Geldtransporter im Parkhaus in Paderborn überfallen: Trio auf der Anklagebank
Wie im Gangsterfilm

Paderborn  (WB). In Berlin werden Geldtransporter unter Einsatz von automatischen Waffen überfallen, in Paderborn reicht dazu eine Schreckschusspistole . Drei junge Männer müssen sich seit Montag für einen spektakulären Raub vor dem Landgericht verantworten: Sie sollen im Februar aus einem Geldtransporter etwa 5500 Euro entwendet haben, nachdem sie den Fahrer mit einer Gaspistole bedroht hatten.

Dienstag, 25.08.2020, 00:02 Uhr aktualisiert: 25.08.2020, 10:46 Uhr
Nach dem Überfall auf den Geldtransporter am 28. Februar untersuchen Beamte der Spurensicherung das Fahrzeug. Foto: Oliver Schwabe
Nach dem Überfall auf den Geldtransporter am 28. Februar untersuchen Beamte der Spurensicherung das Fahrzeug. Foto: Oliver Schwabe

Die Tat ereignete sich am Morgen des 28. Februar in der Tiefgarage am Neuhäuser Tor – allerdings nicht ganz so rabiat, wie man das aus der Bundeshauptstadt kennt, oder aus dem Gangsterfilm. Begangen haben sollen sie gleich vier junge Männer, von denen drei auf der Anklagebank vor der 8. Großen Strafkammer sitzen: ein Guineer (23), ein Türke (27) und zwei Syrer, einer von ihnen 26 Jahre alt – der zweite wartet gesondert auf seinen Prozess .

27-Jähriger gab „praktische“ Tipps

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Geldtransporter auf einem Parkdeck kurzzeitig anhielt und zwei der Wachmänner ausstiegen, während der Fahrer im Wagen wartete. Diesen Moment sollen der Guineer und der „vierte Mann“ ausgenutzt haben, um die unverschlossene Tür des Fahrzeugs zu öffnen und mehrere Kassetten mit Geldscheinen an sich zu nehmen.

Welche das waren, wusste wohl der 27-Jährige: Der konnte „praktische“ Tipps für den Überfall geben, weil er laut Anklageschrift bis wenige Wochen vor der Tat selbst bei der Geldtransport-Firma gearbeitet hatte – und so auch die Abläufe bei den verschiedenen Touren und die Höhe der zu erwartenden Beute kannte. Den Fahrer, der sich den Männern in den Weg stellen wollte, als er die Situation erkannte, bedrohten sie mit einer Pistole – wie sich später herausstellte, eine Schreckschusswaffe.

Mit den Geldkassetten in einer Sporttasche suchten die beiden Räuber das Weite, stiegen später in einen VW Scirocco ein, in dem der 26-Jährige wartete, und flohen. In einem Wald bei Salzkotten sollen die Kassetten aufgebrochen worden und die Beute geteilt worden sein. Jedoch soll der 23-Jährige keinen Anteil erhalten haben: Den hatte die Polizei nach Feststellungen in der Anklageschrift bereits geschnappt.

5500 Euro erbeutet

Die anderen mutmaßlichen Täter gingen der Polizei kurz darauf ins Netz – unter anderem soll ein Zeuge Hinweise auf das Fluchtfahrzeug gegeben haben, anhand derer der 26-Jährige hatte ermittelt werden können. 5500 Euro beträgt nach bisherigen Erkenntnissen die Beute. Wegen der Drohung mit der Schreckschusswaffe lautet die Anklage auf gemeinschaftlich begangenen schweren Raub, die hierfür drohende Strafe beträgt mindestens fünf Jahre Haft.

Für zwei der Angeklagten kommen noch weitere Vorwürfe hinzu: Sie sollen zunächst gelogen und behauptet haben, der Fahrer des Transporters sei ein Komplize gewesen, der ihnen den Zugriff auf die Geldkassetten ermöglicht habe. Die Polizei nahm Ermittlungen gegen den Mann auf. Er selbst sah sich im Mai schließlich zwei der mutmaßlichen Täter gegenüber, die ihn und seine Familie bedrohten: Er solle aussagen, es sei keine Pistole im Spiel gewesen.

Zwei Angeklagte wollen sich äußern

Dem, so Staatsanwalt Matthias Brune beim Vortragen der Anklageschrift, sei der eingeschüchterte Fahrer zunächst nachgekommen. Als er jedoch erfahren habe, dass er wegen der falschen Behauptungen der Angeklagten als möglicher Mitwisser und Mittäter gelte, habe er bei der Polizei die Drohungen offenbart.

Am 4. September will die 8. Große Strafkammer die Versionen der Angeklagten hören. Zwei von ihnen haben bereits durch ihre Verteidiger verlautbaren lassen, sie wollten sich zu dem Vorwürfen äußern, der dritte will noch überlegen.

Es dürfte an jenem Tag auch um den Haftbefehl gegen den 26-jährigen Fluchtwagenfahrer gehen: Seine Rechtsanwälte Dr. Franz Zacharias und Dr. Detlef Binder wiesen die Strafkammer darauf hin, ihr Mandant sei stets davon ausgegangen, dass der Fahrer des Geldtransporters in die Sache eingeweiht gewesen sei – er habe deshalb annehmen können, dass keine Straftat in der tatsächlichen Größenordnung geplant gewesen sei.

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