Seltene Münze zeigt den Rückführer der Gebeine des heiligen Liborius nach Paderborn
Historischer Taler unterm Hammer

Paderborn/Osnabrück (WB). Ohne Adolf von der Recke, der die Gebeine des Heiligen Liborius 1627 wieder zurück nach Paderborn holte, wäre die Paderstadt wohl um eine Attraktion ärmer geblieben. Am 28. September wird ein historischer Taler mit seinem Porträt bei der Herbstauktion des Osnabrücker Auktionshauses Künker versteigert.

Donnerstag, 17.09.2020, 06:00 Uhr
Der Taler mit dem Porträt von Bischofs Dietrich Adolf von der Recke wird am 28. September 2020 versteigert. Fotos: Lübke & Wiedemann © Künker, Osnabrück

„Mit dem Taler wird ein Teil Paderborner Stadtgeschichte den Besitzer wechseln“, erklärt Geschäftsführer Dr. Andreas Kaiser. „Der Silbertaler wird auf 5000 Euro geschätzt.“ Hinter der Münze steckt die spannende Geschichte um den Liboriusschrein und die Gebeine des Heiligen Liborius, die eng mit dem Schicksal Paderborns verbunden sind.

Der heutige Liboriusschrein, der während der Prozession anlässlich des Liborifests durch die Paderstadt getragen wird, ist keineswegs der ursprüngliche Schrein. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hatte Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel den prächtig geschmückten Silberschrein, der Gebeine des Heiligen Liborius enthielt, konfisziert, um aus dem Material Taler zu prägen. Der Adlige, bekannt dafür, in vielen Städten zu plündern und seinen Krieg damit zu finanzieren, wurde auch „Toller Christian“ genannt – wobei „toll“ im Frühneuhochdeutsch eher „unvernünftig“ oder „tobsüchtig“ bedeutete.

„Mit seinen 80 Pfund reinen Silbers reichte der Liboriusschrein jedenfalls für 1300 Taler und – wegen der goldenen Verzierungen im Gewicht von 5,6 Kilogramm – zusätzlich für 2100 Goldgulden im Nennwert von etwa 2625 Talern“, erläutert Andreas Kaiser.

Wie die seltene Münze den Weg ins Auktionshaus gefunden hat, verrät Kaiser nicht, ebenso wie auch der derzeitige Besitzer ein gut gehütetes Geheimnis bleibt.

Rückseite der Münze.

Rückseite der Münze.

Was der Experte aber weiß: Der Münzmarkt ist stabil und hat zuletzt durchaus die eine oder andere Belebung erfahren. „Wir bekommen immer wieder Anfragen von Menschen, die geerbte Sammlungen schätzen lassen oder beim Durchforsten des Dachbodens auf vergessene Schätze stoßen.“

Ein Stück Geschichte

Zurück zum Liboriusschrein: Die darin liegenden Gebeine machte der „Tolle Christian“ zu Geld und verkaufte sie im August 1622 an Philipp Otto von Salm, einen katholischen Adligen, der im französischen Heer diente. Dieser veräußerte sie 1623 wiederum mit gutem Gewinn zurück an den Fürstbischof von Paderborn, Ferdinand I. von Bayern. Dieser lagerte sie zunächst bei Bonn, weil das Kriegsgeschehen keine sichere Rückkehr ermöglichte.

Liborius‘ Heimkunft war nämlich erst im Jahr 1627 möglich. Und nun kommt Dietrich Adolf von Recke ins Spiel. Der junge Geistliche war damals Domkämmerer von Paderborn und wurde damit beauftragt, die Gebeine des Heiligen Liborius nach Paderborn zurückzubringen. Am 31. Oktober 1627 wurden sie im neuen, heute immer noch erhaltenen Schrein mit einer feierlichen Prozession in den Paderborner Dom zurückgeführt. Das Datum war hierbei nicht willkürlich gewählt: War es doch der 110. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther. Ein deutliches Zeichen, dass die Reformation den Heiligen nicht aus Paderborn vertrieben hatte. Die Rückführung der Gebeine wurde als Wunder betrachtet, dessen Glanz auf Dietrich Adolf von der Recke abfärbte: der Beginn einer kirchlichen Karriere. Als Fürstbischof Ferdinand von Bayern am 13. September 1650 starb, wurde Dietrich Adolf von der Recke am 3. November 1650 zu seinem Nachfolger gewählt und wirkte zehn Jahre in Paderborn. Auf dem Taler von 1656 ist sein Porträt bis heute erhalten.

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