Streit um OWL-Airport wird schärfer – Geschäftsführer in Schutz genommen
FDP fordert Wirtschaftsvertreter im Aufsichtsrat

Paderborn (WB). Die Krise des Flughafens Paderborn/Lippstadt wird immer politischer. So übt die FDP in Ostwestfalen-Lippe heftige Kritik an CDU und SPD. „Die SPD macht sich aus dem Staub, und die CDU hat verpennt, die Strukturen des Flughafenbetriebs neu zu ordnen“, sagte am Mittwoch der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler aus Bünde (Kreis Herford) dem WESTFALEN-BLATT.

Donnerstag, 13.08.2020, 03:08 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 05:02 Uhr
Um die Zukunft und den Erhalt des Flughafen Paderborn/Lippstadt tobt ein politischer Streit. Foto: Jörn Hannemann
Um die Zukunft und den Erhalt des Flughafen Paderborn/Lippstadt tobt ein politischer Streit. Foto: Jörn Hannemann

Schäffler griff auch den von seinem Posten im Aufsichtsrat zurückgetretenen Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) direkt an, weil der Kreis Gütersloh die Flughafen-GmbH verlässt: „Ich habe den Eindruck, dass Herr Adenauer wegen der Vorgänge bei Tönnies unter riesigem Druck steht und irrlichternd unterwegs ist, ihm fehlt im Moment der politische Kompass.“

Schäffler (FDP) kritisiert Adenauer

Schäffler kritisierte auch erneut den Paderborner CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann, weil der Bund die Flugsicherungskosten (pro Jahr etwa 1,5 Millionen Euro) noch nicht übernehme. Geld, das der defizitäre Flughafen dringend braucht. „Das kommt zum 1. Januar 2021, das hat mir Staatssekretär Steffen Bilger bestätigt“, sagte Linnemann dem WESTFALEN-BLATT.

Lürbke (FDP) stellt Gremium-Besetzung in Frage

Die Besetzung des Aufsichtsrats stellt der Paderborner FDP-Landtagsabgeordnete Marc Lürbke in Frage. „Es ist nur konsequent, dass Adenauer seinen Platz räumt. Denn wer nicht mit Herzblut die Interessen des Flughafens vertritt, trifft auch nicht konsequent die richtigen Entscheidungen zur Weiterentwicklung des Airports. Jetzt muss ein Vertreter der Wirtschaft in den Aufsichtsrat“, sagte Lürbke und ging den Paderborner SPD-Landratskandidaten Wolfgang Weigel an, der die Absetzung des Flughafen-Geschäftsführers Marc Cezanne gefordert hatte: „Wenn die SPD nun auch noch mit dem Finger auf den Geschäftsführer des Flughafens zeigt, ist das absolute Augenwischerei, um vom eigenen jahrelangen Däumchendrehen abzulenken. Geblockt wurden die Sanierungsvorschläge der Geschäftsführung doch in den politischen Gremien – und Weigel sitzt selbst seit Jahren in der Gesellschafterversammlung des Flughafens.“

Nettelstroth (CDU) nimmt Geschäftsführer in Schutz

Auch Aufsichtsratsmitglied Ralf Nettelstroth, CDU-Oberbürgermeisterkandidat in Bielefeld, nimmt Cezanne in Schutz. „Der Geschäftsführer hat den Aufsichtsrat immer auf dem aktuellen Stand gehalten“, so Nettelstroth. Aus seiner Sicht sei es „verrückt, zuerst den Regionalflughafen schließen zu wollen, der am wenigsten defizitär arbeitet. Da haben Dortmund und Münster ganz andere Zahlen.“

Grüne fordern Verkehrswende

Für die Grünen, so eine Mitteilung, sei „die Zeit des Flughafens abgelaufen“. „Wir fordern seit Jahren eine Verkehrswende, damit Bahnfahren schneller, attraktiver und preisgünstig wird. Eine weitere Ertüchtigung des Schienennetzes kann zusätzliche Zeitvorteile bringen. Jeder Euro, der hier investiert wird, ist nachhaltiger als das Geld in den Flugverkehr zu stecken“, so OWL-Grünen-Vorsitzende Ute Koczy.

Verdi will Arbeitsplätze retten

Dagegen fordert die Gewerkschaft Verdi, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten und den Arbeitsplatzabbau sozialverträglich zu gestalten. „Die geplante Insolvenz in Eigenverantwortung hätte erhebliche Konsequenzen und Auswirkungen auf die derzeit 170 Beschäftigten. 110 Arbeitsplätze sollen im Rahmen dieser Insolvenz durch Kündigungen abgebaut werden. Wo ist die soziale Verantwortung der Kreise Paderborn, Gütersloh, Lippe und der Stadt Bielefeld für die Beschäftigten?“, heißt es in einer Mitteilung von Verdi in OWL.

„Aus Brüssel droht gewiss kein Ungemach“, sagt EU-Parlamentarier Markus Pieper (CDU).

„Aus Brüssel droht gewiss kein Ungemach“, sagt EU-Parlamentarier Markus Pieper (CDU). Foto: Joachim Busch

Unterdessen hat die durch die Corona-Pandemie verschärfte Krise der Regionalflughäfen die Eu­ropäische Union (EU) erreicht. „Aus Brüssel droht gewiss kein Ungemach“, sagte der CDU-Europaparlamentarier Markus Pieper aus Lotte (Kreis Steinfurt) dem WESTFALEN-BLATT. „Unterstützung von europäischer Seite ist möglich, da sind sich EU-Kommission und Parlament einig. Und die Vorgabe, dass Regionalflughäfen bis 2024 ein positives Ergebnis vorlegen müssen“, betont Pieper, „wird nicht mehr weiter verfolgt.“

Kommentare

Jörn Fischer  schrieb: 13.08.2020 12:28
Flughafen Paderborn
Diesen Flughafen braucht kein Mensch. Er ist einfach aus Größenwahn unserer Politiker entstanden. Die Wirtschaft hat schon lange andere Wege gefunden ( Bielefeld Windelsbleiche, Porta etc.) OWL soll Millionen jährlich bezahlen für ein Prestigeobjekt. Lächerlich.......
1 Kommentare
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