Stadt prüft Vorschlag für die Sommerferien und sucht nach einem passenden Gelände
Schausteller planen Freizeitpark auf Zeit

Paderborn (WB). Gibt es diesen Sommer statt Libori eine sechs- bis achtwöchige Ferienkirmes hinter Zäunen? Nach den Vorstellungen des Paderborner Schaustellervereins soll in den Sommerferien ein zeitlich begrenzter Freizeitpark in Paderborn entstehen. Die Stadt muss nun über den entsprechenden Vorschlag entscheiden.

Mittwoch, 10.06.2020, 07:04 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 10:08 Uhr
Viele Schausteller haben seit Monaten keine Einnahmen mehr. Einnahmequellen sind ihnen weggebrochen. Auch der Lunapark (Archiv-Foto) ist in diesem Jahr ausgefallen. Die Kirmesleute haben der Stadt Pläne für einen temporären Kirmes-Freizeitpark vorgelegt. Foto: Jörn Hannemann
Viele Schausteller haben seit Monaten keine Einnahmen mehr. Einnahmequellen sind ihnen weggebrochen. Auch der Lunapark (Archiv-Foto) ist in diesem Jahr ausgefallen. Die Kirmesleute haben der Stadt Pläne für einen temporären Kirmes-Freizeitpark vorgelegt. Foto: Jörn Hannemann

Zahlreiche Jahrmärkte und Kirmes-Feste sind wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Finanziell ist es ein Desaster für die Schausteller. Alle Einnahmequellen sind ihnen weggebrochen, darunter das für sie immens wichtige Liborifest. Doch die Kirmesleute arbeiten fleißig an Plänen, wie sie gefahrlos Kirmes-Spaß anbieten – und vor allem wirtschaftlich überleben können.

So entstand die Idee, aus der Kirmes einen Freizeitpark zu machen – dessen Öffnung ist nämlich schon erlaubt. „Entschieden ist noch nichts“, betont Paderborns Schausteller-Chef Hans-Otto Bröckling auf Nachfrage. Er hält sich zu den konkreten Plänen bedeckt, will das Projekt nicht gefährden. „Zu diesem Zeitpunkt kann man nur sagen: Wir haben unsere Fühler ausgestreckt.“ Die Pläne der Schausteller würden der Stadt nun vorliegen und müssten im Detail geprüft werden.

Die Vorteile liegen aber auf der Hand: Einerseits könnte den schwer gebeutelten Schaustellern geholfen werden, sich vor der Pleite zu retten. Andererseits könnte für Daheimgebliebene, insbesondere Familien mit Kindern, so etwas wie Urlaubsstimmung aufkommen.

Auch die Stadt hält sich auf Nachfrage noch zurück: Sie prüfe derzeit dafür geeignete Flächen. „Das ist zum Teil aufwendig, da Gutachten erforderlich sind und auch die Zustimmungen von anderen Behörden eingeholt werden müssen“, erläutert Pressesprecher Jens Reinhard. Die Suche nach alternativen Verdienstmöglichkeiten sei „sehr verständlich“. Die Umsetzung müsste allerdings mit der Einhaltung der Vorschriften zur Corona-Schutzverordnung vereinbar sein und die Belange von Anwohnern berücksichtigt werden. Der Unterschied zu einer herkömmlichen Kirmes: „Bei einer Innenstadtkirmes wie Libori könnte man nichts eingrenzen. Es wäre nicht zu kalkulieren, wie viele Leute gleichzeitig auf der Veranstaltungsfläche wären“, so Reinhard. Bei temporären Freizeitparks sei aber genau das möglich, um Abstände zwischen den Besuchern einhalten zu können. „Im Gegensatz zur Kirmes besteht zudem die Möglichkeit über eine Dokumentation der Personendaten Infektionsketten nachzuhalten.“ Das Areal wäre demnach komplett eingezäunt. Über die Ein- und Ausgänge könnte sicher gestellt werden, dass sich nicht zu viele Besucher auf der Fläche aufhalten.

Planung auch in Bielefeld

Entscheidender Knackpunkt könnte die Suche nach einem geeigneten Gelände sein. Mindestens 10.000 Quadratmeter müssten zur Verfügung stehen. Das wäre unter anderem auf dem Großparkplatz „Zur Gartenschau“ in Schloß Neuhaus möglich. Auf dem Schotterparkplatz stehen 15.000 Quadratmeter zur Verfügung. „Wir haben eine entsprechende Voranfrage der Stadt für das Gelände erhalten“, bestätigt Christian Stork, Geschäftsführer der Schlosspark und Lippesee Gesellschaft auf Nachfrage dieser Zeitung. Vor sechs Jahren spielte dort bereits vor 5000 Fans Pop-Star Nena auf dem Gelände. „Losgelöst von der Frage, ob das hier möglich ist oder nicht, finde ich es wichtig, dass den Schaustellern geholfen wird. Sie sind durch Corona arg gebeutelt und brauchen Unterstützung“, betont Stork.

Zeitweilige Freizeitparks sind derzeit in mehren Städten in NRW in Planung – darunter auch Bielefeld. Dort soll es von Anfang Juli bis Mitte August auf dem Gelände der Radrennbahn den temporären Freizeitpark geben – mit allem, was das Kirmesherz ausmacht. Auch ein größerer Biergarten und eine attraktive Gestaltung mit Blumen für das Ambiente sind vorgesehen. Unterstützt wird der Plan von Bielefeld Marketing GmbH und Teilen der Politik. Ob man wie in Freizeitparks üblich einen pauschalen Eintrittspreis zahlt und dann alle Fahrgeschäfte kostenlos nutzen darf oder man einen geringen oder gar keinen Eintritt zahlt und dann jeweils an den Fahrgeschäften zur Kasse gebeten wird, ist auch hier noch unklar. Die Planungen laufen weiter.

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