Stadtrat gibt Startschuss für den Abriss des Paderborner Bahnhofes
In drei Monaten sollen die Bagger anrollen

Paderborn (WB). Der Beschluss zum Neubau des Bahnhofs steht. Damit kann nun auch endlich der Startschuss für den Abriss des Altbaus gegeben werden. Das hat die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses erklärt. Im rund drei Monaten sollen die Bagger anrollen.

Donnerstag, 18.06.2020, 09:46 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 09:48 Uhr
Das Jahrhundertprojekt, wie Bürgermeister Michael Dreier den Neubau des Bahnhofes nennt, kann bald beginnen. Foto: Oliver Schwabe
Das Jahrhundertprojekt, wie Bürgermeister Michael Dreier den Neubau des Bahnhofes nennt, kann bald beginnen. Foto: Oliver Schwabe

Bevor es soweit ist, müssen allerdings noch Vorbereitungen getroffen werden. In Kürze werde mit dem Aufbau einer Zwischenlösung begonnen, sagte Warnecke auf Anfrage von Ratsherr Stephan Hoppe (Für Paderborn). Damit in der Bauzeit weiterhin die Infrastruktur des Bahnhofs genutzt werden kann, werden im Umfeld provisorische Verkaufsflächen zur Verfügung gestellt. Die jetzigen Mieter – darunter unter anderem die Bäckerei Lange – warten bereits seit einem Jahr darauf, dass es endlich losgeht.

Kritik der Grünen

Doch vor dem Beschluss, der bereits im Bau- und Planungsausschuss mit großer Mehrheit ausgefallen war, stand die erneute Debatte. Erneut nutzten die Grünen das Forum, um ihre Ablehnung deutlich zu machen. Die Kritik von Dr. Klaus Schröder: Die angestrebte Lösung schaffe mit Blick auf die Verkehrssituation zusätzliche Probleme und löse keine.

Zuvor hatte Dieter Honervogt (CDU) die Gelegenheit zu einem flammenden Plädoyer genutzt. „Ich bin froh, dass heute eine jahrzehntelange Diskussion endet. Ich freue mich, dass wir einen Schlussstrich ziehen“, sagte der Ratsherr. Der vorliegende Plan zum Neubau des Bahnhofs mit Fahrradparkhaus sei der bestmögliche Kompromiss zwischen Deutsche Bahn, Investor Bremer und Stadt Paderborn. Seinen Fokus richtete Honervogt vor allem auf den Vorplatz des Gebäudes. Angesichts der begrenzten Fläche könnten nicht alle Verkehrsteilnehmer die Gewinner sein. „Ich sage nicht, dass die Lösung optimal ist“, gab der stellvertretende Bürgermeister zu.

Appell für Kompromiss

Honervogt appellierte an die Ausschussmitglieder, dem Kompromiss zuzustimmen, damit der jetzige Bahnhof, der peinlich für Paderborn sei, endlich verschwinden könne.

Honervogt stellte fest: „Wer den Kompromiss ablehnt, der sagt Nein zu einer weiteren Entwicklung der Bahnhofstraße, der sagt Nein zu einem geordneten Fahrradparken und der sagt auch Nein zu den Parkhäusern und damit auch Nein zu der Mobilitätsentwicklung der Stadt und zur Entwicklung des Grundstücks Florianstraße.“

Dr. Klaus Schröder von den Grünen blieb aber bei seiner Ablehnung. Bei dem vorliegenden Plan hätten die Planer ihre Hausaufgaben nicht gemacht. „Das was ihr vorhabt, geht zu Lasten Dritter“, sagte Schröder in Richtung CDU. Er monierte, dass die Grünen frühzeitig auf die problematische Verkehrsführung insbesondere für Fußgänger und Radfahrer hingewiesen habe. Das sei aber völlig ignoriert worden, warf er der Verwaltung vor, die hier mit dem Kopf durch die Wand wolle.

Kein Ende der Debatte

Mit dem Beschluss werde nicht das Ende der Debatte erreicht. Vielmehr werde man sich künftig wohl noch etliche Male darüber unterhalten müssen, wie man die dadurch entstandenen Probleme lösen könne. „Im Moment weiß keiner, wie er das Fahrradparkhaus erreichen soll“, nannte Schröder eines der Probleme. „Wer hier Ja sagt, der sagt Ja zu völlig ungeordneten Fahrrad- und Fußgängerverkehren.“ Er kündigte an, dass dieses Projekt nicht das „grüne Gütesiegel“ erhalten werde.

Die übrigen Ratsfraktionen hielten es allerdings wie die CDU: Sie verwiesen auf den Kompromiss, stimmten aber letztlich zu. Alexander Senn (FDP) wies zudem auf die Situation der Kurzzeitparkplätze hin, die zugunsten des Fahrradparkens geopfert werden sollen. Das lehnte der FDP-Fraktionschef ab.

Bahnschelte

Dr. Beate Röttger-Liepmann (SPD) zeigte sich dankbar, dass im Laufe des Prozesses die Fassadengestaltung überarbeitet und damit der Haupteingang stärker herausgestellt worden sei. Die jetzt gefundene Optik sei gelungen als Einfallstor in die Stadt. Mittelfristig, so meinte sie, müsse allerdings tatsächlich die Verkehrsführung auf der Bahnhofstraße überdacht werden, um Radfahrern einen geordneten Weg in die Stadt zu ermöglichen.

Stephan Hoppe (Für Paderborn) schimpfte auf die Bahn, die ihrer Verantwortung hier nicht gerecht werde. Das jetzige Bahnhofsgebäude sei nicht peinlich für Paderborn, sondern für die Bahn, stellte er fest. Dass die Stadt sich mit 1,9 Millionen Euro an dem Projekt beteiligen müsse, das schmeckte auch FBI-Ratsherr Helmut Hüttemann nicht. „Aber wir müssen das Kapitel zu Ende führen“, sagte er. Johannes Knaup (LKR) sprach von einer Notwendigkeit, für die es nur ein Ja geben könne. Und Roswitha Köllner (Linksfraktion) meinte, dass eine Gegenstimme nur dafür sorgen werde, dass der jetzige Schandfleck weiter bleibe.

Abstimmungsergebnis eindeutig

Das Abstimmungsergebnis fiel entsprechend eindeutig aus: Es gab drei Nein-Stimmen von den Grünen, der Rest war Zustimmung. Die FDP lehnte wie angekündigt das Fahrradparken zu Lasten der Kurzzeitparker ab.

Bürgermeister Michael Dreier nutzte die Gelegenheit, noch einmal die Bedeutung des Beschlusses hervorzuheben. „Es ist ein Jahrhundertprojekt. Und ich verwahre mich dagegen, dass wir hier mit dem Kopf durch die Wand wollen. Dass dieses Vorhaben nicht das ‚grüne Gütesiegel‘ bekommt, damit kann ich gut leben.“

Kommentare

Fabian  schrieb: 18.06.2020 13:35
Falsche Prioritäten in der Verkehrsplanung
Dass in Paderborn lieber an Grünflächen, Rad- oder Fußwegen als an Parkplätzen und Fahrspuren für den MIV gespart wird, überrascht nicht wirklich. Schon jetzt sind die Wege am Bahnhof ziemlich überlaufen, wenn mehrere Züge zeitgleich einfahren. Das wird sich definitiv nicht bessern!
Peinlich wird es, wenn Besucher aus der Bahnhofstür heraus nicht auf einen ansprechenden Platz (oder zumindest breiten Gehweg) schreiten, sondern direkt auf der 4-spurigen Straße stehen oder Fahrrädern ausweichen müssen.
1 Kommentare
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