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin eine Entscheidung mit Symbolkraft: Der Rat der Stadt Paderborn hat am Donnerstagabend einstimmig beschlossen, den Gastronomiebetrieben bis zum 31. Dezember die Gebühren für die Außenbestuhlungen auf städtischen Flächen zu erlassen. Durch den Verzicht auf diese Sondernutzungsgebühren entgehen der Stadtkasse 180.000 Euro.

Samstag, 16.05.2020, 12:00 Uhr
Für die Nutzung der städtischen Flächen für die Außengastronomie fallen in diesem Jahr keine Gebühren an. Das freut auch Service-Mitarbeiter Sami Tuncel vom Kump am Westerntor. Das hat der Rat am Donnerstag einstimmig beschlossen. Foto: Jörn Hannemann
Für die Nutzung der städtischen Flächen für die Außengastronomie fallen in diesem Jahr keine Gebühren an. Das freut auch Service-Mitarbeiter Sami Tuncel vom Kump am Westerntor. Das hat der Rat am Donnerstag einstimmig beschlossen. Foto: Jörn Hannemann

Für manch einen wird die Hilfe zu spät kommen: Die Situation der Wirte ist trotz der Lockerungen weiterhin mehr als angespannt. Am Freitag teilte Rolf Hoppe, Betreiber des Libori-Eck, auf seiner Internetseite als einer der ersten mit, dass nach 22 Jahren Schluss sei. Nach Informationen dieser Zeitung kriselt es auch in anderen Betrieben, die nun ums Überleben kämpfen.

Libori-Eck schließt nach 22 Jahren

Rolf Hoppe informierte seine Kunden mit einem emotionalen Statement: „22 Jahre habe ich meinen Traum mit dem Libori Eck gelebt. 22 Jahre haben mein Team und mich viele Stammkunden begleitet. 22 Jahre schöne Erinnerungen werden bleiben. Es fällt mir unglaublich schwer nach 22 Jahren Tschüss zu sagen, aber es ist die beste Entscheidung. Die aktuellen Zeiten sind unsicher und keiner kann in die Glaskugel schauen und uns sagen, wann es besser wird. Das Libori Eck hat leise seine Türen geschlossen. Wir sagen Danke für 22 Jahre Treue und werden euch sehr vermissen.“

Die Verwaltung selbst hatte dem Rat vorgeschlagen, die Gebühren nicht komplett, sondern zumindest zu 70 Prozent zu erlassen. Die CDU ging mit ihrem Antrag noch einen Schritt weiter und beantragte die Nullrunde. Klaus Schröder (Grüne) stellte fest: „Die Gastronomie ist wichtig für eine lebendige Stadt. Leider profitieren von dem Beschluss nicht alle, weil nicht alle Wirte städtische Flächen nutzen. Wie können wir den anderen helfen? Wir haben da noch keinen Vorschlag“, gab Schröder zu. Unterstützung für den CDU-Vorschlag kam auch von der FDP sowie von Für Paderborn. Alexander Senn (FDP) stellte fest: „Wir müssen Rahmenbedingungen zum wirtschaftlichen Arbeiten schaffen.“ Und Stephan Hoppe (Für Paderborn) meinte: „Wir müssen befürchten, dass nicht alle überleben werden.“

„Wir hoffen auf besseres Wetter für unseren Biergarten“

Seit Montag haben einige der Gastronomiebetrieb wieder geöffnet. Von einem Normalbetrieb sei man noch weit entfernt, erklärte Karl-Heinz Militzer (Deutsches Haus) auf Anfrage. „Die Nachfrage ist noch sehr verhalten. Wir sind vielleicht bei 10 bis 20 Prozent. Wir hoffen jetzt auf besseres Wetter für unseren Biergarten“, sagte der Gastronom. Die Hygieneauflagen seien gut einhaltbar. „Wir haben jeden zweiten Tisch gesperrt. Aus Sicht des Ordnungsamtes ist alles vorbildlich.“

Etwas mehr Schwierigkeiten hinsichtlich der Abstandsregeln hat Bernhard Queren mit seinem „Bei Bernie“ in der Riemekestraße. Weil es sich bei dem Lokal nicht um ein Speiserestaurant handelt, sei ihm lange Zeit nicht klar gewesen, ob er öffnen dürfe. Das Ordnungsamt habe ihm nun die Erlaubnis erteilt. Laut Pressesprecher Jens Reinhardt habe sich das Land in der Verordnung missverständlich ausgedrückt. Die Stadt habe die unklare Situation nun beigelegt.

An der Theke dürfen keine Kunden sitzen

Die Hygieneauflagen haben erhebliche Folgen: An der Theke – dort wo normalerweise das meiste Geschäft gemacht wird – dürfen keine Kunden sitzen. Von den insgesamt sechs Tischen müssen außerdem der Tisch am Eingang, der Tisch vor den Toiletten sowie vor der Theke verschwinden. „Dafür lohnt es sich eigentlich nicht aufzumachen“, sagt Queren, der nun auf eine starke Frequenz seines Biergartens hofft. Citymanager Heiko Appelbaum bestätigte, dass noch viele Gastro-Gänger mit der Situation fremdelten. „Mundschutz und Plexiglasscheibe ist nicht jedermanns Sache. Eine reduzierte Bestuhlung ist für viele Wirte nicht auskömmlich. Deswegen haben auch noch nicht alle wieder geöffnet. Wir müssen einfach hoffen, dass es nicht erneut zu einem Lockdown kommt“, sagte Appelbaum.

Der Rat verzichtet 2020 auch auf die Gebühren der Libori-Markt- und Kirmesbeschicker. Das Volumen: 450.000 Euro.

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