Vermieter reicht Räumungsklage ein – Mitmieter ziehen aus
Streit um Lärm in Paderborner WG

Paderborn (WB). Einem Mieter eines WG-Zimmers in Paderborn droht die Zwangsräumung, nachdem sich andere Mieter über Müll, verkrustetes Geschirr, Gestank und Lärm beschwert haben. Zum Prozess vor dem Amtsgericht Paderborn, bei dem es um die Zwangsräumung gehen sollte, erschien der Mann am Donnerstag allerdings nicht – er soll verschlafen haben.

Freitag, 29.05.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 05:03 Uhr
Illustration. Foto: Felix Kästle/dpa
Illustration. Foto: Felix Kästle/dpa

Der 31-Jährige war im Januar in die Drei-Zimmer-WG eingezogen, nachdem er auf den Vermieter einen seriösen Eindruck gemacht hatte. Sein angeblicher Lebenslauf kann bis heute auf seiner Internetseite nachgelesen werden: Von Praktika als Förster und Programmierer ist dort die Rede, von einem Bachelor in Wirtschaftsingenieurswesen, von Positionen als Renn-Ingenieur und Geschäftsführer einer Unternehmensberatung. Bis 2018 will der Mann ein Eigenstudium absolviert haben – in seinem eigenen Unternehmen. Das Master-Studium in Wirtschaftsingenieurswesen habe er vorzeitig abgeschlossen: mit über 60 verschiedenen Fächern und mehr erlernten Modulen als nötig...

Laute Musik zwischen 1 und 4 Uhr in der Nacht?

Doch der Mann war kein Vorzeigemieter. Es dauerte nicht lange, bis erste Beschwerden über Lärm laut wurden. Eine Nachbarin fühlte sich zwischen 1 und 4 Uhr durch laute Musik belästigt. Sie bat den Mieter, die Musik leiser zu stellen, was er auch getan haben soll. Doch am folgenden Tag soll die Musik wieder zu laut gewesen sein. Der neue Bewohner habe diverse Kompromissvorschläge ignoriert und um mehr Eingewöhnungszeit gebeten. Man solle ihn doch einfach darauf hinweisen, wenn er zu laut sei. Als die Studentin das ablehnte, soll der Mann ausgerastet und sie als „tote Frau“ bezeichnet haben. „Bei der Diskussion vor seiner Tür war er in seiner eigenen Welt. Er redete von sich in der dritten Person, war sehr leicht reizbar und roch nach Alkohol“, beschreibt die 27-Jährige die Begegnung. Von der Polizei auf etwaige Drohungen und Ruhestörungen angesprochen, stritt der 31-Jährige jegliche Schuld ab.

Den gesamten Januar über soll es immer wieder vorkommen sein, dass in der Wohnung mitten in der Nacht die Musik aufgedreht wurde. Als Mitmieter deshalb einmal die Polizei riefen, soll der Mann die Streifenbeamten als „Witzfiguren“ bezeichnet haben.

Ein WG-Mitbewohner informierte den Vermieter schließlich auch über den Wohnungszustand. Dort sollen sich benutztes Geschirr und Müll gestapelt haben, und von schlechten Gerüchen war die Rede. „Inzwischen sind die anderen beiden Mitbewohner sogar ausgezogen“, sagte der Vermieter am Donnerstag vor Gericht.

Mieter sieht sich zu Unrecht in der Kritik

Der Mieter sieht sich zu Unrecht in der Kritik. In schriftlichen Stellungnahmen erklärte er in den vergangenen Wochen, er fühle sich unter Druck gesetzt und beklagt, mehrere Geräte in der Wohnung funktionierten nicht.

Der 31-jährige ist der Polizei bereits wegen Drogenvergehen bekannt. Unter anderem gibt es einen Strafbefehl des Amtsgerichtes Münster. Das Gericht will nun ein sogenanntes Versäumnisurteil sprechen. Es spricht viel dafür, dass sich der Mann dann eine neue Bleibe suchen muss.

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