„Tag des Landvolks“ in Paderborn – Videobotschaft veröffentlicht
Erzbischof Becker: Kirche braucht Frauen in Führungspositionen

Paderborn (epd). Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich für einen größeren Frauenanteil unter den kirchlichen Führungskräften starkgemacht. „Als Kirche brauchen wir Frauen in Führungspositionen“, sagte Becker in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft. „Als katholische Kirche müssen wir dringend - ob weltweit einheitlich oder mit erlaubter Differenzierung - Lösungen finden, wie Gleichberechtigung noch mehr umgesetzt werden kann“, mahnte Becker Botschaft zum „Tag des Landvolks“ unter dem Leitwort „Land voran - Frau voran“.

Dienstag, 28.07.2020, 12:59 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 13:12 Uhr
Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Jörn Hannemann/Archiv
Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Jörn Hannemann/Archiv

Becker würdigte auch einen weiblichen Führungsstil in der Corona-Krise in Deutschland, Taiwan, Nordeuropa oder Neuseeland. Die Regierungscheffinnen hätten nicht wie einige ihrer männlichen Kollegen auf Autorität gepocht, sondern den Ernst der Lage schnell erkannt und zügig gehandelt. Frauen an der Spitze sei zwar nicht einzige Grund, warum diese Länder bisher recht gut durch die Krise gekommen seien. „Tatsache bleibt aber, dass der weibliche Führungsstil für das Wohlergehen unserer Gesellschaft wichtig und bereichernd ist.“

Mit Blick auf den ländlichen Raum erklärte Becker, die Corona-Krise habe Stärken und Schwächen gleichermaßen zur Geltung gebracht. Zwar sei der stärkere Zusammenhalt auf dem Land deutlich geworden, aber auch die weniger stabile digitale Infrastruktur. „Wer in diesen Zeiten nicht online ist, kann schnell abgehängt werden“, beklagte Becker. Auch seien auf dem Land Wege zum Gottesdienst länger oder würden gar nicht mehr gegangen. Neue Formen christlichen Engagements und Lebens sollten ausprobiert werden dürfen. „Dazu braucht es Offenheit, die ich in Dörfern nicht immer wahrnehme“, sagte Becker. Die Corona-Krise zeige, dass verstärktes menschliches Miteinander, die gemeinsam genutzten Stärken von Frauen und Männern sowie die Verbindung zur Natur wichtige Bausteine für die Gesellschaft seien.

Der „Tag des Landvolks“, der normalerweise am Dienstag des jährlichen Libori-Festes gefeiert wird, fand in diesem Jahr digital statt. Organisiert wird er von der Landvolkshochschule in Hardehausen im Kreis Höxter. Anstelle des live gesprochenen Bischofsworts auf der traditionellen Landvolk-Kundgebung wandte sich Becker mit einer Videobotschaft an die Menschen im ländlichen Raum.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 29.07.2020 08:14
Die Kirche braucht Frauen
Jetzt werden von der katholischen Kirche Frauen, wahrscheinlich als letze Chance, gebraucht, sich eindeutig und mit überzeugender Aktivität den dringenden sozialen Fragen anzunehmen. Will die Kurie endlich - zumindest zu einem Teil - darauf verzichten, die Glaubens- und Verkündigungskirche nicht mehr in den Vordergrund zu stellen und sich entschieden zu ihrem sozialen Auftrag bekennen? Beckers Vorschlag ist begrüssenswert, wenn es mit den Frauen gelingt, eine soziale Revolution aus dem Glauben zu entfachen. Ich verbinde die Hoffnung damit, dass es den Frauen gelingen wird, die bequeme Haltung der politischen Enthaltsamkeit aufzugeben. Wenn es mit tatkräftiger Unterstützung der Frauen gelingt, sich auch in diesem Lande an die Spitze der Armen und in vielfältiger Weise den Notleidenden zu setzen, und dies auch mit Taten und nicht nur mit Worten belegen, könnte die Kirche zu einer Kraft werden, die das politische und soziale Gefüge in diesem Lande nachhaltig zum Positiven hin verändert.
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