Paderborner Ausschuss lehnt Forderung der Anwohner vorläufig ab
Quinhagen wird nicht für Durchgangsverkehr gesperrt

Paderborn (WB). Die Straße Im Quinhagen in Schloß Neuhaus wird vorläufig nicht für den Durchgangsverkehr gesperrt. Mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP ist ein entsprechender Bürgerantrag am Mittwochabend im Bezirksausschuss Schloß Neuhaus/Sande abgelehnt worden. Auch im Bauausschuss am Donnerstagabend wurde der Antrag abgelehnt. Lediglich die Vertreter der Grünen und der Linksfraktion stimmen dafür. Es soll aber daran festgehalten werden, die Verkehrssituation weiterhin zu beobachten.

Freitag, 19.06.2020, 09:35 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 09:38 Uhr
Die Straße Im Quinhagen führt von der Benteler-Arena bis nach Schloß Neuhaus. Foto: Jörn Hannemann
Die Straße Im Quinhagen führt von der Benteler-Arena bis nach Schloß Neuhaus. Foto: Jörn Hannemann

Schon seit mehreren Jahren bemühen sich die Anlieger darum, dass die Straße, die von der Benteler-Arena nach Schloß Neuhaus führt, für den Durchgangsverkehr gesperrt wird. In dem neuen Bürgerantrag, den 130 von etwa 170 Anwohnern unterschrieben haben, wird die Straße als „Schleichweg“ eingestuft, der „in erheblichem Maße“ von gebietsfremden Verkehr genutzt werde. Darüber hinaus würden die Geschwindigkeitsbeschränkungen kaum beachtet. Aufgrund des neuen Höffner-Möbelhauses und des geplanten Hornbach-Baumarktes gegenüber dem Möbelhaus erwarten die Anwohner zudem noch mehr Durchgangsverkehr.

Weniger Verkehr nach Verengung

Udo Olschewski, Leiter des Ordnungsamtes, machte in den Ausschusssitzungen allerdings deutlich, dass es aus Sicht der Stadtverwaltung derzeit nicht erforderlich sei, die Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren. Nach Angaben der Stadt sollen die Verkehrsmengen auf der Straße zuletzt abgenommen haben. Seien im Juni 2018 noch 1626 Kraftfahrzeuge gezählt worden, seien es im Januar 2019 nur noch 1349 und im Januar dieses Jahres 1290 gewesen. Im Oktober 2018 hatte die Stadt, wie berichtet, die Fahrbahn in einigen Bereichen verengen lassen.

Mehrmals im Monat werde an der Straße die Geschwindigkeit überwacht. Im Schnitt werden laut Stadt 14 Prozent der Fahrzeuge geblitzt. Bei einer Messung im Januar 2020 in der Tempo-30-Zone seien 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer nicht schneller als 31 Stundenkilometer unterwegs gewesen. Im Juni 2018 lag dieser Wert noch bei 35 Stundenkilometer. Es stimme also nicht, dass dort zu viele zu schnell führen, sagte Olschewski. Bisherige Untersuchungen, die besagen, dass dort etwa 80 Prozent gebietsfremder Durchgangsverkehr unterwegs sei, seien nicht mehr aktuell.

Verkehr in Richtung Benteler

Die Frage sei in diesem Zusammenhang, was eigentlich gebietsfremd sei und was Anliegerverkehr. Er gehe derzeit von etwa 300 Fahrten für den Anwohnerverkehr (Hin- und Rückfahrt) sowie im Schnitt 700 Fahrten für Kunden des am Quinhagen ansässigen Tier- und Gartenbedarfscenters Ellenbürger und 150 Fahrten für Liefer- und Pflegedienste und Besucher aus. Hinzu kämen noch etwa 150 Fahrten von Mitarbeitern des Autozulieferers Benteler. Mit dem Unternehmen habe die Stadt Kontakt aufgenommen. Nur ein geringer Anteil am Verkehr sei also wirklich gebietsfremd, sagte Olschewski: „Und die Firma Benteler will sich darum kümmern.“

170 Fahrzeuge pro Stunde erwartet

Eine Untersuchung der Stadt vor mehr als zwei Jahren zu Finke-Zeiten war zu dem Ergebnis gekommen, dass 82 Prozent der Fahrzeuge, die auf der Straße Im Quinhagen fuhren, nicht aus Paderborn kamen. Dieses Ergebnis zweifelt Olschewski mittlerweile an. Das Höffner-Möbelhaus erwartet nach der Eröffnung nach eigenen Angaben zu Spitzenzeiten 150 bis 170 Fahrzeuge pro Stunde, die das Möbelhaus ansteuern werden. Die Anwohner befürchten, dass viele der Kunden auch über den Quinhagen fahren werden.

Olschewski betonte, dass die Verkehrssituation weiterhin beobachtet und kontrolliert werden solle, „wenn Höffner und Hornbach fertig sind“. „Aus den objektiven Verkehrsgegebenheiten ergibt sich derzeit aber keinerlei Anlass, etwas an der Verkehrsregelung zu ändern“, sagte der Ordnungsamtsleiter. CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Markus Mertens stimmte ihm zu: „Im Vergleich zu anderen verkehrsberuhigten Bereichen ist der Verkehr dort nicht besonders ausgeprägt.“

Verständnis für Anwohner

Grünen-Ratsherr Markus Müller kritisierte die Verwaltung. Er forderte ebenso wie Günter Neumann (Linksfraktion), dass weitere Maßnahmen beschlossen werden sollten. SPD-Ratsherr Manfred Krugmann äußerte zwar Verständnis für die Sorgen der Anwohner, betonte jedoch, dass er aktuell keinen Handlungsanlass sehe: „Wir werden die Situation aber weiterhin aufmerksam hinterfragen.“ Im Bauausschuss machte Anwohner Rolf Oberliesen deutlich, worum es den Anwohnern gehe. Er appellierte an die Ausschussmitglieder, einer zeitlich befristeten Erprobung der Maßnahme mit einer Beschilderung „Anlieger frei“ zuzustimmen. Doch dieser Wunsch fand letztlich keine Mehrheit.

Kommentare

Fabian  schrieb: 19.06.2020 12:45
Alternative schaffen
Man könnte auch einfach eine Auffahrt an der B1 Richtung Bad Lippspringe schaffen (aktuelle Fahrt über Kreisverkehr ist lästig). Und eine direkte Auffahrtmöglichkeit vom Quinhagen zur Münsterstraße. Damit würde ein großer Teil des Verkehrs durch Neuhaus umgeleitet werden. In Verbindung mit einem klaren Durchfahrtsverbot für das untere Stück ab Gartenmarkt. Ich denke, die Kosten wären insgesamt überschaubar.
1 Kommentare
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