Mehr Kapazitäten für junge Patienten im Kreis Paderborn
Verstärkung für Kinderärzte

Paderborn (WB). Gute Nachrichten für alle Eltern: Künftig gibt es im Kreis Paderborn mehr Möglichkeiten, im Krankheitsfall die Kinder behandeln zu lassen. Davon profitieren insbesondere die jungen Patienten in Borchen, Salzkotten, Büren, Delbrück und Bad Wünnenberg.

Donnerstag, 17.09.2020, 07:19 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 07:22 Uhr
Kinderärztin Daniela Seibel in Salzkotten sowie andere Kinderärzte im Kreis Paderborn dürfen sich über Verstärkung für die jungen Patienten freuen. Insgesamt sind drei zusätzliche Sitze für Kinderärzte geschaffen und verteilt worden. Foto: Jörn Hannemann
Kinderärztin Daniela Seibel in Salzkotten sowie andere Kinderärzte im Kreis Paderborn dürfen sich über Verstärkung für die jungen Patienten freuen. Insgesamt sind drei zusätzliche Sitze für Kinderärzte geschaffen und verteilt worden. Foto: Jörn Hannemann

Fast drei Jahre hat es gedauert – jetzt gibt es endlich eine Lösung des Problems: Durch die Schließung einer Hausarztpraxis in Schlangen im Jahr 2017 mussten plötzlich 900 Kinder einen neuen Arzt suchen. Auch Patienten aus Paderborn waren dort in Behandlung. Durch die Praxisschließung entstand ein Engpass, einige Ärzte nahmen keine weiteren Patienten auf und die Eltern beklagten weitere Fahrzeiten.

Sonderbedarf erkannt

Die Kassenärztliche Vereinigung hat inzwischen den Bedarf und sogar einen Sonderbedarf anerkannt und für den Kreis Paderborn drei zusätzliche Kinderarztsitze bewilligt. Wie diese Sitze auf das Kreisgebiet und die unterschiedlichen Praxen aufgeteilt werden sollen, das war lange Zeit unter den Medizinern strittig. Es gab Entscheidungen auf verschiedensten Ebenen, die jedoch angefochten wurden.

Jetzt gibt es endlich eine einvernehmliche Lösung, berichtete Dr. Ulrich Polenz, Chef der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung in den Kreisen Paderborn und Höxter, auf WV-Anfrage.

Beispiel Borchen: Dort waren im Jahr 2018 fast 400 Unterschriften von Eltern mit insgesamt 800 Kindern gesammelt worden, die eine wohnortnahe Versorgung durch einen Kinderarzt gefordert hatten. Der Protest hat nun Erfolg: Jetzt gibt es von der Kassenärztlichen Vereinigung einen Dreiviertel-Sitz, der Dr. Silke Zilles zugeschlagen worden ist. Die Praxis besteht schon seit Dezember 2016. Die Ärztin konnte bislang aber nur privatversicherte Kinder behandeln, weil der erforderliche Sitz durch die Kassenärztliche Vereinigung fehlte, erläuterte der Mediziner. In Bad Wünnenberg hat zudem die Hausarztpraxis Dr. Bandorski einen halben Kinderarzt-Sitz erhalten. Damit sei es dort möglich, so Dr. Polenz, einen neuen Kinderarzt anzustellen.

Zwei weitere halbe Sitze gehen an Daniela Seibel sowie Dr. Thomas Lehmler in der Kinderarztgemeinschaftspraxis in Salzkotten. Auch in Büren gibt es einen Stellenzuwachs um eine halbe Stelle für Dr. Nicole Horstkemper. Um einen Viertelsitz wurde die Kinderarztpraxis Dr. Michalowski und Dr. Dick erweitert. „Dort gab es bislang zwei volle und einen Viertelsitz. Mit dem nun halben Sitz können sie einen weiteren Kollegen oder eine Kollegin aufnehmen“, erläutert Polenz.

Wir haben nun keine Unterversorgung mehr.

Daniela Seibel

Die Salzkottener Kinderärztin Daniela Seibel ist zufrieden mit der Entscheidung. „Wir haben im Kreis Paderborn nun keine Unterversorgung mehr“, stellte sie fest. Auch die Verteilung der Kinderarztsitze haben man so im Sinne der Patienten verbessern können. Allerdings sei die Situation vorher auch nicht hoffnungslos gewesen. „In anderen Städten ist es deutlich dramatischer als bei uns“, meint die Ärztin.

Und was ist mit Schlangen? Laut Ulrich Polenz habe es für die Schließung der Hausarztpraxis keinen Ersatz gegeben. Für betroffene Eltern befinde sich die nächste Kinderarztpraxis in Bad Lippspringe.

Grundsätzlich sei es so, dass Eltern sehr oft sehr konkrete Wünsche und Vorstellungen hätten, aber oft auch sehr verunsichert seien, wenn es um ihre Kinder gehe. Das spüre man besonders im Notdienst, der im Winterhalbjahr sehr stark ausgelastet sei. Zwischen 9 und 21 Uhr sehe ein Kinderarzt zwischen 100 und 120 Jungen und Mädchen mit mehr oder weniger drängenden Problemen. „Im Sommer sind es inzwischen auch acht bis zehn Kinder pro Stunde. Das sind nicht alles Notfälle: der Insektenstich seit drei Tagen, die Pickelchen seit drei Tagen oder die Bauchschmerzen seit neun Jahren sind dabei. Da ist man sehr unter Druck, wenn man 50 Lappalien abarbeitet und dann den Ernstfall erkennen muss.“

Viele Eltern verunsichert

Der Kinder-Notdienst sei deswegen so stark gefragt, weil viele Eltern verunsichert seien, sagt Polenz. „In vielen Fällen fehlen die Großeltern, die Erfahrung mit Kinderkrankheiten haben. Dann gibt es die jungen Mütter, die im Internet Symptome und Krankheiten entdecken, die Angst machen.“ Und dann gebe es auch Eltern, denen mitunter die medizinischen Zusammenhänge nicht bekannt seien. „In der Notarztpraxis muss man schon sehr konzentriert arbeiten“, fasst Dr. Ulrich Polenz zusammen.

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