Nur Tönnies-Mitarbeiter in Quarantäne, keine Angehörigen
Quarantäne: Paderborn in der Kritik

Paderborn (WB). Die Regelung, dass im Kreis Paderborn nur für die gut 50 Beschäftigten des Tönnies-Konzerns eine Quarantäne erlassen wurde, nicht aber für deren Angehörige, hat heftige Kritik hervor­gerufen. Die Frau eines Tönnies-Verwaltungs-Mitarbeiters, die am Wochenende häufig in einem Altenheim in Paderborn arbeitet, spricht gegenüber dieser Zeitung von einem „unverantwortlichem Handeln“.

Dienstag, 23.06.2020, 08:16 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 08:18 Uhr
Der Corona-Massenausbrauch bei Tönnies hat nicht nur Auswirkungen auf den Kreis Gütersloh. Foto: dpa
Der Corona-Massenausbrauch bei Tönnies hat nicht nur Auswirkungen auf den Kreis Gütersloh. Foto: dpa

„Der Kreis Paderborn setzt damit die Gesundheit der Menschen aufs Spiel“, sagt die Frau, die namentlich nicht genannt werden will. Trotz Nachfrage mit dem Hinweis auf ihren Job habe das Gesundheitsamt es abgelehnt, sie unter Quarantäne zu stellen oder ihr ein Schreiben für ihren Arbeitgeber auszustellen. „Mein Mann muss zuhause bleiben, aber ich darf zur Arbeit, meine Tochter und mein Sohn zur Schule. Das kann doch nicht sein.“ Sie habe in dem Altenheim abgesagt. „Ich verzichte freiwillig auf meinen Lohn, den mir niemand ersetzt.“ Unter der Woche arbeite sie in Bielefeld. Sie hätte also auch mit Bus und Bahn nach Bielefeld fahren können, was sie aber nicht tat.

Montagabend dann die Hiobsbotschaft: Ihr Mann wurde positiv auf das Virus getestet. „Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wäre ich zur Arbeit gefahren“, sagt die Frau, die nun überlegt, das Gesundheitsamt anzuzeigen. Der Kreis Paderborn verteidigt sein Vorgehen. Den Angehörigen zunächst nur zu em­pfehlen, zuhause zu bleiben, entspreche den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. Angesichts des Ausmaßes des Ausbruchs würden nun aber auch die Angehörigen im Kreis Paderborn unter Quarantäne gestellt.

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