Geldtransporter-Prozess: Nebenkläger belastet Angeklagte vor Paderborner Landgericht schwer
Fahrer identifiziert Schreckschusspistole

Paderborn (WB). Die Beweisaufnahme im Geldtransporter-Prozess ist fortgesetzt worden. Der Fahrer des Sicherheitsdienstes hat am Freitag vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts die Angeklagten schwer belastet.

Freitag, 18.09.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 21.09.2020, 09:52 Uhr
Der Prozess um den Geldtransporter-Überfall ist vorm Landgericht Paderborn mit einer Zeugenaussage fortgesetzt worden. Foto: Jörn Hannemann
Der Prozess um den Geldtransporter-Überfall ist vorm Landgericht Paderborn mit einer Zeugenaussage fortgesetzt worden. Foto: Jörn Hannemann

Die drei Angeklagten – ein Guineer (23), ein in Paderborn geborener Türke (27) und ein Syrer (26) –sollen am Morgen des 28. Februar 2020 den Geldtransporter eines Sicherheitsdienstes im Parkhaus Neuhäuser Tor ausgeraubt und circa 5500 Euro erbeutet haben.

War eine Pistole im Spiel?

Die Tatverdächtigen haben ihre Beteiligung am Überfall bereits zugegeben, wollen aber – anders als der Fahrer (21) behauptet – diesen nicht mit einer Schreckschusspistole bedroht haben. Dieser Sachverhalt ist ein für den Prozess signifikantes Detail. War eine Pistole im Spiel, wäre es schwerer Raub, war sie es nicht und der Fahrer wäre in die Sache eingeweiht gewesen, wäre es ein Diebstahl. Entsprechend geringer würde dann auch die Strafe ausfallen.

In der fast dreistündigen Anhörung belastet der Fahrer sowohl die Angeklagten als auch den vierten potentiellen Mittäter, der bis wenige Wochen vor dem Raub selbst bei dem Sicherheitsdienst gearbeitet hatte, schwer.

Waffe und Mittäter

Nach der Tat sollen die Angeklagten dem Fahrer aufgefordert haben, seine Aussage mit einer Waffe bedroht worden zu sein, bei der Polizei zurückzunehmen. Andernfalls würden sie seiner Familie etwas Antun. Sie sollen bei mehreren Treffen den Nebenkläger immer wieder unter Druck gesetzt haben. Der Fahrer hat angegeben, aus Angst vor den Tätern bei der Polizei zunächst eine falsche Aussage gemacht und die Waffe verschwiegen zu haben. Dies revidierte er vor Gericht.

Er bestätigt, während der Tat von dem 23-jährigen Guineer mit der Schreckschusspistole bedroht worden zu sein. Die sichergestellte Waffe konnte der Fahrer in der Sitzung identifizieren.

Zudem distanzierte er sich vom Vorwurf der Angeklagten, an der Tat als Mitwisser beteiligt gewesen zu sein. Die Tatverdächtigen hatten zuvor angegeben, dass der Fahrer ihnen die hintere Tür des Geldtransporters geöffnet habe. Laut des Fahrers sei das dies allerdings technisch gar nicht möglich. „Ich kann mit dem Knopf am Fenster die Tür nur schließen.“

Der 21-Jährige habe nach eigenen Angaben bis heute psychisch mit der Tat und insbesondere den darauf folgenden Bedrohungen zu kämpfen. Bei ihm soll eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert worden sein, und er gab an, sich in psychotherapeutische Behandlung begeben zu haben.

Der Prozess wird voraussichtlich am Samstag, 28. September, weiter fortgesetzt.

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