Disziplinarverfahren gegen einen 45-jährigen Beamten eingeleitet
Rassismus-Vorwurf gegen Polizisten

Paderborn (WB/mba). Bei der Kreispolizeibehörde Paderborn soll es Anfang August einen rassistischen Vorfall gegeben haben. Das bestätige die Behörde am Dienstag, ohne Details zu nennen. Gegen einen 45-jährigen Beamten im Streifendienst wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Er wurde in den Innendienst versetzt. Auch die Staatsanwaltschaft Paderborn wurde eingeschaltet. Sie muss das Verhalten nun strafrechtlich bewerten.

Dienstag, 18.08.2020, 16:41 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 19:30 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Nach Informationen dieser Zeitung soll sich der Polizist rassistisch gegenüber einem Mann mit dunkler Hautfarbe geäußert haben, der in Gewahrsam genommen worden war. Warum er in Gewahrsam genommen wurde, ist bislang nicht bekannt.

Als der Mann nach 24 Stunden freigelassen werden sollte, sollte ein Oberteil für ihn besorgt werden, da er bei der Festnahme keine Oberbekleidung trug. Der beschuldigte Polizist – es soll sich um einen Hauptkommissar handeln – soll dann zu einem Kollegen „Der Neger braucht ein T-Shirt“ gesagt haben, verbunden mit der Aufforderung eines zu besorgen.

Landrat Manfred Müller: „Nehmen den Sachverhalt sehr ernst“

Mehrere Polizisten hörten diese Äußerung offenbar und beschwerten sich bei ihrem Vorgesetztem, der wiederum die Behördenleitung informierte. Wie Landrat Manfred Müller (CDU) als oberster Dienstherr der Polizei am Dienstag mitteilte, nähmen er und die gesamte Polizeiführung den Sachverhalt sehr ernst. Rassistische Äußerungen hätten in der Reihen der Polizei nichts zu suchen.

Müller: „Unsere Kolleginnen und Kollegen dulden keinen Rassismus. Weder untereinander noch gegenüber Bürgerinnen und Bürgern. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hat der Betroffene die beamtenrechtlichen und gegebenenfalls auch strafrechtlichen Konsequenzen zu tragen.“

Neben den verantwortlichen Führungskräften stünden den Beschäftigten der Kreispolizeibehörde unabhängige Extremismus-Beauftragte oder soziale Ansprechpartner zur Verfügung, die jederzeit direkt von allen Mitarbeitern angesprochen werden können, wenn diese einen Verdacht zu rassistischen oder extremistischen Vorgängen haben. Auch von Rassismus betroffene Beschäftigte könnten sich vertrauensvoll an die Beauftragten wenden.

Kommentare

Matthias F.  schrieb: 19.08.2020 14:33
Reicht es denn nicht, wenn solche Vorfälle intern geklärt werden? Muss denn jedesmal die Öffentlichkeit informiert und aufgescheucht werden? Muss es jedesmal pointiert werden, dass ein POLIZIST unter "Rassismusverdacht" steht und dieser im Grunde durch Medien und Öffentlichkeit schon verurteilt werden? Wenn bei uns bei der Arbeit etwas entsprechendes passiert, wird sich der Kollege persönlich vorgeknöpft, aber nicht sofort angeschwärzt. Das kann man bei ausartenden Wiederholungen immer noch machen, aber nicht sofort. So weit ist es mittlerweile gekommen. Das gab es schonmal. Nicht, dass mich hier jemand falsch versteht: Ich hasse diese rassistischen äußerungen ebenfalls, aber ich würde deshalb nicht sofort meine Kollegen anschwärzen, nur weil ich die Macht habe, es zu tun. Das klärt man erstmal selber!
Hermann  schrieb: 18.08.2020 18:04
"[...]wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet[...]Auch die Staatsanwaltschaft Paderborn wurde eingeschaltet."

Also funktioniert unser Rechtsstaat doch recht gut! So muss es sein!

Der Vorfall wird nun disziplinar- und strafrechtlich überprüft, so ist es gut und richtig. Gleiches gilt für den aktuellen Vorfall in Düsseldorf. Die Zeiten, in denen der Schutzmann (oder naklar die Schutzfrau, damals waren es jedoch vermutlich tatsächlich eher Schutzmänner) jemanden ungestraft grundlos eins an die Ohren haut, sind vermutlich doch längst Geschichte...aus längst vergangenen Zeiten.

Die fortentwickelte, nun seit Jahrzehnten akademische Polizeiausbildung hat viel bewegt...heute beziehen die anderen BeamtInnen Stellung anstatt wegzuschauen:

"Mehrere Polizisten hörten diese Äußerung offenbar und beschwerten sich[...]"

Letzteres ein Beispiel dafür, dass "institutioneller Rassismus" (hoffentlich) unsere Polizeibehörden vermutlich nicht "durchsetzt", wie es dieser Tag oft behauptet wird...das wäre auch dramatisch!
2 Kommentare
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