Acht Paderborner Bürgermeisterkandidaten stellen sich im Kolpingforum der Diskussion
Flughafen birgt Zündstoff

Paderborn (WB/mai). Vor allem ein Thema sorgte im Kolpingforum für Zündstoff zwischen den Bürgermeisterkandidaten: die Zukunft des krisengeschüttelten Flughafens. „Können wir und den in Zukunft noch leisten?“ hatte Gerd Vieler gefragt, der die von der Kolpingsfamilie organisierte Veranstaltung moderierte.

Freitag, 14.08.2020, 23:00 Uhr aktualisiert: 14.08.2020, 23:20 Uhr
Sie bewerben sich um das Bürgermeisteramt in Paderborn: (von links) Martin Pantke (SPD), Hartmut Hüttemann (FBI), Stefan Hoppe (Für), Amtsinhaber Michael Dreier (CDU), Elke Süßelbeck (Linke), Alexander Senn (FDP), Dr. Klaus Schröder (Grüne) und Marvin Weber (AfD). Es fehlt Verani Kartum (Volt). Foto: Maike Stahl
Sie bewerben sich um das Bürgermeisteramt in Paderborn: (von links) Martin Pantke (SPD), Hartmut Hüttemann (FBI), Stefan Hoppe (Für), Amtsinhaber Michael Dreier (CDU), Elke Süßelbeck (Linke), Alexander Senn (FDP), Dr. Klaus Schröder (Grüne) und Marvin Weber (AfD). Es fehlt Verani Kartum (Volt). Foto: Maike Stahl

Das uneingeschränkteste Ja gab es in dieser Frage von Amtsinhaber Michael Dreier, der betonte, dass er sich gerade erst mit allen Paderborner Amtskollegen zum Flughafens bekannt habe (Bericht im überregionalen Teil), da dieser ein bedeutender Standortfaktor für die Region sei – sowohl für die Wirtschaft als auch den Tourismus. Deshalb gebe es keine sinnvolle Alternative zu einer Insolvenz in Eigenregie.

Auch der ÖPNV sei schließlich ein Zuschussgeschäft, zog Dreier einen Vergleich, der Mitbewerber Dr. Klaus Schröder (Grüne) ärgerte. „Busse und Bahnen nutzen wirklich viele Menschen. Aber wem bringt ein Flughafen was, von dem man kaum irgendwohin fliegen kann?“, fragte er. Seiner Ansicht nach würde eine bessere Bahnverbindung zu den Großflughäfen in Hannover, Frankfurt und Düsseldorf mehr bringen.

Zahlen genau ansehen

Die anderen plädierten mehrheitlich dafür, sich vor einer Festlegung zunächst die Zahlen genau anzusehen, lediglich Martin Pantke verwies darauf, dass die SPD erst am Montag zu dem Thema berate. „Corona hat eine Fast-Pleite zu einer Total-Pleite gemacht“, stellte Hartmut Hüttemann (FBI) fest. „Da müssen die Gesellschafter jetzt etwas draus machen, statt den Weg der Sanierung nicht mitzugehen.“ Die FBI sei für einen gesund geschrumpften Flughafen, der perspektivisch mit einer schwarzen Null arbeite.

„Ich wehre mich dagegen, die Corona-Krise zu nutzen, um den für einige lästigen, ideologisch fragwürdigen Flughafen los zu werden“, sagte Alexander Senn (FDP) und forderte vielmehr ein tragfähiges Zukunftskonzept. Dafür müsse zunächst „der ganze Laden auf links gedreht werden“, forderte Stephan Hoppe (Für). „Denn bisher wissen wir ja nicht mal, ob die Zahlen stimmen, die uns vorgelegt wurden.“ Elke Süsselbeck (Linke) mahnte, dass bei der Diskussion die Existenzsorgen der 250 Mitarbeiter nicht außen vor gelassen werden dürften.

Kontrovers diskutiert wurde auch die Frage, welche Folgen sich aus der Corona-Krise für die künftige Stadtpolitik ergeben. Während Bürgermeister Michael Dreier angesichts der zu erwartenden negativen Auswirkungen auf die städtische Finanzlage, alle Investitionen mit Ausnahme der Bereiche Bildung, Erziehung und Soziales auf den Prüfstand stellen möchte, warnt Klaus Schröder davor, damit Verunsicherung zu schüren. „Das wäre kein gutes Signal für die Wirtschaft, die Kontinuität braucht.“

Besorgnis wegen AfD-Plakat

Er regte an, für die Corona-Folgen eine ähnliche langfristige Refinanzierung zu installieren wie den Fonds deutscher Einheit. Alexander Senn sagte, anstatt an die Investitionen zu gehen, müsse ein wirtschaftsfreundliches Umfeld geschaffen werden durch Bürokratieabbau und möglichst geringe Kosten für die Wirtschaft. Eine Gewerbesteuersenkung forderte Marvin Weber (AfD), was Stephan Hoppe, allerdings als „völligen Quatsch“ bezeichnete. „Gewerbesteuer zahlen Unternehmen ohnehin nur, wenn sie Gewinne machen.“

Aus dem Publikum gab es schließlich eine besorgte Nachfrage in Richtung Marvin Weber bezüglich des AfD-Plakates „Christliche Kultur bewahren, gegen Islamismus kämpfen“. Das gefährde den Zusammenhalt der Gesellschaft, in der alle Religionen in Paderborn wunderbar zusammenlebten. Weber sagte, er wolle keine Ditib-Moschee, wo „der Muezzin über die Stadt plärrt“ und die hier lebenden Türken politisch überwacht würden. Das sei in Padeborn überhaupt kein Thema, stellte Klaus Schröder fest. Vielmehr solle Weber versuchen, aus dem „Gespinst seiner Vorurteile herauszufinden“.

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