Prozess am Landgericht Paderborn gegen mutmaßliche Bande von Autodieben
Ein Faible für teure BMWs

Paderborn (WB/upf). Drei Litauer zwischen 19 und 44 Jahren sitzen seit Dienstag auf der Anklagebank des Paderborner Landgerichts. Sie sollen zwischen November 2017 und November 2019 insbesondere im Raum Paderborn 27 teure BMW im Gesamtwert von 1,7 Millionen Euro gestohlen haben.

Mittwoch, 27.05.2020, 12:23 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 12:30 Uhr
Prozessauftakt am Paderborner Landgericht gegen drei Litauer, die 27 BMW gestohlen haben sollen. Foto: Ralf Meier
Prozessauftakt am Paderborner Landgericht gegen drei Litauer, die 27 BMW gestohlen haben sollen. Foto: Ralf Meier

Die drei Beschuldigten – einer von ihnen mit Wohnsitz in Minden – sollen als Mitglieder einer Bande agiert haben. Dabei stahlen sie die Autos, indem sie das Schlüsselsignal für die sogenannte Keyless-Go-Entriegelungs- und Start-Elektronik überbrückten. So konnten die Autos einfach weggefahren werden. Die Autos sollen nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft in einer Halle in Minden komplett demontiert und ihre Einzelteile verkauft worden sein.

Schwerpunkte der Taten waren außer Paderborn der Kreis Lippe, der Kreis Vechta sowie der Raum Hameln. In Delbrück werden der Bande zwei Diebstähle von BMW im Wert von etwa 130.000 Euro zur Last gelegt, in Paderborn insgesamt drei mit einem Schaden von mehr als 160.000 Euro. Von vier dieser Fahrzeuge fanden die Ermittler bei der Festnahme der Tatverdächtigen am 27. November 2019 in Minden nur noch ein paar Einzelteile.

Serie begann Juli 2018 in Elsen

Die Serie soll in Elsen im Juli 2018 begonnen haben: Dort machte das Keyless-Go-System den Dieben einen Strich durch die Rechnung, als der Motor des BMW 330 kurz nach dem Wegfahren ausging und das 60.000 Euro teure Auto ohne Kontakt zum Funkschlüssel nicht mehr gestartet werden konnte. Der Wagen blieb zurück und mit ihm Spuren, die der Polizei den Weg zu einem Litauer wiesen. Die Ermittlungen führten schließlich zum Zugriff in Minden durch ein Sondereinsatzkommando der Polizei.

Die drei Angeklagten sind nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nut ein Teil der Bande: Der 41-Jährige soll das Tatfahrzeug zum „Erreichen der Tatorte“ sowie einen Lkw bereitgehalten haben und zusammen mit bisher unbekannten Mittätern für die Zerlegung der gestohlenen BMW gesorgt haben. Der 44-Jährige gilt als Haupttäter: Er soll mit ebenfalls Unbekannten die Diebstähle selbst ausgeführt haben, in zwei Fällen gemeinsam mit dem 19-Jährigen.

Das Landgericht verhandelt als Jugendkammer, weil der jüngste der Angeklagten zur Tatzeit noch Jugendlicher war. Es sind noch drei weitere Prozesstage bis Mitte Juli anberaumt. Allerdings wurde schon beim Prozessauftakt geklärt, was den Angeklagten blüht: Wenn sie sich zu Geständnissen durchringen, könnten es zwischen vier und fünf Jahre Haft werden – und maximal zwei Jahre auf Bewährung für den Jüngsten.

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