Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls soll Projekten zugute kommen
„Wir geben die Erträge aus“

Paderborn (WB). Jahrzehntelang war es ein Geheimnis, nun wurde es gelüftet: Die Finanzsituation des Erzbischöflichen Stuhls zu Paderborn. Das Vermögen der sieben Stiftungen beläuft sich auf 2,7 Milliarden Euro , wie die Erz­diözese am Dienstag bekanntgab.

Mittwoch, 02.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 08:42 Uhr
Metropolitankirche des Erzbistums, in dem knapp 1,5 Millionen Katholiken leben, ist der Hohe Dom zu Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Metropolitankirche des Erzbistums, in dem knapp 1,5 Millionen Katholiken leben, ist der Hohe Dom zu Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Transparenz nach Skandal

Nach dem Finanzskandal um den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vor sieben Jahren hatten die Bistümer mehr Transparenz an­gekündigt und ihre Bilanzen veröffentlicht. Nun herrscht auch Klarheit über das Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls zu Paderborn. Früher habe es drei historisch gewachsene und getrennt geführte Vermögenstöpfe gegeben, die sich durch Vermächtnisse und Spenden aufgebaut hatten, erläuterte Generalvikar und Kuratoriums-Vorsitzender Alfons Hardt. Erstmals sei das Vermögen im Jahr 2000 von Erzbischof ­Johannes Joachim Degenhardt geordnet worden.

Erträge aus Kapitalanlagen

Die Stiftungsstruktur ist Hardt zufolge in den vergangenen Jahren modernisiert, erweitert und in der jetzigen Form mit einem Kuratorium als Aufsichtsgremium und Kontrollorgan 2018 beschlossen worden. Die Höhe der Summen, die den Stiftungen zur Verfügung stehen, hätten auch Hardt nach eigenen Angaben anfangs „überrascht”. Die Stiftungen erzielen ihre Erträge fast ausschließlich aus ihren Kapitalanlagen. Das Geld werde nachhaltig und nach ethischen Prinzipien angelegt. Die Stiftungen könnten wie andere Stiftungen auch nur ihre Erträge für Projekte einsetzen. Das Stiftungskapital selbst müsse erhalten bleiben. „Das unterscheidet die Stiftungen vom Erzbistum, das mit den laufenden Erträgen aus der Kirchensteuer fast 25 Mal so umsetzungsstark ist wie die Stiftungen“, sagte Hardt.

Projekte jetzt beantragen

Nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Krüger müssten in der aktuellen Niedrigzinsphase erhebliche Beträge zur Erhaltung des Wertes der Stiftungen in die sogenannte Kapitalerhaltungsrücklage eingestellt werden. Mit diesem Problem hätten aber alle Stiftungen zu kämpfen. Der Generalvikar äußerte sich auch zur allgemeinen Finanzsituation des Erzbistums. Trotz der Corona-Krise sei er zuversichtlich: „Wir besitzen aktuell eine solide Basis. Es ist ausreichender Handlungsspielraum vorhanden.“ Allerdings müsse die weitere Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen im Auge behalten werden. „Klar ist, dass es nicht so bleibt, wie es aktuell ist.“

Durch die mit dem Finanzbericht geschaffene neue Transparenz und für jeden einsehbare Förderrichtlinien habe die Erz­diözese einen Politikwechsel eingeleitet, betonte der Generalvikar. Die Erträge sollten auch wieder ausgegeben werden. „Für Aufgaben, die in der heutigen Welt etwas aus dem Blick geraten sind“, sagte Hardt. Die Öffentlichkeit könne jetzt auf die Stiftungen zukommen und Anträge stellen, ergänzte Geschäftsführer Kröger. Für dieses Jahr wurde unter anderem beschlossen, die gut 120 katholischen Einrichtungen der Altenhilfe und Hospize im Erzbistum mit insgesamt 630.000 Euro zu unterstützen, um in Corona-Zeiten elektronische Kommunikationsmittel anzuschaffen, damit die Bewohner mit ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen können.

Aufgaben der 7 Stiftungen

Die Stiftung Erzbischof von Paderborn verwaltet als einzige Immobilien, darunter den Amtssitz des Erzbischofs sowie eine Jugendgruppe in Dortmund mit 180 Plätzen. Die Stiftung St. Kilianfördert caritative Aktivitäten. Mit Erträgen aus dem Vermögen von 663 Millionen Euro unterstützt sie unter anderem das Jugendwerk Rietberg. Die Stiftung Bischof Badurad widmet sich der Kultur und dem spirituellen Leben. Aus ihrem Vermögen von etwa 203 Millionen Euro fördert sie die Mädchenkantorei im Rahmen der Dommusik. 2021 sollen die erstmals geplanten internationalen Musiktage am Paderborner Dom gefördert werden.

Die Stiftung Dietrich IV. von Fürstenberg mit einem Vermögen von gut 524 Millionen Euro ist Trägerin der Theologischen Fakultät und fördert unter anderem das Graduiertenkolleg. Die Stiftung Bischof Meinwerk ist mit einem Vermögen von etwa 249 Millionen Euro ausgestattet und widmet sich Bildung, Forschung, Wissenschaft. Die Stiftung soll Schul- und Hochschulprojekte fördern. Die Stiftung St. Libori fungiert als Unterstützungs- und Krisenfonds. Ihr Vermögen von 508 Millionen Euro soll dazu dienen, aus den Erträgen den Lebensunterhalt von Missionaren und Ordensleuten abzusichern und Einrichtungen zu unterstützen, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Die Stiftung Bischof Imad hat die Aufgabe, Kulturgüter zu ­sichern. Sie verfügt über ein Vermögen von etwa 356 Millionen Euro. Die Stiftung hat unter anderem die Renovierung der Antoniuskapelle in Menden unterstützt.

Unser Kommentar zum Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls.

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