Biker lehnen Sonntagsfahrverbote ab
Kampf gegen Motorradlärm

Paderborn (WB). Bundesweit wird gegen unnötigen Motorradlärm mobil gemacht. Der Bundesrat hat sich unlängst mit dem Thema befasst. Es geht um Dezibel-Begrenzungen und bei besonderen Konfliktfällen um zeitlich beschränkte Verkehrsverbote. Das bedeutet: An Sonn- und Feiertagen dürften Biker aus Gründen des Lärmschutzes dann nicht mehr fahren, heißt es in dem Antrag des Landes NRW.

Samstag, 13.06.2020, 07:13 Uhr aktualisiert: 13.06.2020, 07:40 Uhr
Zu laute Motorräder sollen künftig nicht mehr erlaubt sein. Der Bundesrat hat dazu auf Antrag des Landes NRW eine Initiative gestartet. In Teilen Tirols dürfen bereits Fahrzeuge mit mehr als 95 Dezibel sonntags nicht mehr bewegt werden. Foto: dpa
Zu laute Motorräder sollen künftig nicht mehr erlaubt sein. Der Bundesrat hat dazu auf Antrag des Landes NRW eine Initiative gestartet. In Teilen Tirols dürfen bereits Fahrzeuge mit mehr als 95 Dezibel sonntags nicht mehr bewegt werden. Foto: dpa

Insbesondere die diskutierten Fahrverbote kommen in der Szene nicht gut an. In Tirol sind sie bereits Realität: Dort dürfen Biker mit Maschinen, die lauter als 95 Dezibel sind, einige Straßen nicht mehr befahren. Für diesen Sonntag war daher ein Motorrad-Treffen mit Ausfahrt geplant, um auf die Bestrebungen des Bundesrates hinzuweisen. Das Treffen zum OWL Ride sollte am Autohof Mönkeloh starten. Es wurde allerdings am Freitag kurzfristig abgesagt: Hintergrund seien die Wetterprognosen, teilte Mitorganisator Markus Rieke aus Neuenheerse mit. Damit fällt die 220 Kilometer weite Ausfahrt, die durch das Paderborner Land, den Kreis Höxter und Lippe führen sollte, buchstäblich ins Wasser.

Ausfahrt kurzfristig abgesagt

Aufgeben wollen die Initiatoren Markus Rieke und Rene Riedel aus Herford, die die Interessengemeinschaft Biker’s Club Germany gegründet haben, allerdings nicht. Sie planen nun einen neuen Termin. Rieke, der selbst seit 27 Jahren Motorrad fährt, ärgert sich über die geplanten Fahrverbote: „Immer sind die Motorradfahrer die Bösen.“ Dabei gehe es um einige wenige, die „die Hand immer am Anschlag haben und sich nicht an die Straßenverkehrsordnung halten“, betont er.

Wer das Motorradfahren verbiete, ignoriere die enorme wirtschaftliche Bedeutung. Hersteller, Händler, Werkstätten, Zubehörläden, Gastronomie, Tankstellenpächter: Alle lebten von dem Hobby, das für viele eine Leidenschaft sei, meint der Kfz-Mechaniker.

Für den OWL-Ride hätten 100 Teilnehmer zugesagt, gerechnet wurde mit 200 Bikern aus ganz Ostwestfalen-Lippe und dem benachbarten Hochsauerlandkreis. In kleinen Gruppen wollten die Biker durch den Teutoburger Wald, am Eggegebirge vorbei bis zum Weserbergland und durch den Solling rollen. Eine Pause war auf dem Köterberg eingeplant, der sich im Dreiländereck der Kreise Höxter, Lippe und Holzminden befindet. Das Köterberghaus ist auch bei vielen Paderbornern ein beliebter Motorradtreff – sehr zum Leidwesen der Anwohner der betroffenen Ortschaften.

Proteste im Kreis Höxter und in Altenbeken

Seit Jahren gibt es dort Proteste der Bürger sowie Maßnahmen der Behörden, die Belastungen durch Motorradlärm einzudämmen. Natürlich gebe es einige „Idioten, die ihre Maschinen im ersten Gang bis 80 Stundenkilometer hochziehen oder mit Zwischengas durch die Gegend eiern“, sagt Rieke. Die Allermeisten achteten aber darauf, nicht aufzufallen, sagt er.

Auf der geplanten Route stand auch Altenbeken. Auch hier gibt es immer wieder Beschwerden von Anwohnern, berichtet Paderborns Polizeisprecher Michael Biermann. Die Kreispolizeibehörde Paderborn werde in absehbarer Zeit ein Messgerät erhalten, um Motorradlärm zu ermitteln, berichtete der Pressesprecher auf Anfrage. „Wir haben unseren Bedarf angemeldet“, berichtet er. Es werde derzeit geprüft, welches Gerät für Paderborn infrage komme. Dabei könne es auch darum gehen, temporäre Messungen vorzunehmen, um festzustellen, ob das subjektive Empfinden von Anwohnern durch Messergebnisse bestätigt werden könne.

Rieke und Riedel wollen an diesem Wochenende Pläne für den neuen Termin schmieden. „Wir wollen keine politische Kundgebung veranstalten. Wir wollen als Motorradfahrer positiv auffallen“, sagt Rieke. Daher würden zuvor klare Verhaltensregeln vereinbart. Alle Teilnehmer würden aufgefordert, sich vorbildlich zu verhalten. Ansonsten drohe der Ausschluss.

Forderungen des Bundesrates

Der Bundesrat setzt sich für eine Minderung von Motorradlärm ein. Da die Geräuschemissionen von Kraftfahrzeugen in EU-Vorschriften und in internationalen Vorschriften der UN geregelt sind, wird die Bundesregierung aufgefordert, sich auf europäischer und internationaler Ebene stärker für geringere Lärmemissionen bei Motorrädern einzusetzen. Künftig sollen strengere Geräuschgrenzwerte bei der Genehmigung und Zulassung von neuen Motorrädern gelten. Außerdem sollen Strafen bei Manipulationen, die zur Überschreitung der Lärmgrenzwerte führen, verschärft werden. Die Möglichkeiten der Polizeibehörden, gravierende Überschreitungen rechtlich sicher zu ahnden, sollen verbessert werden.

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