Neues Projekt des Paderborner Künstlers Hans-Josef Mertensmeyer
Finke-Abriss wird zum Kunstwerk

Paderborn (WB). „Ich habe durch den Zaun fotografiert und war zugestaubt bis obenhin“, erinnert sich Hans-Josef Mertensmeyer. Fünf Monate lang radelte der Paderborner Künstler immer wieder zum Finke-Möbelhaus, um dessen Abriss zu dokumentieren. Zwischen Ende Juni und Anfang Oktober 2019 entstanden 450 Fotos, die Mertensmeyer jetzt für ein außergewöhnliches Kunstprojekt verwendet. Dessen Werke sollen auf Ausstellungen gezeigt, können aber auch von Unternehmen oder Privatleuten geleast und gekauft werden. Auf diese Weise soll das markante Möbelhaus an der Paderborner Straße in Erinnerung bleiben.

Dienstag, 16.06.2020, 09:06 Uhr aktualisiert: 16.06.2020, 09:08 Uhr
In seinem Garten präsentiert Hans-Josef Mertensmeyer seine Fotos vom Abriss des Finke-Möbelhauses. Foto: Oliver Schwabe
In seinem Garten präsentiert Hans-Josef Mertensmeyer seine Fotos vom Abriss des Finke-Möbelhauses. Foto: Oliver Schwabe
Mit Acrylfarben hat Hans-Josef Mertensmeyer die Fotos von Hand übermalt und kreativ gestaltet.

Mit Acrylfarben hat Hans-Josef Mertensmeyer die Fotos von Hand übermalt und kreativ gestaltet. Foto: Oliver Schwabe

Als dessen Abriss begann, löste das bei dem 74-jährigen Künstler Wehmut und das Bedürfnis „Du musst was machen“ aus. „Das war ein besonderer Ort, ich musste festhalten, dass das Möbelhaus abgerissen wird. Wilfried Finke war ein guter Freund von mir“, erzählt Hans-Josef Mertensmeyer dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT. Sein Kunstprojekt sei die „Dokumentation eines Möbelhauses, das viele Menschen besucht haben“. Auf den Fotos sind Schutthaufen, zertrümmerte Steine, Pfeiler, Stahlseile und zerstörerische Maschinen zu sehen, die aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. Beim Betrachter soll trotzdem nicht der Eindruck von Trostlosigkeit entstehen. Farbe sorgt für ein Stück Harmonie. Bislang 30 Fotos hat Mertensmeyer von Hand übermalt und kreativ gestaltet. Helle Acrylfarben bilden einen Kontrast zum Alten, Abgerissenen und sollen das Neue symbolisieren – die Tatsache, dass auf der Ruine ein neuer Möbelmarkt entsteht.

80 Videos

Wie berichtet ist das Höffner-Möbelhaus so gut wie fertig und soll am 30. Juli eröffnet werden. 65 Millionen Euro investiert der Unternehmer Kurt Krieger in den Standort. Der Künstler Hans-Josef Mertensmeyer fotografierte den Abriss des Vorgängerbaus nicht nur, sondern drehte auch 80 Videos, die – zu einem Film zusammengefasst – während der Ausstellungen gezeigt werden sollen. Normalerweise fotografiert er nur Menschen, Männer und Frauen aus aller Welt so wie in seiner Reihe „Der Abend von Havanna“. Aber auch die Fotos vom verschwindenden Möbelmarkt versprühten Lebendigkeit, sagt der Künstler. Die mit Farbe versehenen Fotos sollen den Menschen, die den Möbelmarkt gekannt oder in ihm gearbeitet haben, deutlich machen: „Es gibt ihn zwar nicht mehr, aber wir haben eine Erinnerung.“

Kunst zum Ausleihen

An den im Januar 2019 verstorbenen Unternehmer Wilfried Finke denkt Hans-Josef Mertensmeyer gerne zurück. Er sei ein Mensch gewesen, „der etwas geschaffen und Ideen gehabt hat“. Ein Faible für Kunst hatte Wilfried Finke auch. Davon zeugte die von dem Künstler Joan Sofron gestaltete Fassade, die dieses Möbelhaus aus der Masse der vielen verwechselbaren heraushob. Was hätte Finke wohl zu Mertensmeyers Idee mit den künstlerisch gestalteten Fotos vom Abriss gesagt?

Wer von der Idee angetan ist, kann sich bei dem Künstler unter der Telefonnummer 05254/6181 oder über die Internetadresse www.hjm-kunstleasing.de melden und Werke kaufen oder leasen. Etwa zehn Euro im Monat kostet es, eines der in Kunst verwandelten Fotos zu leasen.

KÜnstlerische Ader schon als Kind

Gut 2300 Werke sind bei Hans-Josef Mertensmeyer in vielen Jahrzehnten zusammengekommen. Seit er zwölf Jahre alt war, malt er. Auf dem idyllischen Anwesen am Brockhof in Elsen hat er sich sein Paradies geschaffen und arbeitet dort unter freiem Himmel. Dort schwebt dem Mann mit der Kappe als Markenzeichen eine Open-Air-Galerie vor, in der Besucher Kunstwerke in und an Bäumen betrachten und erleben können. Zurzeit konzentriert er sich aber auf die Fotos vom ehemaligen Finke-Möbelmarkt.

Einen Teil davon wird Mertensmeyer in Chicago zeigen, und dann lernen auch die Amerikaner einen Teil der Paderborner Stadtgeschichte kennen. Für Mertensmeyer ist Fotografieren mehr als nur Handwerk, es ist ein innerer Drang: „Auge und Seele drücken auf den Auslöser.“ Das Leben festzuhalten, fasziniert ihn. Und zum Leben von Menschen und Gebäuden gehört auch das Ende..

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