Nachbarn ärgern sich über Neubauprojekt am Paderborner Westphalenweg
„Wir fühlen uns im Stich gelassen“

Paderborn (WB). Der Westphalenweg in Mastbruch ist ein idyllisches Baugebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern auf großen Grundstücken in einer gewachsenen Nachbarschaft. Trotzdem ist die Stimmung unter den Nachbarn gerade alles andere als gut. Stein des Anstoßes ist das in einer Baulücke geplante Achtfamilienhaus, das von den Nachbarn als „brutaler Fremdkörper“ empfunden wird.

Mittwoch, 16.09.2020, 05:44 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 05:50 Uhr
Ein Acht-Parteien-Haus soll auf dem freien Grundstück am Westphalenweg 43c entstehen. „So ein riesiger Klotz passt hier nicht hin“, ärgern sich die Anwohner, dass sie erst durch das Bauschild von dem Vorhaben erfahren hätten. Foto: Maike Stahl
Ein Acht-Parteien-Haus soll auf dem freien Grundstück am Westphalenweg 43c entstehen. „So ein riesiger Klotz passt hier nicht hin“, ärgern sich die Anwohner, dass sie erst durch das Bauschild von dem Vorhaben erfahren hätten. Foto: Maike Stahl

„Wir fühlen uns übertölpelt. Als wir vor 34 Jahren hier gebaut haben, wurden alle Nachbarn zu einer Besprechung eingeladen. Von diesem Projekt haben wir im Prinzip aber erst erfahren, als das Bauschild aufgestellt wurde“, ärgert sich Helmut Kaiser als direkter Nachbar. Lediglich Christine Fortstroer, auf der anderen Seite des Neubaus, ist kurz vorher informiert worden. „Weil unser Zaun auf der Grundstücksgrenze für die Bauzeit entfernt werden soll, wurde uns das Projekt vorgestellt. Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir gesehen haben, was für ein Klotz da geplant ist.“

Dass das Grundstück irgendwann bebaut würde, war den Nachbarn durchaus klar. Der ursprüngliche Besitzer habe „drei kleine Häuschen“ geplant, das Grundstück dann aber weiterverkauft. „Damit hätten wir überhaupt kein Problem gehabt. Aber ein Achtfamilienhaus mit Luxuseigentumswohnungen passt hier einfach nicht rein. Außerdem befürchten wir Schäden durch die für die geplante Tiefgarage erforderliche Grundwasserabsenkung“, sagt Kaiser. Schließlich werde auf nachgiebigem Sennesand gebaut.

Als die Nachbarn dann von einem ähnlich gelagerten Fall am Tempelweg in Salzkott en erfahren haben, beschlossen sie, ebenfalls aktiv zu werden und rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen. „Wir hoffen, dass es noch nicht zu spät ist und verstehen nicht, warum wir nicht eher Gelegenheit hatten, Stellung dazu zu nehmen“, sagt Kaiser. Die Nachbarschaft fühle sich im Stich gelassen.

Dass die Nachbarn in die Planung nicht eingebunden worden seien, liege daran, dass es für das betroffene Gebiet keinen Bebauungsplan gebe. Dadurch komme Paragraph 34 des Baugesetzbuches zur Anwendung, der Bauvorhaben im Außenbereich regelt. „In solchen Fällen müssen sich Neubauten in die vorhandene Bebauung einfügen. Die Zahl der Wohneinheiten interessiert dabei nicht“, erläutert der Leiter des Stadtplanungsamtes Thomas Jürgenschellert. Dafür würden fiktive Baugrenzen nach vorne und hinten angenommen, die sich an den vorhandenen Häusern orientieren. „Da die Grundstücke sehr tief sind und einige Häuser weit nach hinten raus ragen, ermöglichen diese fiktiven Baugrenzen dort eine große Grundfläche.“ Maßgeblich seien ferner die vorhandenen Firsthöhen, die um maximal einen halben Meter überschritten werden dürften. „Werden diese Rahmenbedingungen eingehalten, muss das Vorhaben genehmigt werden.“

Bauherr Franz Demir hat durchaus Verständnis dafür, dass bei einer Lückenbebauung in einem gewachsenen Gebiet Sorgen entstehen. „Ich baue aber nur das auf das Grundstück, was ich auch darf“, betont er. Zudem würden heimische Betriebe zum Zuge kommen, die in dem Gebiet erfahren seien, so dass die Sorgen der Anwohner zwar nachvollziehbar, aber unbegründet seien. Er kündigte an, dass es auch eine Informationsveranstaltung geben werde, sobald der Starttermin feststehe. Bauleiter Joachim Ackermann stellt klar, dass ein Gutachterbüro die Nachbarhäuser im Zuge der Beweissicherung untersuchen werde. „Vor der Maßnahme und danach, so dass mögliche Schäden, mit denen aber nicht zu rechnen ist, dokumentiert würden.“

Kommentar

eine Lückenbebauung in gewachsenen Baugebieten wird fast immer zu Problemen führen, wenn die Neubauten größer dimensioniert sind als die vorhandene Bebauung. Dass die Anlieger das nicht gut finden, ist menschlich und nachvollziehbar. Andererseits ist es in Paderborn selbst für Gutverdiener nicht mehr bezahlbar, ein großes Grundstück in guter Lage mit einem Einfamilienhaus zu bebauen. Die Preisentwicklung ist ein bekanntes Problem, das hoffentlich mit Umwidmung der Kasernengelände und noch mehr städtischem Baugrund ein wenig entschärft werden kann.

Hier kommt erschwerend hinzu, dass im Außenbereich gebaut werden soll, wo die Betroffenen von Rechts wegen nicht in der Planungsphase beteiligt werden, wie es bei Vorhaben, die eine Planänderung erfordern, nötig wäre. Klar, dass diese sich überfahren fühlen. Im Sinne guter Nachbarschaft sind die rechtlichen Vorgaben an dieser Stelle nicht. Maike Stahl

 

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