Verstöße am Gymnasium Schloß Neuhaus – Schüler schaltet Stadt Paderborn ein
Ärger um Abstandsregel und Maskenpflicht

Paderborn-Schloß Neuhaus (WB/mba). Am Gymnasium Schloß Neuhaus haben am ersten Schultag nach den Ferien zahlreiche Schüler des Abiturjahrgangs bei einer Jahrgangsstufenversammlung gegen die Corona-Infektionsschutzbestimmungen verstoßen. Bei der Veranstaltung am Mittwochvormittag im Schlosspark mit etwa 170 Schülern wurden die Abstandsregeln nicht eingehalten und auch kein Mund-Nasen-Schutz getragen, obwohl dies zunächst bis zum 31. August so vorgeschrieben ist.

Sonntag, 16.08.2020, 10:45 Uhr aktualisiert: 16.08.2020, 10:48 Uhr
Wie auf diesem Foto zu sehen ist, sind die Abstandsregeln nicht eingehalten worden. Auch einen Mund-Nasen-Schutz haben die meisten Schüler nicht getragen. Foto:
Wie auf diesem Foto zu sehen ist, sind die Abstandsregeln nicht eingehalten worden. Auch einen Mund-Nasen-Schutz haben die meisten Schüler nicht getragen.

Ein Schüler des Abi-Jahrgangs meldete die Verstöße bei der Stadt. „Die zur Verfügung gestellten Sitzmöglichkeiten hatten teilweise nur einen Abstand von wenigen Zentimetern“, sagte der Schüler dieser Zeitung. Die Lehrer hätten nicht eingegriffen und die Veranstaltung fortgeführt, obwohl die Verstöße offensichtlich gewesen seien. Das Ordnungsamt hat daraufhin Kontakt zur Schulleitung aufgenommen. Diese sei darauf hingewiesen worden, dass die gesetz­lichen Bestimmungen einzuhalten seien. Bußgelder wurden mit Verweis auf den ersten Schultag nicht ausgesprochen. Die Behörde gehe davon aus, dass die Schule die Bestimmungen nun ernst nehme und Fehlverhalten ahnde.

Schulleitung räumt Fehler ein

Schulleiterin Eva Sprenger räumt die Verstöße ein. „Ja, das war ein Fehler. Wir lernen daraus.“ Zwar hätten die Lehrer bei der Versammlung auf Abstandsregeln und Maskenpflicht hingewiesen. Das hätte aber strenger und konsequenter geschehen müssen, auch wenn die Schüler am Mittwoch bei der Hitze in der prallen Sonne hätten sitzen müssen. Die Schüler bräuchten jedoch auch mal Pausen von der Maske. Nicht nachvollziehen könne sie, warum der Schüler sich nicht unmittelbar an die Lehrer oder die Schulleitung gewandt hat, sondern die Stadt einschaltete. Weil die Schule ihre Schüler ernst nehme, habe sie mit ihm darüber auch geredet.

Der angehende Abiturient findet hingegen, dass Schüler bedrängt würden, keine Masken zu tragen. Schüler mit Maske würden ausgeschlossen: „Ich wage es zu bezweifeln, dass die anderen Schulen besser mit der Situation umgehen.“

Kommentare

Noki  schrieb: 17.08.2020 09:52
Bei uns auf dem Berufskolleg ist es leider genauso.
Wir sind fast 30 Schüler in einer Klasse und der Abstand ist gefühlt auch nicht da :)...
Ich frag mich eher was die Lehrer in der "Ferienzeit" geplant haben...
In den Pc-Räumen sitzen wir auch gefühlt Schulter an Schulter und in den Pausen juckt der Mindestabstand ohne Maske auch niemanden. Die Aufgabenzettel werden auch von Schüler von Schüler durchgereicht, eigentlich muss der Lehrer ja alles verteilen (soweit wie ich weiß).
Das Beste ist sowieso ein Kommentar vom Lehrer zum Online-Unterricht: "Sie müssen sich einen Pc oder Laptop von irgendwo beschaffen, wenn sie noch nicht am Online-Unterricht teilnehmen können."
Mich betrifft letzteres zwar nicht :D...aber nicht alle haben dafür unbedingt Geld.
Die Infektionszahlen werden bestimmt nur noch höher gehen.
"Danke für den Virus im Voraus :D!"
tytoalba  schrieb: 16.08.2020 22:59
Eine verantwortungsbewusste Schulleitung
wäre sicherlich in der Lage auch so zu agieren.

Hier einen zukünftigen Lernvorgang zu avisieren zeigt eine bodenlose Verantwortungslosigkeit.
Die Schulleitungen sind auf die einzuhaltenden Bestimmung zur Eindämmung der Corona-Pandemie seitens der Landesregierung NRW immer wieder hingewiesen worden. Das nicht zu beachten, aber einen Schüler, der gegen irgendeine schulische Regelung verstößt, potentiell zu sanktionieren, zeigt, was hier eigentlich angeprangert gehört.
Ich kann nur den Kopf schütteln über dermaßen viel Disqualifiziertheit.

PS:
Ob das, was die Landesregierung hier beschlossen hat, richtig ist - auch angesichts der Hampelei derselben - wäre ein anderes Thema.
Kati Kremer  schrieb: 16.08.2020 22:08
Es gibt keine Fitnessstudiopflicht
Der Besuch des Fitnessstudios ist freiwillig. Wenn Ihnen die Ansteckungsgefahr dort zu hoch ist, gehen Sie einfach nicht hin. Der Schulbesuch ist verpflichtend. Eine Befreiung von der Präsenzpflicht ist aktuell fast ausgeschlossen. Deswegen hinkt Ihr Vergleich leider sehr. Ich denke der betreffende Schüler würde es auch gelassener sehen, wenn er frei entscheiden könnte, ob er an dem lockeren Umgang mit den Hygieneregeln an seiner Schule teilnehmen möchte oder doch lieber auf Distanz lernt. Das darf er aber nicht entscheiden.
Und die Reaktion der Schule ist ein Armutszeugnis. Die Schulleitung und die Lehrkräfte eines Gymnasiums sollten kognitiv in der Lage sein, die aufgestellten Regeln umzusetzen und auch deren Sinn zu verstehen. Das dürfte auch gleich am ersten Tag gelingen - wenn denn nicht der Wille dazu fehlt. Sehr traurig, dass der Schüler an den Pranger gestellt wird, anstatt dass die Schule ein angemessenes Bußgeld verpasst bekommt.
Karl Heinz Gutenberg  schrieb: 16.08.2020 08:36
Was ist mit Fintenssstudios?
Was ist mit Fintenssstudios? Dort trainiert mit minimalenAbstand und ohne Maske? Sind die wichtiger als Schulen?
Wer von Euch kann denn 8 std eine Maske tragen und sich konzentrieren?

Michael Kompauer  schrieb: 15.08.2020 13:50
JA, zu Regeln !
...ich bin ein bekennender Fürsprecher zu Regeln, wenn sie denn Sinn ergeben bzw. nachweislich den Zweck erfüllen, zu denen sie erstellt wurden.

...alles andere ist Drangsal !...
5 Kommentare
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