Erkenntnisse zum Umfang des Missbrauchs, Erfahrungen von Betroffenen und der Umgang von Verantwortlichen sollen gezeigt werden
Uni untersucht Missbrauch im Erzbistum Paderborn

Paderborn (dpa). Wissenschaftler der Uni Paderborn arbeiten in einem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt den sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn auf. Zu dem Projekt gibt es nun neue Details.

Donnerstag, 04.06.2020, 11:23 Uhr aktualisiert: 04.06.2020, 11:32 Uhr
Der Dom in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Der Dom in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Unter dem Titel „Missbrauch im Erzbistum Paderborn – Eine kirchenhistorische Einordnung. Die Amtszeiten von Lorenz Jaeger und Joachim Degenhardt (1941-2002)“ sollen Erkenntnisse zum Umfang des Missbrauchs, Erfahrungen von Betroffenen und der Umgang von Verantwortlichen aufgezeigt werden, wie die Uni und das Erzbistum am Donnerstag gemeinsam mitteilten.

Geleitet wird das Projekt von der Religions- und Kirchenhistorikerin Nicole Priesching . Für die Arbeit hat Generalvikar Alfons Hardt uneingeschränkten Aktenzugang zugesichert, heißt es in der Mitteilung. Jaeger (1941 bis 1973) und Degenhardt (1974 bis 2002) waren die Amtsvorgänger des heutigen Erzbischofs Hans-Josef Becker.

„Lange vor einer Auseinandersetzung gescheut“

„Es gilt herauszufinden, welche Personenkreise innerhalb der Kirche von Missbrauchsfällen wussten, wie Entscheidungen über das Ergreifen oder Unterlassen weiterer Maßnahmen getroffen wurden und ob strukturelle Bedingungen existierten, die Missbrauchshandlungen fördern konnten“, sagt Priesching laut Mitteilung. Nach ersten Forschungsergebnissen liege nahe, so die Professorin, „dass sich die kirchlichen Institutionen lange vor einer Auseinandersetzung mit diesem Thema gescheut und so das Leid der Betroffenen nicht ausreichend anerkannt haben.“

2018 hatte eine Studie im Auftrag der Bischofskonferenz ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben sollen. Kritiker hatten an der Studie aber bemängelt, dass die Autoren keinen Zugang zu Originaldokumenten in den Kirchenarchiven bekommen hatten.

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