Paderborn: Morgen beginnt Prozess um Tod einer jungen Mutter
„Ich habe meine Frau nicht umgebracht“

Paderborn (WB). Die zweifache Mutter Bahar K. (33) hatte keine Chance. Mit 34 Messerstichen wurde sie im Juli vergangenen Jahres in ihrem Haus in Lippstadt umgebracht. Sechs Wochen saß ihr Mann in Untersuchungshaft, dann kam er frei . Morgen beginnt am Landgericht Paderborn der Mordprozess – nicht gegen den Witwer, sondern gegen den früheren Geliebten der Frau.

Montag, 31.08.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 31.08.2020, 06:51 Uhr
Eyup K. zeigt ein Foto seiner Frau. „Sie war ein fröhlicher Mensch“, sagt er. Fast sechs Wochen saß der Witwer wegen des Todes der 33-Jährigen in Untersuchungshaft. „Bis heute hat sich die Polizei nicht bei mir entschuldigt.“ Foto: Althoff
Eyup K. zeigt ein Foto seiner Frau. „Sie war ein fröhlicher Mensch“, sagt er. Fast sechs Wochen saß der Witwer wegen des Todes der 33-Jährigen in Untersuchungshaft. „Bis heute hat sich die Polizei nicht bei mir entschuldigt.“ Foto: Althoff

„Das letzte Jahr war für mich und die Kinder der reine Horror”, erzählt Eyup K. (40), der in Lippstadt einen Grillimbiss betreibt. Im Januar vergangenen Jahres hätten sich seine Frau und er getrennt. „Sie blieb in unserem Einfamilienhaus, ich zog in eine Wohnung über unserem Restaurant.“ Die Kinder, ein gemeinsamer Sohn (9) und eine Tochter (12) aus der ersten Ehe seiner Frau, seien bei ihr geblieben. „Aber ich habe sie regelmäßig bei mir gehabt.“

„Sie lag auf dem Boden”

Auch am vorletzten Wochenende im Juli 2019 seien die Kinder bei ihm gewesen. „Am Sonntag sagte meine Stieftochter, sie würde gerne noch länger bleiben. Ich bat sie deshalb, ihre Mutter anzurufen, damit sie frische Sachen rauslegt, die ich dann abholen wollte. Aber meine Frau ging nicht ans Telefon.” Auch auf Whats-App-Nachrichten habe sie nicht reagiert. „Ich habe mir Sorgen gemacht, weil meine Frau Wochen vorher schonmal so schlimme Bauchschmerzen hatte, dass sie ins Krankenhaus musste. Ich bin dann gegen Mittag ohne die Kinder zu ihr gefahren.”

Es habe niemand geöffnet, und er habe gezögert, das Haus einfach aufzuschließen, sagt der 40-Jährige. „Durch ein kleines Fenster in der Haustür habe ich meine Frau dann gesehen. Sie lag auf dem Boden, und da war Blut.“ Er habe die Polizei angerufen, und die habe ihn aufgefordert, sofort ins Haus zu gehen. „Ich wollte nicht, aber die haben darauf bestanden, also bin ich rein. Den Anblick werde ich nie vergessen.“ Die Obduktion ergab, dass Bahar K. seit etwa zwölf Stunden tot war.

Noch am selben Tag wurde Eyup K. unter Mordverdacht festgenommen, später kam er in Untersuchungshaft. Sein Anwalt Torsten Giesecke aus Bielefeld: „Ein Angehöriger der Toten, mit dem mein Mandant schon länger kein gutes Verhältnis hatte, hatte gegenüber der Mordkommission behauptet, mein Mandant sei gewalttätig gegen seine Frau gewesen. Das stimmte nicht, aber es reichte den Ermittlern, um Eyup K. einzusperren. Obwohl die Kinder ausgesagt hatten, dass der Vater das ganze Wochenende bei ihnen gewesen war.“

Fast sechs Wochen in Untersuchungshaft

Fast sechs Wochen saß Eyup K. in Hamm in Untersuchungshaft. „Du wirst verrückt, wenn du weißt, dass du unschuldig bist, und immer an die Kinder denken musst.“ Sie seien zuerst in eine Pflegefamilie und dann in die Familie seiner Frau gekommen. Rechtsanwalt Giesecke: „Leider haben die Verwandten dem Jungen in dieser Zeit eingeredet, sein Vater sei ein Mörder. Das war für den Neujährigen natürlich eine ganz schlimme Sache.”

Die Mordkommission suchte unterdessen weiter nach Beweisen gegen Eyup K., fand aber keine. Nach fast sechs Wochen wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. „Wegen der falschen Geschichten über die angebliche häusliche Gewalt, die ein Verwandter über mich erzählt hatte, dauerte es noch Monate, bis mein Sohn wieder bei mir leben durfte. Das war für uns beide eine sehr schwere Zeit.“

Im April wurde eine Festnahme gemeldet: ein Mann aus Duisburg

Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, als die Mordkommission im April endlich eine Festnahme gemeldet habe. „Mein Sohn sagte: Papa, ich wusste es immer!“ Bei einer erneuten, sehr aufwendigen Suche nach Spuren am Tatort hatten Polizisten DNA von Lokman Ö. gefunden – einem Mann aus Duisburg, mit dem das spätere Opfer seit Ende 2018 ein Verhältnis gehabt haben soll.

„Ich hoffe, dass er lebenslang bekommt“, sagt Eyup K., der Nebenkläger im Prozess sein wird. Sein Anwalt Torsten Giesecke bereitet unterdessen Schadenser­satzforderungen ge­gen das Land vor: „Es geht nicht nur um die pauschalen 25 Euro für jeden Tag in der Untersuchungshaft. Das Restaurant war ja zwei Monate geschlossen, und der Umsatzverlust war fünfstellig.“

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