246,6 Meter-Anlage geplant: Marienloher fürchten um Lebensqualität
Protest gegen Riesenwindrad

Paderrborn-Marienloh (WB). Die Aussicht, direkte Anlieger der bisher höchsten Windkraftanlagen im Kreis Paderborn zu werden, treibt Marienlohs Ortsheimatpfleger Ralf-Peter Fietz um. Die Anträge für sechs Anlagen auf Bad Lippspringer Gebiet liegen dem Kreis Paderborn derzeit vor. Eine von ihnen, mit einer geplanten Gesamthöhe von 246,60 Meter, soll nur 770 Meter vom Sporthaus entfernt errichtet werden, wo auch zwei Familien leben. Gut 1000 Meter entfernt liegt die so genannte Aachener Siedlung. „Formell ist der Mindestabstand von 1000 Metern zum Wohngebiet damit eingehalten. Aber es muss doch nicht ausgerechnet die größte Anlage, die derzeit auf dem Markt ist, in direkter Näher entstehen“, kann Fietz über die Planungen nur den Kopf schütteln.

Sonntag, 09.08.2020, 10:44 Uhr aktualisiert: 09.08.2020, 10:46 Uhr
Ralf-Peter Fietz zeigt, wie die geplanten Ablagen vom Sportplatz aus aussehen würden. Auch Heike Müller (Heimatfreunde), Ulrich Gerken, Andreas Israel, Jochen Heinemann, Andreas Hillmann und Paul Nübel (von links) ärgert die Windkraftplanung. Foto: Oliver Schwabe
Ralf-Peter Fietz zeigt, wie die geplanten Ablagen vom Sportplatz aus aussehen würden. Auch Heike Müller (Heimatfreunde), Ulrich Gerken, Andreas Israel, Jochen Heinemann, Andreas Hillmann und Paul Nübel (von links) ärgert die Windkraftplanung. Foto: Oliver Schwabe

„Dimension untragbar“

Auch im Aufstellungsverfahren des Flächennutzungsplanes, der die Windvorrangzonen festlegt, haben Fietz und etliche weitere Marienloher bereits Einspruch erhoben. „Die hat der Lippspringer Rat aber allesamt mit 34:0 Stimmen vom Tisch gewischt“, berichtet er. „Dann haben wir erst einmal abgewartet, was dort konkret entstehen soll. Aber die beantragten Anlagen sind aus unserer Sicht sowohl vom Standort als auch der Dimension her untragbar.“ Damit alle Marienloher sich über die Planung informieren können, hat Fietz auf der Internetseite www.marienloh.de die wichtigsten Informationen zusammen gestellt. Unterstützung hat er unter anderem vom SV Marienloh, den Heimatfreunden Marienloh und dem Schützenverein.

Auch Bad Lippspringe betroffen

Besonders betroffen ist außerdem das Gewerbegebiet Hohe Kamp am Pfingststuhlweg in Bad Lippspringe, wo immerhin 14 Gewerbetreibende mit ihren Familien auch leben. Es ist sogar nur 650 Meter vom geplanten Riesenwindrad entfernt, weil der 1000 Meter-Abstand nur für Wohngebiete gilt. Ein doppelt Betroffener ist Ulrich Gerken, der sein Elternhaus in Marienloh und die Firma im Bad Lippspringer Gewerbegebiet Pfingststuhlweg hat, wo die Familie auch wohnt. „Meine Begeisterung für die Windkraft der Anfangsjahre hat sich aufgrund der negativen Entwicklung für unsere Region komplett ins Gegenteil gewandelt“, sagt er angesichts der in unmittelbarer Nähe geplanten Anlagen. Ähnlich sieht das Andreas Hillmann, Geschäftsführer des Sportvereins und ebenfalls betroffener Anlieger. „Mir bereitet vor allem der Infraschall Sorge, weil es dazu meiner Ansicht nach bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt.“ Gerade bei der geplanten Rotorgröße mit einem Durchmesser von 160 Metern, der in einer Höhe von 166,6 Metern montiert wird, erwartet Hillmann erhebliche Beeinträchtigungen.

Einspruch bis 21. September möglich

Bisher liegen dem Kreis Lippe sechs Anträge für den Bau von Windkraftanlagen auf dem von Bad Lippspringe ausgewiesenen Vorranggebiet vor. Drei von ihnen zählen mit 246,6 Meter Gesamthöhe bei einem Rotordurchmesser von 160 Metern zu den größten Enercon-Anlagen (E-160 EP5), die es dann im Kreis Paderborn gebe, bestätigt Baudezernent Martin Hübner. Eine baugleiche Anlage soll auf dem Gebiet der Gemeinde Borchen entstehen. Diese sei allerdings ebenfalls noch im Genehmigungsverfahren.

Die Verfahren für die sechs geplanten Bad Lippspringer Anlagen – Bauherr ist jeweils die Flütwind Projekt GmbH – befinden sich bis 21. August in der Offenlage. „Bis 21. September können Einsprüche erhoben werden“, sagt Fietz. Wer dazu fachliche Hilfe benötige, könne sich vertrauensvoll an ihn wenden. „Wichtig ist, dass wir das nicht einfach hinnehmen. Vielleicht können wir bezüglich der Höhe – immerhin sind die größten Anlagen dann dreimal so hoch wie der Paderborner Dom – oder des Standortes doch noch etwas erreichen“, hofft der Ortsheimatpfleger auf Mäßigung.

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