Vom Massenprodukt bis zum Einzelstück: Paderborner Unternehmen expandiert digital
Mediaprint macht Druck

Paderborn (WB). In der Eggertstraße im Paderborner Gewerbegebiet Benhauser Feld gibt es beides: die alte und die neue Welt. Unter dem Dach der Mediaprint-Gruppe sorgen 120 Mitarbeiter im Offset- und seit vergangenem Jahr auch im Digitaldruck für Umsatz.

Mittwoch, 17.06.2020, 09:42 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 09:44 Uhr
Werkleiter der Smart Factory ist Timo Koerdt. Er kontrolliert einen Druckbogen für einen Katalog. In der Smart Factory der Unternehmensgruppe Mediaprint sind 15 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt sind hier sechs Millionen Euro investiert worden. Foto: Ingo Schmitz
Werkleiter der Smart Factory ist Timo Koerdt. Er kontrolliert einen Druckbogen für einen Katalog. In der Smart Factory der Unternehmensgruppe Mediaprint sind 15 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt sind hier sechs Millionen Euro investiert worden. Foto: Ingo Schmitz

Egal ob Bedienungsanleitungen für Kettensägen oder die individuell angefertigte Einladungskarte für die Taufe der Tochter – egal ob eine 10.000er Auflage oder ein Einzelstück: Mediaprint kann alles. Das heißt: sowohl Massendruck und als auch Einzelstücke in Massenproduktion.

Dr. Otto Drosihn, alleiniger Gesellschafter der Paderborner Unternehmensgruppe, hat mit den beiden Geschäftsführern Dominik Haacke und Tobias Kaase den Finger am Puls der Zeit. Der Unternehmer ist sicher: „Die Kleinauflage gewinnt zunehmend an Bedeutung.“

Präsentieren die neue Smart-Factory von Mediaprint: die Geschäftsführer Dominik Haacke (links) und Tobias Kaase (rechts) mit Gesellschafter Dr. Otto Drosihn (Mitte).

Präsentieren die neue Smart-Factory von Mediaprint: die Geschäftsführer Dominik Haacke (links) und Tobias Kaase (rechts) mit Gesellschafter Dr. Otto Drosihn (Mitte). Foto: Ingo Schmitz

Nicht umsonst hat das Unternehmen im vergangenen Jahr sechs Millionen Euro investiert, um sich für die Zukunft zu wappnen. „Smart-Factory“ nennt sich das neue Werk, das in der ehemaligen Westfalia-Druckerei, die Mediaprint gekauft hat, entstanden ist. Das Gebäude wurde entkernt und modern gestaltet. Kernstück sind die hochautomatisierten Digitaldrucker mit anschließender Weiterverarbeitung.

Mediaprint betreibe nach wie vor das klassische Druckgeschäft, das auch weiterhin den größten Teil des Umsatzes ausmache, sagt Kaase. 85 Prozent von insgesamt 25 Millionen Euro werden mit klassischen Druckerzeugnissen gemacht. 15 Prozent steuert die Digitalschiene bei. Der Anteil wachse: Ende des Jahres will Mediaprint bei einem Anteil von einem Drittel sein, berichtet Kaase.

Auftrag in 48 Stunden beim Kunden

Darüber hinaus betreibt Mediaprint mehrere Online-Plattformen, auf denen ganz individuelle Druckwünsche – vom Flyer bis zur Broschüre, von der Familienchronik über das Abiturbuch bis hin zum selbst geschriebenen Roman – entworfen und bestellt werden können. Die Plattformen richten sich sowohl an Endverbraucher, als auch an Vereine und Firmen. Die Bestellungen laufen komplett ohne persönlichen Berater und sind zum Teil innerhalb einer Minute per Handy erledigt. Der Vorteil: Das Druckergebnis kommt innerhalb von 48 Stunden beim Auftraggeber an.

Ein Beispiel aus der alten Welt: Mediaprint druckt unter anderem auch für Unternehmen und Banken in der Region die Geschäftsberichte oder Kataloge. Früher bestellten die Firmen hohe Auflagen. Denn: je höher die Auflage, desto geringer der Stückpreis für das einzelne Druckexemplar. „Fakt war aber, dass 30 Prozent der Broschüren dann hinterher weggeschmissen wurden, weil sie keiner brauchte“, berichtet Drosihn. Das gelte übrigens auch für den normalen Buchdruck. Ökologisch und betriebswirtschaftlich sei das wohl eher fragwürdig. Jetzt sei Mediaprint darum bemüht, mit dem Kunden die tatsächlich benötigte Druckauflage zu ermitteln.

Ressourcen schonen

In einer Zeit, in der Ressourcenschonung angesagt ist, könne man sich das Wegschmeißen von Büchern nicht mehr erlauben, meint Drosihn. Das Beispiel Fotokalender, dessen Lebenszeit ja bekanntlich auf zwölf Monate beschränkt ist, kennzeichnet die neue Welt: Wer auf der Mediaprint-Plattform Calvendo oder über Amazon einen Themen-Kalender zum Beispiel mit Tierfotos bestellt, bekommt ein Exemplar, das speziell für den Kunden frisch gedruckt wird. Somit sei gewährleistet, dass stets nur so viele Exemplare produziert werden, wie tatsächlich benötigt würden. Durch den Einsatz der Smart-Factory will Mediaprint 5000 Aufträge pro Tag abwickeln.

Einsatz Künstlicher Intelligenz

Zur Unternehmensgruppe gehören die Online-Portale und Plattformen „Onlinedruck.Biz“, „Europadruckerei“, „Calvendo“, „Mein 1. Kalender“, „Wilma“ und „Total-Lokal.de“. Geschäftsführer Dominik Haacke von Mediaprint Solutions erläutert, dass „Mein 1. Kalender“ aus einer Idee mit Gründern des Innovationsquartiers „Garage 33“ entstanden sei. Hier können frisch gebackene Eltern zur Geburt ihres Kindes einen individuellen Kalender drucken lassen, der für jeden Lebenstag Tipps und Tricks bereit hält.

Um den Puls der Zeit voran zu treiben, wird bei Mediaprint nicht nur mit Gründern zusammen gearbeitet, sondern auch geforscht. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut und der Uni Bielefeld geht es bei dem Projekt „Move“ von It’s OWL um den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Ziel ist es Produktplanungen, Materialbedarf und Personaleinsatz zu automatisieren und zu optimieren. Weitere Partner sind die Firmen Hettich, Diebold Nixdorf und Phoenix Contact.

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