Paderborner Jugendkammer verurteilt geständiges Quartett
Überfall auf Aral-Tankstelle war vorgetäuscht

Paderborn (WB). Wenn es ein Raub gewesen wäre, hätten ihnen Haftstrafen gedroht. Aber weil der Überfall auf die Aral-Tankstelle an der Borchener Straße nach Überzeugung der Jugendkammer des Landgerichts fingiert war, kommen vier junge Paderborner nun mit recht milden Strafen davon – für Diebstahl und Unterschlagung.

Mittwoch, 16.09.2020, 12:52 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 13:12 Uhr
Foto: dpa
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Wie berichtet, hatten die vier jungen Männer im Alter von jetzt 19 bis 26 Jahren am 10. November 2018 die Aral-Tankstelle überfallen. Zwei von ihnen bedrohten maskiert den Kassierer am Nachtschalter und ließen sich von ihm im Inneren des Gebäudes Bargeld aus Kasse und Tresor aushändigen. So viel gestanden die vier Täter, aber belasteten auch den Kassierer: Er habe mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, der Überfall sei fingiert gewesen, um den Schein zu wahren.

Genau das glaubten auch die Staatsanwaltschaft und die 5. Große Jugendkammer nach zwei Verhandlungstagen. Denn während die Aussagen der vier Angeklagten konsistent blieben, machte der Hauptbelastungszeuge – der 24-jährige Kassierer – von seinem Recht gebrauch, die Aussage zu verweigern, weil gegen ihn auch ermittelt wird. Richterin Nicole Klein benutzte in der Urteilsbegründung mehrfach das Attribut „merkwürdig“ für die Tatumstände. Es gebe einige Punkte, die für eine Tatbeteiligung des Kassierers sprächen. Zum Beispiel habe er in der Tatnacht eine Art Schockreaktion gezeigt, sei aber nach seiner Einlieferung in eine Klinik fidel gewesen und habe sogar mit dem einen Täter, mit dem er seit Kindheit befreundet sei, in freundschaftlichem Ton auf dem Smartphone gechattet.

Kammer zweifelt an Glaubhaftigkeit des Kassierers

Auch ob sein von Zittern, Zucken und Sprachstörungen geprägter Kurz-Auftritt im Zeugenstand glaubhaft sei, zweifelte die Kammer an. Nicht zuletzt hegte das Gericht auch den Verdacht, dass nicht die gesamte Beute bei den vier Angeklagten gelandet war. Die hatten übereinstimmend erklärt, 5000 Euro mitgenommen zu haben – aber 9000 Euro waren vom Tankstellenbetreiber als entwendet gemeldet worden.

Die Kammer erkannte nicht auf den angeklagten schweren Raub, sondern auf Diebstahl und Unterschlagung – weil der Kassierer nur zum Schein mit einer Spielzeugpistole bedroht worden war und das Geld „einvernehmlich“ den Besitzer wechselte. Zwei der Angeklagten wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt: Der damals 17 Jahre alte Schmieresteher bekam eine Geldbuße von 1500 Euro auferlegt, einer der Maskierten, seinerzeit 18, muss 150 Sozialstunden ableisten. Der andere Maskierte (jetzt 23) muss eine Geldstrafe von 2000 Euro zahlen, der Fahrer des Fluchtautos (26) – wegen seines höheren Einkommens – 4800 Euro. Er fasste die Entschuldigungen des bislang strafrechtlich unbelasteten Quartetts so zusammen: „Dass wir Mist gemacht haben, muss man nicht mehr extra erwähnen. Das ist uns allen klar.“

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