33-Jährige mit über 30 Messerstichen getötet - Schwurgericht spricht Angeklagten frei
Freispruch für Ex-Geliebten

Lippstadt/Paderborn (WB/upf). „Sie haben den Falschen.“ Das betonten die Verteidiger immer wieder beim Prozessauftakt. Und dass der Duisburger auf der Anklagebank der Richtige gewesen wäre, der Bahar K. (33) in Lippstadt mit 34 Messerstichen getötet hat, wollte das Schwurgericht in Paderborn nicht feststellen. Am Mittwoch wurde der 37-jährige Ex-Geliebte freigesprochen.

Donnerstag, 17.09.2020, 03:07 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 13:14 Uhr
Das Paderborner Landgericht. Hier wurde gegen den Ex-Geliebten von Bahar K. verhandelt. Foto: Jörn Hannemann
Das Paderborner Landgericht. Hier wurde gegen den Ex-Geliebten von Bahar K. verhandelt. Foto: Jörn Hannemann

Dass die Indizien nicht für eine Täterschaft des Mannes sprechen, zeichnete sich schon am vorangegangenen Verhandlungstag ab. Das Paderborner Schwurgericht stützte sich in seinem Urteil unter anderem auf die simultane Befragung zweier Gutachter im Zeugenstand. Diese hatten festgestellt: Eine Spur von DNA des Angeklagten an der Stirn der Getöteten könne von Bahar K. in der Tatnacht im Juli vergangenen Jahres selbst dorthin übertragen worden sein – nachdem sie ein als Schminktäschen genutztes Portemonnaie angefasst hatte. Auf diesem, sichergestellt am Tatort in der Handtasche des Opfers, fand sich reichlich DNA des 37-jährigen Duisburgers, aber diese könne dort über einen längeren Zeitraum „frisch“ geblieben sein.

Verteidigung wie Staatsanwaltschaft plädierten auf Freispruch. „Wir haben keine belastbaren Indizien für eine Täterschaft“, sagte Richter Eric Schülke. Es gebe viele Szenarien für eine DNA-Übertragung, auch von Spuren anderer Personen, an der Leiche wie am Tatort selbst. Der Angeklagte habe kein Motiv, habe ein Alibi, und eine Anwesenheit in der Nähe des Tatortes sei auch durch Funkzellenauswertung seines Handys nicht festzustellen.

„Aus unserer Sicht war er es nicht“, betont der Richter. Wer es war, bleibt ungeklärt: Es gibt einen in die Türkei verschwundenen „Bauarbeiter“, mit dem Bahar K. zum Zeitpunkt ihres Todes eine Affäre hatte, und es gibt ihren Ex-Mann, der vor Gericht die Aussage verweigert, weil er selbst unter Verdacht steht. Für die Familie ist im Gericht klar, wer es war. „Das ist er“, rief ein Bruder der Getöteten, als der Ex-Mann den Saal verlassen wollte.

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