Philipp Donald Göbel stellt 160 Werke im Kunstverein Paderborn aus
Jede Menge Köppe

Paderborn (WB). Mit der klassischen Porträtmalerei vergangener Jahrhunderte, die den Rang einer Person und die Meisterschaft des Künstlers widerspiegelte, haben die „Köppe“ von Philipp Donald Göbel nichts zu tun. Der zeitgenössische Künstler möchte lieber etwas in den Köpfen derer in Gang setzen, die seine Werke betrachten. „Wenn Sie vor meinen Bildern stehen, weiß ich nicht, was in Ihrem Kopf vor sich geht. Ich weiß aber, was in mir vorgegangen ist, als ich sie gemalt habe“, sagt Philipp Donald Göbel am Mittwoch im Kunstverein Paderborn. Dort wird am Freitag, 14. August, um 19 Uhr seine Ausstellung „Köppe (2001-2020)“ eröffnet.

Donnerstag, 13.08.2020, 15:15 Uhr
Einige seiner Werke hat Philipp Donald Göbel in Form einer Wand zusammengestellt. Das erhöht die Wirkung zusätzlich. Malerei holt der Künstler aber auch von Wänden in den Raum, indem er sie auf dem Boden postiert. Foto: Dietmar Kemper
Einige seiner Werke hat Philipp Donald Göbel in Form einer Wand zusammengestellt. Das erhöht die Wirkung zusätzlich. Malerei holt der Künstler aber auch von Wänden in den Raum, indem er sie auf dem Boden postiert. Foto: Dietmar Kemper

Seit 20 Jahren beschäftigt sich der 53-Jährige aus Solingen, der inzwischen in Bielefeld lebt und dort auch sein Atelier hat, mit dem Thema Köpfe. 2001 fing es mit einem Holzschnitt seines Kopfes an, den er mit seinem Sohn schuf. Im Laufe der Jahre wurden die Arbeiten immer freier und experimenteller und lösten sich immer wieder auch vom eigentlichen Motiv Kopf. 160 von 560 Werken aus der Reihe zeigt der Maler bis zum 27. September in Paderborn. Philipp Donald Göbel arbeitet mit Öl-, Acryl- und Wandfarben, mit Acrylemulsion, Sprühlack, Posterfetzen, Einkaufstüten, Handtüchern.

Zerstörung von Altem schafft Neues

So besteht eines seiner Bild aus einem zurechtgeschnittenen Handtuch mit dem Fisch Nemo darauf, auf einem anderen hat er ein Handtuch mit den Teletubbies verarbeitet. Neben teilweise verfremdeten Selbstporträts findet sich die Rückseite eines Stickbildes, das Rembrandts Mann mit dem Goldhelm zeigt. Das Stickbild habe er beim Entrümpeln des Kellers seiner Großeltern entdeckt, erzählt Philipp Donald Göbel. Aus der Rückseite machte er in seinem Bild die Vorderseite und ergänzte sie im Freiraum links durch Sprühlack.

Im Obergeschoss des Kunstvereins am Kamp stellt der Künstler mit dem Hammer deformierte „Ausschussarbeiten“ aus. „Durch das Zerstören der Arbeiten entsteht etwas Neues“, sagt er: „Durch Metamorphose wird eine Raupe in einen Schmetterling verwandelt.“ Philipp Donald Göbel weicht von der Regel ab, dass Bilder an der Wand zu hängen haben. Indem er sie auf dem Boden postiert, holt er Malerei in den Raum.

Künstler überrascht sich selbst

Allen Bildern gemeinsam ist die Größe von 40 mal 40 Zentimetern. Sie erlaubt es, zahlreiche Werke zu Ausstellungen zu transportieren, „und es ist ein Format, das man sich ins Wohnzimmer hängen kann“. Vorrangig auf Käufer schielt der Künstler, der in Marburg Anglistik, Kunstgeschichte und Keltologie und in Braunschweig freie Kunst studiert hat, nach eigenen Worten aber nicht: „Das Wichtigste ist, mich selber zu überraschen. Jeder Künstler malt erstmal für sich.“ Zu seinen Einflüssen zählt er die Pop-Art. Und auch wenn er sich von der klassischen Porträtmalerei angeblich nicht inspirieren lässt, nötigt ihm ein Alter Meister Respekt ab: „Bei Rubens kriege ich Gänsehaut!“ Da passt es doch, dass zeitgleich im Diözesanmuseum die Ausstellung „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ läuft.

Freier Eintritt zur Ausstellung

Die Leiterin des Paderborner Kunstvereins, Alexandra Sucrow, hofft, dass mit Göbels Ausstellung normale Zeiten anbrechen. Statt wie zuletzt, als Zugeständnis an die Corona-Pandemie, die Eröffnung per Livestream abzuhalten, soll sie am Freitag um 19 Uhr vor echtem Publikum erfolgen. Friederike Korfmacher vom Marta in Herford wird ihre Gedanken zur Ausstellung vortragen. Alexandra Sucrow wiederum wird am Donnerstag, 3. September, um 17.30 Uhr durch die Schau führen. „Köppe (2001-2020)“ ist mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei. Bei der Vorgängerausstellung „Art20“ kamen übrigens durch den Verkauf von Kunstwerken 2000 Euro für ein Hilfsprojekt des Vereins European Artists in Kenia zusammen.

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