Großeinsatz gegen Raser: zahlreiche Verstöße in einer Nacht
Führerscheine und Autos weg: Polizei beendet Rennen

Paderborn (WB). Zwei Autofahrer, die sich in der Nacht zu Samstag in Paderborn ein Rennen geliefert haben, werden wohl künftig zu Fuß gehen müssen. Die Polizei stoppte die Raser, die mit bis zu 110 Stundenkilometern auf der Detmolder Straße unterwegs waren. Die Autos und die Führerscheine wurden sichergestellt.

Sonntag, 02.08.2020, 13:01 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 13:14 Uhr
Symbolfoto. Foto: Jörn Hannemann
Symbolfoto. Foto: Jörn Hannemann

 Mehrfach hatte es an den vergangenen Wochenenden Beschwerden von Anwohnern des Südrings sowie der Detmolder Straße wegen Lärmbelästigungen durch Autofahrer gegeben. Polizei und Ordnungsamt hatten vor diesem Hintergrund für den Freitagabend einen groß angelegten Einsatz geplant und sogar zuvor darauf aufmerksam gemacht.  Trotzdem wurden erhebliche Verstöße registriert: In der Nacht zu Samstag wurden insgesamt fünf Autos sichergestellt, 17 Bußgeldverfahren eingeleitet, zwei Strafanzeigen erstattet und zwei Führerscheine einkassiert. In der Nacht zu Sonntag wurden lediglich zwei Rotlichtverstöße festgestellt und vier Verwarnungsgelder erhoben.

Beamte erleben Autorennen live mit

Durch die Stadt Paderborn wurde am Freitagabend auch der Radarwagen eingesetzt, der auf dem Paderwall und auf der Warburger Straße die Geschwindigkeit überprüfte. Es wurden 157 Verstöße festgestellt, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Bei dem illegalen Autorennen, das sich nach Angaben der Polizei in der Nacht zu Samstag auf der Detmolder Straße ereignete, saßen die Beamten quasi in der ersten Reihe: Um 2.15 Uhr hielt eine Zivilstreife verkehrsbedingt an einer Ampel an der Kreuzung Detmolder Straße/Nordstraße an. Auf dem rechten Fahrstreifen stand vor den Polizisten ein 3er-BMW eines 25-Jährigen aus Willebadessen. Auf dem linken Fahrstreifen stand der 20-jährige Fahrer eines Renault Elektrofahrzeugs aus Bad Lippspringe. „Beide schienen sich spontan zu einem Rennen zu verabreden“, teilte die Polizei mit.

Die Beamten erlebten live mit, wie der Fahrer des BMW den Motor mehrfach aufheulen ließ und der Renault-Fahrer in kurzen Abstanden leichte Gas- und Bremspedalstöße durchführte.

Als die Ampel auf Grünlich wechselte, beschleunigten beide Fahrzeugführer ihre Autos mit hohem Tempo in Richtung Detmolder Tor. Die Polizisten ermittelten eine Spitzengeschwindigkeit von 110 km/h. Am Detmolder Tor bogen beide in unterschiedliche Fahrtrichtungen ab. Während der BMW durch die Zivilkräfte angehalten werden konnte, konnte der Renault nach kurzer Fahndung von weiteren Kräften am Westerntor gestoppt werden. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft erfolgte die Sicherstellung beider Autos sowie der Führerscheine. Die Fahrer müssen sich nun in einem Strafverfahren wegen eines verbotenen Autorennens verantworten.

Mit 138 km/h in der 70er-Zone

Bei dem Schwerpunkteinsatz gegen Raser wurde in der Nacht zu Samstag auch ein Radarwagen der Polizei eingesetzt. Die Beamten kontrollierten zudem mit Laserpistolen die gefahrenen Geschwindigkeiten an den noralgischen Punkten.

An der Salzkottener Straße wurde um 19.30 Uhr ein 5er-BMW in der dortigen 70er-Zone mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 68 Stundenkilometern gemessen. Den Fahrer erwartet ein Bußgeldverfahren mit einem Bußgeld in Höhe von 440 Euro, zwei Punkten in Flensburg und zwei Monaten Fahrverbot.

Um 20 Uhr befuhr ein unbekannter Fahrer eines Peugeot 206 Cabrio mit einer Beifahrerin die Salzkottener Straße. Da seine Geschwindigkeit 17 km/h zu schnell war, sollte er auf der B64 durch Beamte angehalten werden. Nachdem er seinen Pkw kurzzeitig zum Stillstand gebracht hatte, flüchtete er mit hohem Tempo in Richtung Bad Driburg. An der Abfahrt Borchener Straße verließ er die B64 und fuhr in die Straße Am Atlaswerk. Dort wurde der Wagen verlassen vorgefunden. Die beiden Personen setzten ihre Flucht zu Fuß fort und konnten unerkannt entkommen.

Die Polizei stellte nach eigenen Angaben fest, dass die Kennzeichen nicht zum Fahrzeug gehörten. Weitere Ermittlungen dauern an. Der Wagen wurde sichergestellt.

Außerdem wurde im Industriegebiet “Am Atlaswerk” ein 53-jähriger Fahrer eines Kleinkraftrads erwischt, der wiederholt ohne Fahrerlaubnis unterwegs war.

250 Fahrzeuge am Pohlweg

Am Pohlweg wurden um 22 Uhr etwa 250 Autos, Motorräder und Quads festgestellt. „Das überwiegende Publikum verhielt sich freundlich und hatte Verständnis für die polizeilichen Kontrollen“, berichtet die Polizei weiter. Bei den Überprüfungen der Fahrzeuge wurden etliche Mängel festgestellt. Das hielt einige Autofahrer aber nicht davon ab, vereinzelt Bremsmanöver oder kurze Beschleunigungsfahrten durchzuführen. Die Verursacher konnten in der Menge der Fahrzeuge aber nicht identifiziert werden.

Um 22.30 Uhr verlagerte sich die Szene zur Detmolder Straße. Dabei fiel um 23 Uhr auf dem Berliner Ring ein VW Golf mit Kasseler Kennzeichen auf, dessen Fahrwerk soweit tiefer gelegt war, dass die Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigt war. Auch dieses Auto wurde sichergestellt.

Schaulustige auf Klappstühlen

An der Detmolder hatten einige Händler das Hausrecht über die Parkflächen an das Ordnungsamt der Stadt übertragen. Die Absperrung der Parkflächen waren teilweise durch Schaulustige abgerissen worden. Die Tuningfans postierten sich mit Klappstühlen an der Fahrbahn. „Aufgrund der großen Menge an Schaulustigen war ein nachhaltiges Einschreiten des Ordnungsamtes auch mit Unterstützung der Polizei nicht möglich“, heißt es in dem Bericht weiter.

Um 1 Uhr wurde dann noch im Bereich Detmolder Straße/Augustdorfer Straße ein 22-jähriger Fahrer eines deutlich tiefergelegten VW Golf gestoppt. Das Gewindefahrwerk war nach zunächst erfolgter Eintragung in den Fahrzeugpapieren weiter heruntergeschraubt worden. Dies führte dazu, dass die Reifen innerhalb der Kotflügel Schleifspuren verursachten und eine ausreichende Bodenfreiheit nicht mehr gegeben war. „Eine handelsübliche Mag-Lite-Taschenlampe konnte nicht mehr unter dem Fahrzeug hindurchrollen“, berichten die Beamte. Auch dieser Wagen wurde sichergestellt. Auf den Besitzer wartet nun ein Bußgeldverfahren.

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