Aufarbeitung des Missbrauchsskandals: Bistümer setzen auf Studien
Noch keine Kommission aktiv

Paderborn/Köln (dpa/WB). Vor kurzem hat sich die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) zur Gründung unabhängiger Aufarbeitungs-Kommissionen in allen 27 Bistümern durchgerungen. Nun sind die einzelnen Bistümer gefordert. Doch die halten sich mit konkreten Plänen zumindest in Nordrhein-Westfalen noch zurück.

Dienstag, 26.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 26.05.2020, 08:38 Uhr
Das Erzbistum Paderborn hat eine Missbrauchsstudie in Auftrag gegeben.
Das Erzbistum Paderborn hat eine Missbrauchsstudie in Auftrag gegeben.

Als die Kommissionen Ende ­April beschlossen wurden, sprach der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, von einer „historischen Entscheidung“. Eine Erklärung der DBK schreibt sehr detailliert vor, wie sich die Kommissionen zusammensetzen, was sie untersuchen und wie sie ausgestattet sein sollen. Vorgeschrieben ist, dass auch Betroffene in jeder Kommission sitzen sollen.

Eine Umfrage unter den fünf NRW-Bistümern erbrachte jedoch eher zurückhaltende Reaktionen. Konkrete Pläne für die Bildung von Kommissionen gibt es noch nicht. Es wird darauf verwiesen, dass man ja schon eigene Untersuchungen begonnen habe.

Auch das Erzbistum Paderborn hat eine unabhängige Missbrauchsstudie in Auftrag gegeben. Dieser Untersuchung an der Universität Paderborn würden „weitere konsequente Schritte bei der Aufarbeitung und in der Prävention sexuellen Missbrauchs folgen“, teilte Erzbistumssprecher Benjamin Krysmann mit.

Geleitet wird die auf drei Jahre angelegte Untersuchung von Professorin Dr. Nicole Priesching. Ziel sei die historische Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn in den Jahren zwischen 1941 und 2002. „Dabei werden die Strukturen, die Missbrauchstaten in der katholischen Kirche begünstigten, ermöglichten oder ihre Aufdeckung erschwert haben, rekonstruiert. Für die Dauer des Projektes finanziert das Erzbistum Paderborn die Stelle einer Projektmitarbeiterin“, so Krysmann weiter.

2018 hatte eine Studie im Auftrag der Bischofskonferenz ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben sollen. Kritiker hatten an der Studie aber bemängelt, dass die Autoren keinen Zugang zu Originaldokumenten in den Kirchenarchiven bekommen hatten. Die „Gemeinsame Erklärung“ sieht dagegen nun vor, dass die geplanten Kommissionen die Personalakten einsehen können. Sie sollen konkrete Fälle benennen und auch ergründen, von wem die Täter möglicherweise gedeckt worden sind.

Kölns Erzbischof Rainer Woelki hat eine Untersuchung durch eine Münchner Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben. Deren geplante Präsentation war im März kurzfristig verschoben worden. Das Ruhrbistum Essen hat eine Studie beim Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in Auftrag gegeben. Auf die Frage, ob darüber hinaus die von der DBK geforderte Kommission eingerichtet wird, antwortet ein Sprecher, „dass wir mit unseren bereits erfolgten oder noch laufenden Verfahren und Projekten die wesentlichen Ziele dieser Erklärung bereits erreicht haben bzw. erreichen werden“.

Das Bistum Münster lässt einen Historiker Fälle sexuellen Missbrauchs untersuchen. Der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, sagte jedoch, mit dieser Studie könne die von der Bischofskonferenz geforderte Aufarbeitung nicht abgedeckt werden. „Die zu bildende Kommission soll auch im Bistum Münster eingerichtet werden“, versicherte Frings. Geprüft werde, ob das mit anderen Bistümern gemeinsam geschehen könne.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7423307?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Angriffe auf Großraum Jerusalem - Israel fliegt Gegenangriff
Laut einem Sprecher der israelischen Armee wurden Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert.
Nachrichten-Ticker