Coronabedingt 89 Prozent weniger Gäste im April in Paderborn – Erholung spürbar
„Der Einbruch war brutal“

Paderborn (WB). „Corona kam wie eine Bombe“, sagt der Geschäftsführer des Verkehrsvereins, Karl Heinz Schäfer. Und der Krater ist verdammt tief. Speziell den Tourismus im Kreis Paderborn hat das Virus mit voller Wucht getroffen. „Es war brutal, ich bin seit 30 Jahren im Tourismus, aber so was habe ich noch nie erlebt“, sagte der Geschäftsführer der Touristikzentrale Paderborner Land, Herbert Hoffmann, am Donnerstagabend bei der Mitgliederversammlung des Verkehrsvereins.

Samstag, 15.08.2020, 06:00 Uhr
Urlaub daheim liegt im Trend. Touristiker beobachten in Corona-Zeiten ein wachsendes Interesse an den Landschaften und Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Tür wie etwa dem Paderborner Rathaus. Sie werden vermehrt mit dem Rad angesteuert. Foto: Jörn Hannemann
Urlaub daheim liegt im Trend. Touristiker beobachten in Corona-Zeiten ein wachsendes Interesse an den Landschaften und Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Tür wie etwa dem Paderborner Rathaus. Sie werden vermehrt mit dem Rad angesteuert. Foto: Jörn Hannemann

Im April seien 89 Prozent und im Mai 78 Prozent weniger Gäste im Vergleich zum Vorjahr gekommen, nannte Hoffmann erschreckende Zahlen. Bei den ausländischen Gästen habe der Rückgang im April sogar 96 Prozent betragen. Kalt erwischt hat es auch den Direktor des Welcome-Hotels in Paderborn, Frank Jacobi. Er musste einen Monat erleben, in dem der Umsatz nicht mal mehr fünfstellig ausfiel. „Wir haben Etagen stillgelegt und an den Wochen­enden geschlossen“, erzählte Jacobi in der Podiumsdiskussion „Corona – nur Krise oder auch eine Chance?“ Immerhin wurden Hotelzimmer 130 Mal zum Beispiel als Büros gemietet. Das Hotel lebe aber vom Firmenreise- und Tagungsgeschäft, betonte der Direktor, und das komme nur langsam wieder. Viele Firmen hätten noch Angst, Tagungen mit 100 und mehr Teilnehmern zu veran­stalten.

Miriam Kröger, Jochen Viehoff, Frank Jacobi, Julia Ures, Herbert Hoffmann und Claudia Auinger (von links) diskutierten darüber, ob das Coronavirus auch Chancen birgt.

Miriam Kröger, Jochen Viehoff, Frank Jacobi, Julia Ures, Herbert Hoffmann und Claudia Auinger (von links) diskutierten darüber, ob das Coronavirus auch Chancen birgt. Foto: Dietmar Kemper

Etwas mehr Optimismus versprühte der Geschäftsführer des Heinz-Nixdorf-Museumsforums (HNF), Jochen Viehoff. Seit der Wiedereröffnung am 1. Juni habe das Computermuseum mehr als 10.000 Besucher gezählt. Die blieben bis zu vier Stunden lang und damit deutlich länger als viele in der Zeit vor Corona. Als das HNF am 13. März schloss, sei es in dem Haus „gespenstisch“ gewesen, blickte Jochen Viehoff zurück. Kurios: Schon 2005 hatte er sich für die Ausstellung über Computermedizin mit der Simulation einer Pandemieverbreitung befasst.

„Wo kriege ich Geld her?“

Wie man die stoppen könnte, würde auch die heimische Wirtschaft brennend interessieren. „Die Telefone liefen heiß“, berichtete die stellvertretende Geschäftsführerin der IHK-Zweigstelle Paderborn-Höxter, Claudia Auinger. „Wo kriege ich Geld her?“ sei die in den ersten Wochen am häufigsten gestellte Frage gewesen. Viele Unternehmen rechneten erst in einem Jahr mit einer Belebung der Konjunktur. Claudia Auinger hat beobachtet: „Das Thema Digitalisierung wurde jetzt von vielen in Angriff genommen – nicht nur, was die Wahrnehmung, sondern auch die Geschäftsprozesse betrifft.“ Auch gastronomische Betriebe verstärkten ihre Präsenz im Internet, berichtete die Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes Paderborn-Höxter, Miriam Kröger. Die wirtschaftliche Lage sei dramatisch, aber einige Mitgliedsbetriebe nutzten die Zeit „für sich und ihre Familie“ und dazu, Speisekarten zu verkleinern, Öffnungszeiten zu ändern und den Außer-Haus-Verkauf voranzutreiben.

Stammgäste aus den Niederlanden

Auch beim Verkehrsverein Paderborn hinterlässt die Pandemie Spuren. Erst seit dem 6. Juni gibt es wieder Stadtführungen, aber die Zahl der gebuchten Führungen liegt mit 28 weit unter dem Normalmaß. Im Juni 2019 seien es 173 gewesen, rechnete Karl Heinz Schäfer vor.

Gleichwohl gibt es Anzeichen für eine Besserung. Schäfer und Hoffmann verwiesen auf eine starke Nachfrage nach Wanderungen und Radtouren. Heimaturlaub boomt. „Die Chance der Corona-Krise besteht darin, dass Menschen in Deutschland Deutschland kennenlernen“, sagte Hoffmann. Der Kreis Paderborn könne mit buchstäblich ausgezeichneten Wander- und Radwegen punkten. Viele Stammgäste lebten in den Niederlanden: „Sie kommen wieder, nur sehr zögerlich.“ Angesichts wachsender Nachfrage nach Pauschalangeboten glaubt Herbert Hoffmann, „dass wir annähernd an die Zahlen von 2019 herankommen werden“.

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