Domorganist Tobias Aehlig glänzt beim traditionellen Orgelkonzert zu Libori
Großer Beifall und begeisterte Bravorufe

Paderborn (WB). Das Liborifest 2020 ist vorüber. Der kirchlich-liturgische Part konnte als religiöser Kern des Festes, wenn auch mit einschneidenden Einschränkungen, aufrecht erhalten werden. Immerhin bestand die Möglichkeit, die Dom-Feierlichkeiten im Internet miterleben zu können. Die Musizierenden vollbringen an diesen Tagen musikalische Höchstleistungen, für die wir dankbar sein können. In diesem Jahr mussten die Mitwirkenden des Domchores wie auch der Bläsergruppe des Bahnsozialwerkes in geradezu solistischer Besetzung auftreten, und sie boten dabei ein beachtliches Niveau.

Montag, 03.08.2020, 08:37 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 09:40 Uhr
Als Zugabe spielte Domorganist Tobias Aehlig am Donnerstagabend an der Chororgel. Foto: Hermann Knaup
Als Zugabe spielte Domorganist Tobias Aehlig am Donnerstagabend an der Chororgel. Foto: Hermann Knaup

Zu den musikalischen Glanzpunkten gehört im Rahmen des Paderborner Kultursommers auch das traditionelle Orgelkonzert zu Libori im Hohen Dom. Domorganist Tobias Aehlig hatte für die begrenzte Anzahl von etwa 130 Konzertbesuchern ein sehr durchdachtes Programm ausgewählt.

Im Konzert konnte er durch stilgerechte, feinsinnige Registrierungen, aber auch mit atemberaubend virtuoser Spieltechnik überzeugen. Unüberhörbar: Der Domorganist kennt „seine“ Orgel bestens und weiß daher ihre vielfältigen Möglichkeiten optimal einzusetzen. Mit „Legend“ aus dem „Triptych“ von Sigfrid Karg-Elert eröffnete Tobias Aehlig seinen Konzertabend. Vieles an der Erzählung von der Translatio der Gebeine des Hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn erscheint legendenhaft wie zum Beispiel der voranfliegende Pfau, der symbolisch als Wegweisung Gottes verstanden werden kann. Auch das folgende Orgelwerk „Cortège et Litanie“ des Widor-Schülers Marcel Dupré erinnert an Prozessionen wie die der Translatio.

Anschließend folgte eine Orgelversion von Claude Debussys berühmtem Orchesterwerk „Prélude àl’après-midi d’un faune“ (Bearbeitung für Orgel von Jean-Baptiste Robin). Tobias Aehlig registrierte in diesem Werk die Domorgel sehr differenziert, um den filigranen Orchesterfarben des musikgeschichtlich bedeutenden Originals möglichst zu entsprechen und demonstrierte zugleich die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten der Domorgel. Dass Werke insbesondere von französischen Komponisten auf dem Programm standen, dürfte auch als Reverenz an die Städtepartnerschaft zwischen Le Mans und Paderborn intendiert gewesen sein, die in einer tiefen Libori-Verehrung begründet ist.

Am 8. Oktober 1870 wurde Louis Vierne vor 150 Jahren in Poitiers geboren. Bemerkenswert auch, dass Vierne ausgerecht am Ende seines Konzertes an der Orgel von Notre Dame in Paris infolge eines Gehirnschlages am 2. Juni 1937 verstarb. Gründe genug, diesen von herben Schicksalsschlägen getroffenen Komponisten in das Programm aufzunehmen. Während der Aufführung seiner imposanten „Cathédrales“ op.55 werden sicherlich viele Zuhörer die erschütternden Zerstörungen der Kathedralen von Paris und Nantes vor Augen gehabt haben. Nach dem „Triumphal March“ des englischen Komponisten Alfred Hollins erlebten die Zuhörer Tobias Aehligs grandiose, dreiteilige Improvisation zu „Szenen des Liborifestes“. Im ersten Teil „Der goldene Schrein“ entwickelte der Domorganist eine sphärische Klangwelt, deren „tonale Rückungen“ geradezu entrückende Szenarien entstehen ließen, die den Liborischrein mehr als ein „Kunstwerk aus Gold“ assoziierten. Die Orgelklänge modellierten das Libori-Phänomen zu einem Faszinosum, wenn nicht zu einem Mysterium.

Dem zweiten Teil der Improvisation lag der Libori-Choral „Franciae quondam“ zugrunde (Verfasser: Hubert Göbel, ehemaliger Domchor-Leiter). Tobias Aehlig beleuchtete mit seiner Improvisation facettenreich diesen „hauseigenen“ Choral. Im dritten Teil griff der Domorganist den Paderborner Libori-Hymnus „Sei gegrüßet, o Libori“ (GL 840) auf. Im Finale der Improvisation erklangen, fast erwartungsgemäß, imposante Varianten des Libori-Tuschs.

Passagen des Finales erinnerten auch an jene Überleitungen im Chor „Wachet auf“ aus dem Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die dem Libori-Tusch zumindest als kompositorische Vorlage dienten. Ein großartiges Konzert von Tobias Aehlig, für das der Domorganist lang anhaltenden Beifall und begeisterte Bravorufe erhielt.

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