Ausstellungsprojekt „Get dressed!“ beginnt in fünf Paderborner Museen
Rocksäulen und rotierende Kleider

Paderborn (WB). Angetrieben von Motoren bauschen sich die sieben roten Abendkleider auf und drehen sich in der Luft. In ihrer Installation „Tour en l’air“ (1998) greift Ursula Neugebauer eine Sprungbewegung beim Ballett auf.

Freitag, 14.08.2020, 05:14 Uhr aktualisiert: 14.08.2020, 05:20 Uhr
In der Städtischen Galerie in der Reithalle betrachtet Andrea Brockmann die Rocksäulen von Ulrike Kessl. Rechts ein Gemälde von Markus Willeke mit einem Anorak als Motiv. Foto: Oliver Schwabe
In der Städtischen Galerie in der Reithalle betrachtet Andrea Brockmann die Rocksäulen von Ulrike Kessl. Rechts ein Gemälde von Markus Willeke mit einem Anorak als Motiv. Foto: Oliver Schwabe

Aber es drehen sich nur Hüllen statt echter Körper, die Motoren ersetzen den Kopf der Tänzerinnen, und so stellt die Arbeit auch die Frage nach Selbst- und Fremdbestimmung. Neugebauers Installation im Kunstmuseum im Marstall verwandelt den Pferdestall der ehemaligen Residenz der Paderborner Bischöfe „in einen Ballsaal“, wie es die Leiterin der städtischen Museen und Galerien, Andrea Brockmann, am Donnerstag ausdrückte.

Aspekte aus Kunst, Geschichte und Natur

„Tour en l’air“ ist eines von vielen, teils spektakulären Exponaten der Gemeinschaftsausstellung „Get dressed!“, die der Bedeutung des Kleides in Geschichte, Kunst und Natur nachspürt und an der sich neben dem Kunstmuseum die Städtische Galerie in der Reithalle, das Naturkundemuseum, das Residenzmuseum und das Paderborner Stadtmuseum beteiligen.

Get dressed! Kunst-Kleider und textile Objekte

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Das Kleid sei ein universelles Thema, das die Menschen von der Geburt bis zum Tod begleite und sie mit der Tierwelt verbinde, sagte An­drea Brockmann. In den fünf Ausstellungen werde das Kleid als Statussymbol, Ausdruck der Identität eines Menschen, als Verpackung, Tarnung und Material für Künstler gezeigt.

Lithografie von Pablo Picasso

Wie das Kleid der zeitgenössischen Kunst als Motiv dient, illustriert eindrucksvoll die Städtische Galerie in der Reithalle mit 67 Werken von 19 Künstlern. In der Schau „Anziehend. Kunst-Kleider und textile Objekte“ sind die faszinierenden, sieben Meter hohen Rocksäulen der Düsseldorfer Künstlerin Ulrike Kessl zu sehen, die mit Filzstift bearbeiteten Herrenoberhemden von Dieter Roth und, als einer der Höhepunkte, Pablo Picassos Lithografie „Die Frau im Lehnstuhl“ aus dem Jahr 1948. Sie zeigt seine damalige Lebensgefährtin Francoise Gilot in einem polnischen Mantel, an dem sofort die ornamental aufgebauschten Ärmel auffallen.

Joseph Beuys ist mit einem Filzanzug, der ein Isolator für kreative Energie sein sollte, vertreten, Ulla Reis mit Kleidung aus getrockneten Gräsern und Funkienblättern. Wie Kulturen die Kleiderordnung vorgeben, hat die Iranerin Roshanak Zangeneh in ihrer Fotoserie „Dress code“ (2007) verarbeitet.

Die Besucher des Naturkundemuseums empfängt ein Pfau mit prächtigem Federkleid. Kurator Sven Mecke greift zu Beginn der Ausstellung „Kleid der Tiere – geniale Verpackungen in der Natur“ eine Fabel von Äsop auf, in der eine Krähe einem Pfau Federn stiehlt und sich so „mit fremden Federn schmückt“. 100 Exponate geben einen Einblick in Feder-, Fell-, Schuppen- und Stachelkleider und in deren Funktionen, zu denen die Abwehr von Feinden genauso gehört wie das Anlocken von Geschlechtspartnern.

„Die alten Kleider waren durchgängig unpraktisch“

Im Residenzmuseum wird anhand von Porträtgemälden aus der Sammlung Fürstenberg gezeigt, wie sich die Menschen in der Zeit vom Barock bis zum Biedermeier standesgemäß kleideten. „Die alten Kleider waren durchgängig unpraktisch, oft konnte man sie sich gar nicht selber anziehen“, erläuterte Museumsleiter Andreas Neuwöhner. Kleidung sollte demnach nicht Ausdruck von Individualität sein, sondern die Zugehörigkeit zu einem Stand und einer sozialen Schicht signalisieren. Paderborns Fürstbischof Clemens August waren die Farbe rot und der Hermelinmantel vorbehalten.

Wie Kleider Leute machen, demonstrieren die Fotos von Herlinde Koelbl im Stadtmuseum. Sie habe Menschen in Deutschland und acht weiteren Ländern über Jahre immer wieder besucht und in deren Berufskleidung und privat porträtiert, sagte Kurator Markus Runte. An den Fotos lasse sich ablesen, welche Wirkung beispielsweise Uniformen auf deren Träger haben.

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