Anlieger wenden sich an Politik – Tempokontrollen finden nicht statt
„Zu viel Verkehr auf dem Kamp“

Paderborn (WB). Breite Straße, freie Bahn: Der Kamp in Paderborn soll eigentlich Fußgängerzone sein. Eigentlich. Doch so richtig sichtbar ist das nicht. Der Bereich wird stark von Bussen, Taxen, Lieferfahrzeugen und Anliegern frequentiert. Aber wer ist Anlieger? Jemand, der an einem Bankautomaten Geld abholen will? Und wie sieht es eigentlich mit Schritttempo aus? Das Verkehrs-Dilemma um den Kamp ärgert nicht nur Anwohner. Jetzt befasst sich auch die Politik damit.

Dienstag, 30.06.2020, 08:57 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 09:00 Uhr
Der Bereich Kamp wird von der Polizei durchaus häufiger kontrolliert. Durch die Stadt gebe es allerdings keine Tempoüberwachung, teilt der Erste Beigeordnete mit. Anwohner kritisieren, dass zu schnell gefahren werde. Foto: Ingo Schmitz
Der Bereich Kamp wird von der Polizei durchaus häufiger kontrolliert. Durch die Stadt gebe es allerdings keine Tempoüberwachung, teilt der Erste Beigeordnete mit. Anwohner kritisieren, dass zu schnell gefahren werde. Foto: Ingo Schmitz

Der Paderborner Dieter Hennig, der eine Immobilie am Kamp besitzt, hat das Thema zur Sprache gebracht. Das Problem ist offenbar erkannt. Aber ob sich etwas ändern wird? Abwarten.

Eltern fahren direkt vor das Theo

Seit Jahrzehnten hat Dieter Hennig einen Bezug zum Kamp – auch wenn er nicht vor Ort wohnt. Als ehemaliger Schüler und inzwischen pensionierter Lehrer des Gymnasiums Theodorianum ebenso wie als Immobilienbesitzer hat er gute Einblicke in das, was sich hier tut. Seiner Meinung nach ist das zu viel. Er begrüßt ausdrücklich das vielschichtige Gastronomieangebot und auch die Läden, die sich etabliert haben. Nach seinen Worten ärgern ihn aber Eltern, die ihre Kinder morgens direkt am Theo ausladen, und die Autofahrer, die vom Volksbank- oder Vincenz-Parkhaus kommend über Kamp und Liboristraße die Kreuzung Kasseler Tor umgehen wollen. Auch die Lieferfahrzeuge hielten sich nicht an die vorgeschriebenen Zeiten (bis 10.30 Uhr).

Es hält sich kein Mensch dran.

Gaby Hennig

„Wir sind häufiger vor Ort und erleben die Situation. Es hält sich kein Mensch dran“, sagt seine Frau Gaby. Das Problem werde allerdings auch durch die örtlichen Gegebenheiten provoziert. Die am Kreisel Kasseler Straße aufgestellten Schilder würden von Auswärtigen gern übersehen. „Die erkennen gar nicht, dass sie sich auf dem Kamp in einer Fußgängerzone befinden und fahren den Buskolonnen hinterher. Das nehme ich den Auswärtigen auch nicht übel, aber den Paderbornern, die es wissen müssten.“

Vor rund fünf Jahren, als auf dem Kamp noch Blumenrabatten installiert gewesen seien, habe es eine optische Begrenzung gegeben. Die fehle jetzt, meint Gaby Hennig. Zudem mangele es an Kontrollen, kritisiert das Paderborner Paar.

Kein aktuelles Datenmaterial

Nach Auskunft von Carsten Venherm, Erster Beigeordneter der Stadt, gebe es kein aktuelles Datenmaterial zu den Verkehrsmengen und Geschwindigkeiten auf dem Kamp. Frühere Zählungen hätten aber belegt, dass die Verkehrsmengen höher seien als in einer Fußgängerzone üblich. Es gebe allerdings auch eine Vielzahl von Berechtigten, die als Anwohner das Recht hätten, den Kamp zu befahren, berichtet er.

„Was das Geschwindigkeitsniveau betrifft, ist anzumerken, dass die Busse auch schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen“, teilt Venherm mit. Allerdings führe die Stadt dort keine Tempokontrollen durch. Verbotswidriges Parken werde hingegen rigoros geahndet. „Die Kontrolleure des ruhenden Verkehrs vernehmen in Teilen ebenfalls ein höheres Geschwindigkeitsniveau als in Fußgängerzonen üblich. Das mag auch dem Ausbaustandard geschuldet sein“, meint Venherm. Soweit es die Möglichkeit dazu gebe, führe die Stadt gemeinsam mit der Polizei Kontrollen als „Schwerpunktaktionen“ durch. „Auch uns ist der über den eigentlichen Anlieferzeitraum stattfindende Verkehr ein Dorn im Auge“, gibt der Beigeordnete zu.

Großes Piktogramm eine Lösung?

„Ich muss aber darauf verweisen, dass wir zwar den ruhenden Verkehr ahnden können, bei der Kontrolle des fließenden Verkehrs sind wir aber auf die Polizei angewiesen. Im Rahmen der gemeinsamen Möglichkeiten ahnden wir, also Stadt und Polizei, unberechtigte Durchfahrten aber so gut es geht.“ Stephan Hoppe von der Für Paderborn-Fraktion versucht es mit einem konstruktiven Vorschlag: Eine Markierung – zum Beispiel auf der Fahrbahn des Kamps in Form eines großen Piktogramms – könnte zur Verdeutlichung der Situation beitragen.

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