Sa., 23.05.2020

Ruppe Koselleck und fünf Mitstreiter stellen in Schloß Neuhaus aus und bieten Kurse an Ein Künstler auf der Suche nach Öl

Ruppe Koselleck malt mit Rohöl. Er entwirft künstlerische Aktien und kauft mit dem Erlös aus seinen Werken echte Anteile an der britischen Mineralölgesellschaft BP. Der Konzeptkünstler will den Menschen die Abhängigkeit vom Öl klarmachen.

Ruppe Koselleck malt mit Rohöl. Er entwirft künstlerische Aktien und kauft mit dem Erlös aus seinen Werken echte Anteile an der britischen Mineralölgesellschaft BP. Der Konzeptkünstler will den Menschen die Abhängigkeit vom Öl klarmachen. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Schloß Neuhaus (WB). Ruppe Koselleck plant die „feindliche Übernahme von BP“. In den USA läuft er an Stränden entlang, taucht seine Leinwände in angespülte Ölplacken und malt anschließend seine „Rohölbilder“. Mit dem Erlös aus dem Verkauf seiner Werke kauft der 52-Jährige Aktien von BP – 5446 hat er schon zusammen.

Der in Münster lebende Konzeptkünstler gehört zu den sechs Männern und Frauen, die von Sonntag, 24. Mai, an ihre Werke im Kunst- und Naturkundemuseum im Marstall zeigen und die in der Sommerakademie, die am 5. Juli beginnt, die Teilnehmer ihrer Workshops inspirieren möchten. Bei Ruppe Koselleck war es die Deepwater-Horizon-Katastrophe, die ihn nachhaltig beeinflusste.

Abhängigkeit vom Erdöl deutlich machen

Bei dem Brand und Untergang der Bohrplattform im April 2010 flossen etwa 800 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko. „Sie kaufen Kunst, ich BP“ lautet Kosellecks Motto. Mit seiner Kunst will er die Abhängigkeit der Menschen vom Erdöl deutlich machen. „Wir sind Öl-Junkies, zum Beispiel bestehen unsere Schuhsohlen daraus“, sagte er am Freitag. Als er in London, dem Sitz von BP, ausstellte, sei das dort stark als politische Aktion eines Deutschen wahrgenommen worden, erzählte Koselleck, der sich selbst aber nur als „indirekter Umweltaktivist“ bezeichnet.

Alte Schreibmaschinen gehören zu den Motiven der Malerei von Axel Brandt aus Düsseldorf. Foto: Oliver Schwabe

Unzählige Vögel und Fische verendeten im Golf von Mexiko. Nicht nur wegen ihrer Stromlinienform faszinieren Fische die Künstlerin Vroni Schwegler aus Frankfurt. In direkter Nähe zum Aquarium im Naturkundemuseum hat sie eine Wand mit kleinen Bildern einer Forelle gestaltet – mal ist nur der Schwanz zu sehen, mal nur der Kopf. Gemalt hat die 50-Jährige die Ausschnitte mit Öl auf Holz. „Mein Thema ist die Natur, sie ist eine Inspirationsquelle“, betonte Vroni Schwegler. Beeindruckend ist auch ihr sieben Meter langer und zehn Zentimeter hoher Lachskopffries. Ihre Fischdarstellungen, bei denen sie mit Licht und Farbigkeit experimentiert, bezeichnet sie als „Stillleben“. Im Gegensatz zu den überladenen Tafeln mit Fasanen, Enten und Hummern, die im Barock-Zeitalter auf Gemälden zu sehen sind und die Macht und den Reichtum eines Fürsten oder Kaufmanns verkörperten, stellen Schweglers Werke keine Status-Kunst dar. Sie konservieren Zustände von Tieren.

Im Kunstmuseum blicken die Besucher auf Bilder von Axel Brandt, die in kräftigen Vroni Schwegler malt Stillleben. Im Naturkundemuseum hat sie eine Wand mit Bildern einer Forelle gestaltet. Foto: Oliver Schwabe Farben Schreibmaschinen mit fließenden Konturen zeigen. „Ich will die Welt in ihrem Alltag, ihrer Funktionalität abbilden“, erläuterte der 57-Jährige, der auch Supermarkttüten und Hochhäuser malerisch verarbeitet. Schreibmaschinen findet er genial: „Sie brauchen keinen Strom und keinen Drucker, und sie bekommen keinen Virus.“ Der Düsseldorfer hat auf seinen Schreibmaschinenbildern Merksprüche versteckt wie den, dass Liebe erst einmal nur ein Wort ist. Ingrid Floss (München), Thomas Putze (Stuttgart) und Christina Sauer (Ibbenbüren) vervollständigen das Sextett der zeitgenössischen Künstler. „Unterschiedliche künstlerische Positionen bilden einen spannungsreichen Dialog“, verspricht der künstlerische Leiter der Paderborner Sommerakademie, Dietmar Walther.

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„Gerade in dieser Zeit müssen wir den Menschen etwas Schönes bieten.“

An­drea Brockmann

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Die Leiterin der städtischen Museen und Galerien, An­drea Brockmann, ist froh, dass Ausstellung und Akademie mit ihrer großen Bandbreite zeitgenössischer Kunst stattfinden können. Beides gehöre untrennbar zusammen. Dank großer Seminarräume könnten die Abstandsregeln eingehalten werden. Jeder Kursteilnehmer kann sich demnach auf fünf Quadratmetern ausbreiten, die Arbeitstische sind jeweils 1,50 Meter voneinander entfernt. Inspiration durch Kunst sei wichtig, betonte Andrea Brockmann: „Gerade in dieser Zeit müssen wir den Menschen etwas Schönes bieten. Uns fehlt ohnehin die Leichtigkeit im Leben.“ Die Ausstellung ist bis zum 11. Juli dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen, ab dem 6. Juni auch wieder samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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