Stümpelsche Mühle in Paderborn ist ein „Innovationsprojekt Klimaschutz“
Die Kraft der Pader

Paderborn (WB). Die Stümpelsche Mühle hat seit März 2014 bereits mehr als 220.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Sie ist ein Musterbeispiel für Klimaschutz und den konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien. Und dafür wurde ihr Betreiber Willi Ernst am Freitag von der Energieagentur NRW ausgezeichnet.

Samstag, 05.09.2020, 05:11 Uhr aktualisiert: 05.09.2020, 05:20 Uhr
Vor dem Wasserrad mit einer Leistung von 7,5 Kilowatt übergab Frank-Michael Baumann (links) Urkunde und Plakette an Willi Ernst, der auf erneuerbare Energien schwört. Foto: Oliver Schwabe
Vor dem Wasserrad mit einer Leistung von 7,5 Kilowatt übergab Frank-Michael Baumann (links) Urkunde und Plakette an Willi Ernst, der auf erneuerbare Energien schwört. Foto: Oliver Schwabe

„Besondere Strahlkraft“

Deren Geschäftsführer Frank-Michael Baumann überreichte Ernst die Urkunde und Plakette für die Stümpelsche Mühle als „Innovationsprojekt Klimaschutz“. Nur Projekte „mit besonderer Strahlkraft“ bekämen diesen Titel, sagte Baumann. Drei bis fünf seien es jedes Jahr in NRW.

Was ist an der Stümpelschen Mühle in unmittelbarer Nähe zur Paderhalle so besonders? Erneuerbare Energien werden hier im Verbund genutzt; Strom, Wärme und Mobilität gehen ineinander über. Willi Ernst und die von ihm 2009 gegründete Biohaus-Stiftung für Umwelt und Gerechtigkeit nutzen Wasserkraft und Solarthermie genauso wie Photovoltaik auf dem Dach und eine Wärmepumpe.

Wasserkraft und Wärmepumpe

„Die Kombination von Wasserkraft und Wärmepumpe ist einzigartig“, lobte Frank-Michael Baumann. Die Pader diene als Wärmequelle für die Pumpe, und der Strom zum Antrieb komme direkt aus der Wasserkraftanlage. Dieses Konzept ermögliche eine komplett CO 2 -neutrale Wärmeversorgung der Räume in der Mühle, zu denen Wohnungen für Flüchtlinge und Stiftungs-Mitarbeiter, das Café und ein Museum gehören. Für ein Elektroauto bleibt auch noch genug Strom aus der Wasserkraftanlage.

An einem zentralen Ort der Stadt würden den Menschen die Möglichkeiten der erneuerbaren Energien vor Augen geführt, hob Frank-Michael Baumann weiter hervor. Das fördere die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Willi Ernst blickte in der kleinen Feierstunde zurück: „Als wir 2013 diese Immobilie entdeckten, war sie wüst und leer. Sie hatte 16 Jahre lang leergestanden, und wir stießen auf ein Telefonbuch von 1996.“ Das alte Wasserrad habe man mit einem neuen Getriebe und einem Generator ausgestattet. Und die Schaufeln hätten Borsten bekommen, um den jahrelangen Streit mit Anwohnern wegen Lärmbelästigung zu beenden.

Für Willi Ernst ist die Pader nicht nur Deutschlands kürzester Fluss (vier Kilometer lang) und ein Wahrzeichen der Stadt, sondern eine Kraft- und Wärmequelle: „Die Pader heizt das Gebäude.“ Selbst im Winter liege die Wassertemperatur nie unter neun Grad Celsius. An der Mühle vereinige sich die Kraft mehrer Pader­arme. Das Thema erneuerbare Energien beschäftigt Willi Ernst aber nicht nur in Paderborn. Aktiv ist die Biohaus-Stiftung in Nicaragua und Haiti, wo die größte Solaranlage des Inselstaates mit 700 Kilowatt aufgebaut wurde.

 

Datenbank listet mehr als 400 Projekte auf

Die Stümpelsche Mühle stehe an einem besonders idyllischen Ort, findet der stellvertretende Bürgermeister Dietrich Honervogt: „Was den grünen Ernst und den schwarzen Honervogt verbindet, ist die Liebe zu dieser Stelle.“ Die Stadt habe eine Menge Geld in den Umbau und die Renaturierung der Pader investiert: „Hier haben alle gewonnen.“ Mit den Paderauen werde dieser Prozess fortgesetzt. Auf der Internetseite www.energieagentur.nrw/klimaexpo hat das Land NRW gelungene Klimaschutzprojekte gesammelt. Mehr als 400 enthält die Datenbank mittlerweile.

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