Christoph Rüther setzt sich in Landratswahl mit 53,5 Prozent durch – CDU verliert absolute Mehrheit im Kreistag
„Will mein Ohr nah an den Menschen haben“

Paderborn (WB). Am Tag zuvor hat er noch in Fürstenberg, wo er wohnt, Schlagzeug gespielt und am Sonntagmorgen joggte er um die Aabachtalsperre, um ein bisschen runter­zukommen. Am Abend dann war die Freude groß: Mit 53,5 Prozent der Stimmen entschied Bad Wünnenbergs CDU-Bürgermeister Christoph Rüther das Rennen um die Landratswahl für sich.

Sonntag, 13.09.2020, 23:33 Uhr aktualisiert: 14.09.2020, 00:14 Uhr
Alter und neuer Landrat: Manfred Müller (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Christoph Rüther zur Wahl. Foto: Jörn Hannemann
Alter und neuer Landrat: Manfred Müller (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Christoph Rüther zur Wahl. Foto: Jörn Hannemann

Der 55-Jährige holte allerdings 10,8 Prozentpunkte weniger als 2014 Amtsvorgänger Manfred Müller (CDU, 59), der sich nach 16 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut zur Wahl hatte aufstellen lassen. Zudem verlor die CDU mit 46,8 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit im Kreistag. Vor sechs Jahren erzielte die CDU noch 51,9 Prozent. „Ich bin glücklich, dass die Wähler klar entschieden haben und ich nicht in eine Stichwahl muss“, sagte Rüther am Sonntagabend. Die vergangenen Wochen seien anstrengend, aber zugleich auch sehr bereichernd gewesen. „Ich habe unzählige Gespräche geführt, Kontakte geknüpft und Anregungen mitgenommen.“ Das neue Amt gehe er voller Respekt an. „Als Landrat ist es mein Ziel, mein Ohr weiterhin an den Menschen zu haben. Daran will ich mich auch messen lassen“, sagte Rüther dieser Zeitung.

Rüther hat hohe Achtung vor dem Amt

Im Wahlkampf sei er sehr gut durch die CDU-Stadt- und Gemeindeverbände unterstützt worden. „Ich konnte ja erst sehr spät durchstarten. Aber ich bin mit sehr vielen Menschen über aktuelle Themen wie den Flughafen, die Corona-Krise und Verkehrskonzepte ins Gespräch gekommen“, sagte der zweifache verheiratete Familienvater. Draußen vor Ort zu sein und mit den Bürgern, aber auch mit Unternehmern zu sprechen, das sei für ihn weiterhin wichtig. „Mein Vorbild ist da Manfred Müller, der auch immer nah an den Menschen war.“ Er wolle keinen auf der Strecke lassen. „Wir müssen jetzt vor allem die Menschen unterstützen, die wegen der Corona-Krise Probleme haben.“ Er habe eine sehr hohe Achtung vor dem Amt, betonte Rüther, und setze auf ein gutes Zusammenspiel zwischen Kreis und Stadt Paderborn. Rüther: „Das ist extrem wichtig. Und das werden wir so weiterleben wie bisher.“

Der noch amtierende Landrat Manfred Müller sagte am Sonntagabend: „Da ist schon Wehmut dabei. Aber ich habe mich bewusst so entschieden. Ich wollte das Risiko nicht eingehen, weiterhin 70 Stunden pro Woche zu arbeiten. Ich kann das nur ganz oder gar nicht.“

Er sei davon überzeugt, „dass wir einen guten und kompetenten Landrat“ bekommen hätten, sagte Müller. „Christoph tickt so wie ich. Er ist gerne und nah bei den Menschen. Und das wird er auch so leben. Er kommt in eine fachlich und personell gut aufgestellte Kreisverwaltung. Damit kann man gut arbeiten und die Herausforderungen der Zukunft meistern. Für den Masterplan Mobilfunkstrategie ist er genau der richtige Mann“, sagte Müller, der noch bis zum 31. Oktober im Amt bleibt. Das gilt auch für den bisherigen Kreistag. Die konstituierende Sitzung des neuen Kreistags ist für den 2. November terminiert.

Norika Creuzmann (54) von den Grünen landet auf Platz zwei

Auf Platz zwei bei der Landratswahl landete Norika Creuzmann (54) von den Grünen mit 16,5 Prozent. Wolfgang Weigel (69), der auch 2014 schon für die SPD angetreten war, holte 15,3 Prozent. Norika Creuzmann sagte am Sonntagabend: „Ich bin total zufrieden. Ich hatte mir 15 Prozent und mehr vorgenommen. Und wir sind die zweistärkste Fraktion geworden.“ Wichtig sei, dass die CDU im Kreistag die absolute Mehrheit verloren habe. „Jetzt können Themen nicht mehr einfach so durchgewunken werden, sondern nun wird darum gerungen. Wir werden den Klima- und Artenschutz oben auf die Agenda setzen. Und mir ist eine auskömmliche Finanzierung der Träger wie Aids- und Gehörlosenhilfe wichtig.“

Für die Kreistagswahl gibt es 30 Wahlbezirke. Das bedeutet, dass auch 30 Direktmandate zu vergeben sind. Bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren holte die CDU alle 30 Mandate. Dieses Mal gewann sie nur 29 der 30 Bezirke direkt. Im Kreiswahlbezirk 4, Teile des Riemeke-Viertels und Teile der Südstadt, holte Eva Koch für die Grünen das Direktmandat. Insgesamt hat der Kreistag rein rechnerisch 60 Mitglieder, die restlichen 30 Plätze werden über die Reservelisten vergeben. Allerdings könnte der Kreistag auch größer werden, sollte es zu Überhang- oder Ausgleichsman­daten kommen.

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