Carmelo Zanghi geht in Paderborn in den Ruhestand
Er war das Gesicht der IG-Metall

Paderborn (WB). In einer Mischung aus Wut und Bewunderung soll ein Unternehmer Carmelo Zanghi einmal eine „italienische Kampfturtle“ genannt haben. Der vehemente Einsatz des Ersten Bevollmächtigten der IG Metall in Paderborn für die Rechte der Arbeitnehmer war sprichwörtlich.

Donnerstag, 03.09.2020, 05:25 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 05:30 Uhr
Christiane Benner, Konrad Jablonski (von links) und Knut Giesler (rechts) würdigten im Welcome-Hotel die Verdienste, die sich Carmelo Zanghi als IG-Metaller erworben hat. Foto: Dietmar Kemper
Christiane Benner, Konrad Jablonski (von links) und Knut Giesler (rechts) würdigten im Welcome-Hotel die Verdienste, die sich Carmelo Zanghi als IG-Metaller erworben hat. Foto: Dietmar Kemper

Am Mittwoch wurde der impulsive und wortgewaltige Sizilianer in den Ruhestand verabschiedet. In der vergangenen Woche war der BVB-Fan und Liebhaber von Krawatten, Brillen und Uhren 65 Jahre alt geworden.

Wer im Hochstift Paderborn „IG Metall“ hört, denkt an Carmelo Zanghi. 30 Jahre lang hat er sich in der Region in verschiedenen Funktionen für die Gewerkschaft engagiert – zuerst als Jugendsekretär und zuletzt elf Jahre lang als Erster Bevollmächtigter. „Dabei sollte ich eigentlich nur ein halbes Jahr in Paderborn bleiben“, erzählte Carmelo Zanghi.

„Bei Hella ist es mir nicht gelungen“

Es kam anders, und für die IG Metall und ihn hat sich die Ära, die jetzt zu Ende ist, gelohnt. „Es hat Spaß gemacht“, sagte der mit Lob Überschüttete selbst, und er betonte: „Menschen eine Perspektive zu geben, hat mich angetrieben.“ Das Ziel „Beschäftigung halten“ erreichte er nicht immer. „Bei Hella ist es mir nicht gelungen“, räumte er selbstkritisch ein. Auch die Möbelindustrie habe er nicht in Paderborn halten können – genauso wenig wie den japanischen Computerhersteller Fujitsu. Als Erfolg wertete Carmelo Zanghi, dass in Paderborn weiterhin Geldautomaten hergestellt werden – trotz der Übernahme von Wincor Nixdorf durch Diebold aus den USA.

Zum Schluss kritisierte der stets adrett gekleidete Gewerkschaftsfunktionär noch einmal die Arbeitgeber: „Ich habe null Verständnis dafür, dass Unternehmen in Paderborn die Ausbildungskapazität runterfahren.“ Corona dürfe keine Ausrede sein, um jungen Menschen eine Perspektive zu verweigern.

500.000 Mitglieder mit Migrationsgeschichte

Carmelo Zanghi war 1965 mit zehn Jahren als „echtes Gastarbeiterkind“ nach Deutschland gekommen. Schon im August 1972 trat er der IG Metall bei, die Streiks für die 35-Stunden-Woche Ende der 70er Jahre prägten ihn. Die sogenannten Gastarbeiter hätten maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik beigetragen, betonte die stellvertretende IG-Metall-Bundesvorsitzende Christiane Benner. Sie verwies darauf, dass 500.000 der 2,3 Millionen Mitglieder eine Migrationsgeschichte hätten. Im Hochstift Paderborn zählt die Gewerkschaft 11.000 Mitglieder.

Christiane Benner bezeichnete „Melo“ als „sehr kompetent und menschlich angenehm“. Er habe der Paderborner IG Metall ein Gesicht gegeben und sie erlebbar gemacht: „Wer stand bei der Ausein­andersetzung vor dem Tor in der ersten Reihe? Carmelo.“ Er habe immer für die Sache gestritten und für ein klares und konstruktives Wort gestanden, würdigte der Bezirksleiter NRW, Knut Giesler, den Mann, der große Fußstapfen hinterlässt. Deshalb solle sein Nachfolger Konrad Jablonski erst gar nicht versuchen, sie auszufüllen, sondern eigene Wege gehen, riet Giesler. Carmelo Zanghi habe viel für die IG Metall Paderborn geleistet, und er selbst habe von ihm viel gelernt, lobte Konrad Jablonski, der Paderborn kennt und bei Nixdorf gearbeitet hat.

Mehr Zeit fürs Kochen

Arbeiten muss Carmelo Zanghi nicht mehr. Er wird die freie Zeit nutzen, um vermehrt zu kochen – für seine Lebensgefährtin Ute Herkströter, seine beiden Kinder und natürlich auch für sich. Weil seine Partnerin Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Bielefeld ist, wird ihn das Thema Tarifpolitik in Gesprächen weiter begleiten. Die Rechte und Interessen der Beschäftigten in der Industrie 4.0 zu wahren, war zuletzt sein Anliegen. „Gewerkschaftssekretär ist man 24 Stunden lang“, sagte er am Schluss der Feierstunde. Und ein bisschen Funktionär wird er sicher auch weiter bleiben.

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