Prozess gegen drei Litauer: Landgericht Paderborn bekommt zwei Geständnisse
Schlägerei lässt BMW-Bande auffliegen

Paderborn (WB). Im Krimi ebenso wie im echten Leben: Eine Schlägerei unter Betrunkenen ruft die Polizei auf den Plan – und am Ende wird eine professionelle Verbrecherbande geschnappt. So ist es den BMW-Dieben ergangen, die seit Ende Mai in Paderborn vor Gericht stehen.

Freitag, 12.06.2020, 21:00 Uhr
Das Land- und Amtsgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Das Land- und Amtsgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Drei Männer sitzen auf der Anklagebank im Landgericht. Sie sollen eine effizient organisierte Bande von Autodieben sein, ihre Spezialität teure BMW-Modelle mit Keyless-Go-System. Modernste Technik, wechselndes Personal, höchste Geheimhaltung, versteckte Rückzugsorte – so schafften es die Litauer, zwei Jahre lang den Ermittlern der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Und klauten in der Zeit zwischen November 2017 und November 2018 eine ganze Menge Autos im östlichen Nordrhein-Westfalen und südlichen Niedersachsen, Gesamtwert weit über eine Million Euro. In dem Prozess berichtete jetzt der Ermittlungsleiter, wie es der Paderborner Kripo gelang, die Bande zu lokalisieren und auszuheben.

An einem im August 2018 nach einem Diebstahlsversuch zurückgelassenen BMW, so berichtete der Kriminalpolizist, wurden DNA-Spuren gesichert, die von einem jetzt 44 Jahre alten Litauer stammten. Der war allerdings nirgendwo zu finden. Bis Juli 2019: Da ließen in Minden die alkoholisierten Kontrahenten in einem Nachbarschaftsstreit die Fäuste fliegen – weshalb die Herren erkennungsdienstlich behandelt wurden. Und siehe da: Einer der Streithähne war der gesuchte Tatverdächtige aus Elsen.

Umfangreiche Ermittlungen

Von da an drehte die Polizei von der Domstadt aus das ganz große Rad, mit verdeckten Ermittlungen, Telefonüberwachungen und schließlich auch dem Anbringen von Ortungsgeräten an zwei Autos, die auf den Mieter der Mindener Wohnung liefen, vor der sich der gesuchte Litauer geprügelt hatte.

Ende November zahlten sich die Maßnahmen aus: Ein Einsatzkommando der Polizei schnappte den 44-Jährigen zusammen mit einem 19-jährigen Landsmann und einem frisch gestohlenen BMW X6. Das Beweismaterial, das dabei sichergestellt wurde, ist unbezahlbar. Neben Teilen von seit November 2017 gestohlenen Autos lagerten in der Halle auch Müllsäcke mit Gegenständen aus den Fahrzeugen, darunter auch Dokumente von Haltern. Ein mobiles Navigationsgerät enthielt insgesamt 36 Routen zu Adressen, an denen Diebstähle erfolgt waren – von denen jetzt 27 angeklagt sind.

Der 44-Jährige und der 19-Jährige haben am Freitag ein Geständnis abgelegt. Der 41 Jahre alte mutmaßliche Mittäter ziert sich noch: Er habe weder gewusst, dass die Übernachtungsgäste in seiner Wohnung Autodiebe seien, noch dass sie in der von ihm gemieteten Halle die gestohlenen BMWs zerlegt hätten.

Das Landgericht wird sich noch bis in den Juli mit der Beweisaufnahme beschäftigen.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7447540?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Diese neue Corona-Schutzverordnung gilt ab Dienstag in Nordrhein-Westfalen
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (rechts, CDU) und Andreas Pinkwart (FDP) informieren über neue Corona-Schutzbedingungen in dem Bundesland.
Nachrichten-Ticker