Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mahnt beim Tag des Handwerks in Paderborn bürokratische Entlastung an
Peter Altmaier: „Meister machen sich um das Land verdient“

Paderborn (WB/dk). Als Zeichen der Wertschätzung sollte Paderborns Bürgermeister Michael Dreier beim nächsten Neujahrsempfang alle Frauen und Männer begrüßen, die sich neu selbstständig gemacht haben. Diesen Vorschlag hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am Donnerstag beim Tag des Handwerks gemacht. Das Handwerk spiele für die Zukunft des Landes eine „entscheidende Rolle“, und wer die Mühe auf sich nehme, den Meisterbrief zu erwerben, mache sich um Deutschland und die Marktwirtschaft verdient, sagte der Minister in seiner Rede, die als Live­stream übertragen wurde.

Freitag, 31.07.2020, 06:48 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 06:52 Uhr
Hauptgeschäftsführer Peter Gödde (links) und Mickel Biere (rechts) schenkten dem Minister einen Pfau. Foto: Oliver Schwabe
Hauptgeschäftsführer Peter Gödde (links) und Mickel Biere (rechts) schenkten dem Minister einen Pfau. Foto: Oliver Schwabe

Der 57. Tag des Handwerks fand notgedrungen diesmal nur digital statt. Statt vor 1400 Menschen wie in den Vorjahren sprach der Gastredner nur vor einigen wenigen im Gebäude der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe an der Waldenburgerstraße. Kreishandwerksmeister Mickel Biere wertete den Besuch des Ministers inmitten der Corona-Pandemie als „Signal, dass der Mittelstand auf Sie zählen kann“. Das Handwerk stehe vor existenziellen Herausforderungen. „Wir haben die Sorge, dass wir den Mittelstand nach der Krise nicht mehr wiedererkennen“, sagte Mickel Biere und beklagte, dass die Berichterstattung sich meist auf große Firmen und Staatsbeteiligungen konzentriere.

Das Handwerk bilde neben Schützenvereinen und der Feuerwehr den Kern der Identität des Landes, lobte Peter Altmaier als Minister für Wirtschaft und Energie. Die Corona-Krise habe den Wachstumsraten im Handwerk von zuletzt vier oder fünf Prozent abrupt ein Ende bereitet, aber die Bundesregierung habe in der schwersten Rezession seit 1949 milliardenschwere Hilfspakete aufgelegt. So komme das Handwerk bereits an Überbrückungsgeld, wenn der Umsatz um 40 Prozent unter dem des Vorjahres liege und nicht erst bei 50 Prozent. Zudem beginne die Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent zu wirken, sagte Altmaier: „Die Kaufzurückhaltung weicht einer größeren Konsumfreude.“

Mit Blick auf Finanzminister Olaf Scholz warnte er davor, dass die Sozialausgaben über die Grenze von 40 Prozent steigen: „Das Handwerk ist in besonderer Weise personalintensiv.“ Deshalb müssten die Lohnnebenkosten im Rahmen bleiben. Die Bundesregierung habe dafür gesorgt, dass die Finanzkraft der Kommunen erhalten bleibe und Handwerksbetriebe öffentliche Aufträge erhalten. Wichtig für den Wirtschaftszweig sei eine weitere bürokratische Entlastung. Dafür müsse die Digitalisierung vorangetrieben werden. Peter Altmaier: „Wenn’s der Computer macht, belastet es den Handwerker nicht. Ich verstehe nicht, dass man Kraftfahrzeuge nicht digital anmelden kann.“

Paderborns Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann lobte die heimischen Handwerker dafür, dass durch ihre Initiative die Wiedereinführung des Meisterbriefes in zwölf Gewerken gelungen sein.

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