Insolvenz in Eigenverwaltung denkbar – Kreis Paderborn trägt Hauptlast
Flughafen-Rettung kostet bis zu 32 Millionen Euro

Paderborn/Büren (WB). Um die geplante Sanierung des Flughafens Paderborn/Lippstadt durchführen zu können, werden die Gesellschafter sehr tief in die Tasche greifen müssen. Das geht aus Berechnungen hervor, die dem WESTFALEN-BLATT vorliegen. Demnach wird mit Kosten von 25 bis 32 Millionen Euro gerechnet, um danach den Flughafen in verkleinerter Form weiter betreiben zu können.

Samstag, 01.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 14:14 Uhr
Fluggäste betreten das Abfertigungsgebäude des Flughafens Paderborn-Lippstadt. Foto: Jörn Hannemann
Fluggäste betreten das Abfertigungsgebäude des Flughafens Paderborn-Lippstadt.

Besonders bitter: Die vorliegenden Sanierungspläne gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der etwa 200 Mitarbeiter den Job verlieren wird. Wieviele, dazu gibt es derzeit keine Angaben. Langjährige Beobachter des Airports befürchten aber, dass nur ein Drittel der Belegschaft bleiben kann. „Wir müssen uns alle bemühen, möglichst vielen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Ersatzarbeitsplätze anzubieten“, werden die Gesellschafter in die Pflicht genommen. Was das konkret heißen soll, bleibt unklar.

Die Sanierung könnte in zwei Varianten ablaufen, die den Gesellschaftern zur Auswahl stehen: eine Sanierung im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung oder eine Sanierung außerhalb einer Insolvenz, die aber rund sieben Millionen Euro mehr verschlingen würde.

Was würde mit dem Grundstück passieren?

Selbst wenn man den Flughafen sofort schließen würde, kämen erhebliche Kosten auf die Anteilseigner zu. 21,3 Millionen Euro werden für diesen Fall genannt. Die Auflösung wäre somit nicht viel günstiger, als eine Sanierung durch Insolvenz. Die harte Konsequenz wäre allerdings, dass restlos alle Mitarbeiter arbeitslos würden. Und noch eine Frage bliebe: Wie könnte eine künftige Nutzung des Flughafen-Areals aussehen und ließe sich das Grundstück überhaupt verkaufen?

Ein Knackpunkt des geplanten, drastischen Personalabbaus stellt die Kommunale Zusatzversorgungskasse (KVW) dar, die bei Austritt oder Kündigung der Mitgliedschaft einen erheblichen Ausgleichsbetrag einfordert. Die KVW habe dem Kreis Paderborn inzwischen mitgeteilt, dass der Ausgleichsbetrag sich auf 18,4 Millionen Euro belaufen würde. 60 Prozent davon – demnach 11,0 Millionen Euro – kämen auf die Anteilseigner zu. Hinzu kämen Abfindungen, die einkalkuliert werden müssten. Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung wären es 1,2 Millionen Euro, außerhalb der Insolvenz kommt das Konzept auf 9,7 Millionen Euro, die Anfang 2021 fällig würden.

Laut Überlegungen des Kreises Paderborn würde bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nach der Zustimmung der Gesellschafter voraussichtlich noch im August der Antrag gestellt, bevor im September/Oktober die Zahlungsunfähigkeit des Airports droht. Für das eigentliche Insolvenzverfahren wird mit Kosten in Höhe von rund zehn Millionen Euro gerechnet. Um den Flughafen wieder neu starten zu können, seien weitere drei Millionen Euro nötig.

Kreis Paderborn wäre als Hauptgesellschafter finanziell betroffen

Egal welche Option gezogen wird: In jedem Fall wäre der Kreis Paderborn als Hauptgesellschafter finanziell besonders betroffen. Bei einer Verkleinerung außerhalb der Insolvenz müsste dieser mit 18 Millionen Euro in die Bresche springen. Auf die weiteren Gesellschafter entfielen Kosten von 1,9 Millionen Euro für die Stadt Bielefeld, 1,2 Millionen Euro für den Kreis Höxter, 2,7 Millionen Euro für den Kreis Gütersloh, 2,7 Millionen Euro für den Kreis Lippe, 4,2 Millionen Euro für den Kreis Soest und 1,2 Millionen Euro für den Hochsauerlandkreis.

Die Insolvenz in Eigenverwaltung wäre für die Gesellschafter immer noch ein großer Schluck: 13,7 Millionen Euro für den Kreis Paderborn, 1,5 Millionen Euro für die Stadt Bielefeld, 1,0 Millionen Euro für den Kreis Höxter, 2,1 Millionen Euro für den Kreis Gütersloh, 2,1 Millionen Euro für den Kreis Lippe, 3,3 Millionen Euro für den Kreis Soest und 1,0 Millionen Euro für den Hochsauerlandkreis.

Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) betonte am Freitag, dass die geplanten Einschnitte schmerzhaft seien – insbesondere für die betroffenen Mitarbeiter. Aber sie seien notwendig, um die Existenz des Flughafens zu sichern. Die IHK hofft, dass sich die Gesellschafter solidarisch zeigen und das Signal auf Neustart stellen.

Kommentare

Frank  schrieb: 02.08.2020 13:53
Verschlafen
Der Niedergang des Airports ist nicht erst seit Corona bekannt. Jahrelange Fehlplanungen, falsche Personalpolitik. Die Konzentration der Airports auf nur ehemals Airberlin und Lufthansa, sowie das Ablehnen anderer Fluggesellschaften (Wizz oder Ryanair). Keine Anbindung an internationale Drehkreuz (dank Lufthansa geblockt).
Diese Anbindungen gab es Jahre lang (Paris,Amsterdam,London). War die Entwicklung nach dem Abgang von Ex-Flughafenchef Henze und dem neuen Chef Dr, Cezanne nicht schon absehbar, nachdem dieser schon in Berlin kein glückliches Händchen hatte. Allein der Airport Kassel kann kein Grund für den Niedergang sein. Man sollte die Chance nutzen und andere Airlines und int. Drehkreue für den Airport interessant machen. Das man auf Subventionen wie in Dortmund nicht hoffen kann scheint realischtisch. Man sollte auch auf kleine Fluggesellschaften setzen (z.B.Sundair o.ä.) Man sollte Nischen nutzen die andere Airports nicht anbieten( z.B. Flüge auch an kleinere Flughäfen mit kleinerem Fluggerät ( ATR z.B.)
Ich hoffe der Airport schafft den richtigen Schritt in die richtige Richtung. Eine evtl.Schließung wäre wohl das Ende des Airports für die Region.
1 Kommentare
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