„Peter Paul Rubens und der Barock des Nordens“: große kunst- und kulturhistorische Schau im Diözesanmuseum Paderborn
Ausstellung zu Rubens’ Spuren in der Kunst

Paderborn (WB). Barocke Kirchen sind religiöses Theater. Darin wird der Triumph des Katholizismus über irdisches Leid, abgrundtiefe Verzweiflung und den Tod inszeniert. Peter Paul Rubens (1577-1640) war derjenige, der meisterhaft die Bühnenbilder für dieses religiöse Theater geschaffen hat. Ihm widmet das Diözesanmuseum in Paderborn eine große Ausstellung, die von Samstag an bis zum 25. Oktober zu sehen sein wird.

Donnerstag, 23.07.2020, 14:25 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 06:54 Uhr
Für Museumsleiter Christoph Stiegemann ist die große Rubens-Ausstellung im Diözesanmuseum sein krönender Abschluss. Hier schaut er sich eine Skulptur von Artus Quellinus der Ältere an, die Samson und Delila zeigt und aus dem Jahr 1639/40 stammt. Foto: Jörn Hannemann
Für Museumsleiter Christoph Stiegemann ist die große Rubens-Ausstellung im Diözesanmuseum sein krönender Abschluss. Hier schaut er sich eine Skulptur von Artus Quellinus der Ältere an, die Samson und Delila zeigt und aus dem Jahr 1639/40 stammt. Foto: Jörn Hannemann

Ausgehend vom Paderborner Dom würdigt die Schau „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ aber nicht nur den Superstar des Barock, sondern auch Künstler aus seinem Umfeld wie die Brüder Antonius und Ludovicus Willemssens. Sie kamen auf Einladung des Fürstbischofs Dietrich Adolf von der Recke Mitte des 17. Jahrhunderts aus Antwerpen nach Paderborn und gestalteten das Gotteshaus sechs Jahre lang barock um. Stuck, Putten, mächtige Pfeiler und Pflanzenranken hielten Einzug. Wie sie das machten, zeigen eine virtuelle Rekonstruktion des Paderborner Doms im Barockzeitalter und das Altargemälde „Anbetung der Hirten“ gleich am Anfang der Ausstellung.

Impressionen von der großen Sonderausstellung „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ im Diözesanmuseum

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Nach Bombenangriffen im letzten Kriegsjahr waren von dem Gemälde nur noch Fragmente übrig geblieben. Für die Ausstellung wurde das Kunstwerk restauriert und entfaltet jetzt wieder seine Pracht. Ein lokales Ereignis zu wählen und dann aufs Große zu verweisen, auf den prägenden Einfluss, den Rubens auf die Kunst seiner Zeit ausübte, ist typisch für die Ausstellungen des Direktors des Diözesanmuseums, Christoph Stiegemann. Nach erfolgreichen Mittelalterausstellungen wie die über die Karolinger und die christliche Missionierung Europas („Credo“) verabschiedet sich Stiegemann mit Rubens nach 30 Jahren an der Spitze des Museums. Ein „unerschöpflicher Bild- und Erfindungsreichtum“ habe Rubens genauso ausgezeichnet wie das grenzenlose Selbstbewusstsein, ein überragender Künstler zu sein, sagte er am Donnerstag bei der Präsentation der Ausstellung. Rubens habe sich konsequent vermarktet und ein enormes Werk hinterlassen. Allein 1500 Altargemälde ließen sich ihm und seiner Werkstatt direkt zuordnen.

Rubens – das ist Pathos, das sind große Gesten und Emotionen, das sind ungewöhnliche Perspektiven, den Betrachter überwältigende, ihn hineinsaugende Bilder. So wie das um 1612 entstandene Werk „Beweinung Christi“, in dem der tote Jesus auf einem Salbstein leicht diagonal zum Betrachter liegt und Maria mit der Hand sanft das linke Auge ihres Sohnes schließt. „Der Leib springt einen an, die Vitalität drückt den Sieg über den Tod durch den Tod aus“, beschrieb Stiegemann die Dynamik und Botschaft des Werkes.

Exponate bieten seltene Einblicke

Knapp 40 der 150 Exponate stammen von Rubens selbst und aus seiner Werkstatt. Sie ermöglichten seltene Einblicke in den Prozess der Ideenfindung und offenbarten „die unglaubliche Kraft und Virtuosität“ des Meisters, sagte die Kuratorin Karin Wermert. In der Schau gehe es aber auch um das Umfeld, um Antwerpen als „Mittelpunkt der Kunstproduktion“ neben Rom, und außerdem um westfälische Künstler wie Johann Boeckhorst, die von Rubens inspiriert wurden.

Exquisite flämische Barockskulpturen wie „Samson und Delila“ (1639/1640) von Artus Quellinus dem Älteren und eine Abteilung zur Aktualität des Barock runden die Schau mit kostbaren Exponaten aus Amsterdam, Antwerpen, Kopenhagen, London, Paris, San Francisco und Wien ab.

Wie viele andere auch stand die Ausstellung wegen des Coronavirus auf der Kippe und beginnt mit zwei Monaten Verspätung, aber ohne größeren Qualitätsverlust. Nur ein wichtiges Exponat – eine 2,20 Meter große Engelsfigur von Rubens – konnte nicht aus den USA beschafft werden. Sie ziert jetzt immerhin die Flyer für die Ausstellung. „Wir wollen in dieser Zeit durch die Kunst ein Zeichen der Hoffnung und Zuversicht geben“, betonte der Generalvikar des Erzbistums Paderborn, Alfons Hardt, mit Blick auf die vielen bereits ausgefallenen Veranstaltungen, zu denen sich diesmal auch das Liborifest in seiner herkömmlichen Form gesellt.

Führungen mit nur neun Personen

Die Ausstellung „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ ist bis zum 25. Oktober 2020 im Diözesanmuseum zu sehen. Das Museum für sakrale Kunst (Markt 17) ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 und jeden ersten Mittwoch im Monat bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet neun Euro. Wegen der Corona-Pandemie dürfen sich maximal 80 Personen gleichzeitig in der Ausstellung aufhalten. Zu den 60 Minuten langen Führungen werden nur neun Personen zugelassen. Sie können bei der Tourist Information gebucht werden (Telefon: 05251/882980).

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