Niveau und Nachwuchssichtung leiden unter dem Coronavirus
Paderborner Domchöre in Not

Paderborn (WB). Domkapellmeister Thomas Berning spricht von einem „Notstand“. Zusammen mit der Domkantorin Gabriele Sichler-Karle sorgt er sich ernsthaft um die Qualität und den Nachwuchs des Domchores und der Mädchenkantorei.

Donnerstag, 27.08.2020, 05:11 Uhr aktualisiert: 27.08.2020, 05:20 Uhr
Gabriele Sichler-Karle und Thomas Berning sorgen sich um die Zukunft ihrer Chöre und werben um Nachwuchs. Foto: Dietmar Kemper
Gabriele Sichler-Karle und Thomas Berning sorgen sich um die Zukunft ihrer Chöre und werben um Nachwuchs. Foto: Dietmar Kemper

„Wir werden das Niveau nicht halten können, wenn die Corona-Pandemie länger als ein Jahr dauert“, sagte Thomas Berning am Mittwoch: „Mit zunehmender Dauer verlieren wir an Sicherheit im Repertoire und bei den Knaben auch an sicheren Stimmen, die sich derzeit in den Stimmbruch verabschieden.“

Die Nachwuchssichtung in den Schulen habe man im März abbrechen müssen und könne sie jetzt nicht fortsetzen, weil in den Grundschulen wegen der Infektionsgefahr durch Aerosole nicht gesungen werden dürfe. Ob das Vorsingen in den Schulen im kommenden Frühjahr wieder möglich ist, sei nicht absehbar, ergänzte Gabriele Sichler-Karle.

Proben nur in kleinen Gruppen

Um die Lücken durch Stimmbruch, Schulwechsel und Umzüge wieder zu schließen, brauchen der Knabenchor und die Mädchenkantorei jedes Jahr neue Sängerinnen und Sänger. „30 sollten anfangen, damit 20 sicher bleiben, im Domchor haben wir jetzt erst 18“, nannte Thomas Berning Zahlen. Mittlerweile laufen die Präsenzproben wieder – allerdings nur in kleinen Gruppen von acht bis zehn Teilnehmern in der Domsingschule, dem Dom und der neuen Grundschule Sankt Michael.

„Wir können die Kinder nicht so gut ausbilden, wie wir das früher konnten“, betonte die Leiterin der Mädchenkantorei: „Wir können im Moment nur einmal statt zweimal in der Woche proben. Man braucht aber zwei Proben, um die Kinder fitzumachen.“ Zum Chor, der im Gottesdienst singe, kämen drei weitere, die aufgebaut würden. Es fehle die Regelmäßigkeit der Auftritte, ergänzte Thomas Berning. Damit jeder den Chorgesang verinnerliche, brauche es das „lebendige Beispiel des großen Chores“. Jungen und Mädchen lernten von sich selbst, so der Domkapellmeister.

Noch ziehen die Kinder mit

Der Paderborner Domchor besteht aus 90 Jungen, die Mädchenkantorei aus 170 Mädchen. Zusammen mit der Domkantorei sind es 350 Sängerinnen und Sänger. Die aktuelle Besetzung muss in Corona-Zeiten Durchhaltewillen aufbringen und wird in den Kleingruppen viel mehr gefordert als bislang. „Die Situation für den Domchor wird dann existenzgefährdend, wenn die Corona-Pandemie so lange dauert, dass die Jungen sagen, wir kommen nicht mehr“, sagte Thomas Berning. Dafür gebe es aber noch keine Anzeichen.

 

Warnungen übertrieben?

Warnungen vor gesundheitsgefährdendem Singen hält der Domkapellmeister für „maßlos übertrieben“. Vom Singen gehe im Vergleich zum akzentuierten Sprechen keine besondere Gefährdung aus. Die Paderborner Dommusik hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet gebeten, die strengen Regeln für Chorproben zu lockern. Die sehen zur Zeit Mindestabstände von drei Meter zur Seite und vier Meter nach vorne vor. Thomas Berning hält die bayerische Regelung von zwei Meter Mindestabstand im Kreis für eine vernünftige „Lösung“.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7552246?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Neuhaus glaubt an „mächtig Stimmung“
Uwe Neuhaus (links, mit Assistent Peter Nemeth) setzt auf die Hilfe der Fans. Foto: Starke
Nachrichten-Ticker