Serie über Kampagne der Wasserpartner im Kreis – Bürger sollen sensibilisiert werden
Zeit umzudenken

Paderborn (WB). 16.922.359 – so viele Kubikmeter Trinkwasser verbrauchen die Menschen im Kreis Paderborn durchschnittlich in einem Jahr: zum Trinken, Duschen und Waschen, beim Toilettengang und Rasensprengen. Das Wasser wird aus Tiefenbrunnen und aus der Aabachtalsperre in die Leitungen eingespeist. Doch die Ressource Trinkwasser steht nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Donnerstag, 24.09.2020, 06:00 Uhr
Wasser ist das Lebensmittel Nummer eins. Wie selbstverständlich steht es uns zur Verfügung. Klimawandel und Niederschlagsdefizite stellen in Zukunft die Wasserversorger jedoch vor neue und große Herausforderungen. Foto: Wasserwerk Paderborn
Wasser ist das Lebensmittel Nummer eins. Wie selbstverständlich steht es uns zur Verfügung. Klimawandel und Niederschlagsdefizite stellen in Zukunft die Wasserversorger jedoch vor neue und große Herausforderungen. Foto: Wasserwerk Paderborn

Die Wasserpartner im Kreis Paderborn – das sind die Städte und Gemeinden – haben daher bereits 2018 die Kampagne „Unser Wasser – auch für die Zukunft ?!“ gestartet. Damit wollen sie die Verbraucher für das Thema Trinkwasser sensibilisieren und zu einem wertschätzenden Umgang mit dem Lebensmittel Nummer eins aufrufen. Das WESTFÄLISCHE-VOLKSBLATT unterstützt die Kampagne in einer Serie. Zum Auftakt informieren die Wasserpartner darüber, wie es um unser Trinkwasser bestellt ist, und welche Ziele sie mit der Kampagne verfolgen.

Niederschlagsdefizit seit 2008

„Für eine gesicherte Versorgung mit Trinkwasser sind verlässliche und ausreichende Niederschläge während der Vegetationsruhe in den Wintermonaten von Oktober bis März erforderlich“, sagt Michael Bernemann, Prokurist der Wasserwerke Paderborn, „hier zeigt sich, dass es seit dem Jahr 2008 im Paderborner Raum jedes Jahr ein Niederschlagsdefizit gegeben hat; lediglich das Jahr 2017 bildete eine Ausnahme.“ Konkret bedeute das, dass pro Jahr weniger Niederschlag gefallen sei als im langjährigen Mittel. Summiere man die jährlichen Defizite auf, so fehlten inzwischen mehr als ein mittlerer Jahresniederschlag von 1.300 Millimetern.

„Bei uns muss zwar niemand verdursten, doch es ist Zeit, Denkweisen zu ändern“, stellt Christoph Wittler, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters in Bad Wünnenberg, klar. In der Kampagne, in der er sich mit Daniel Rohring von den Wasserwerken Paderborn engagiert, gehe es nicht darum zu dramatisieren, sondern zu sensibilisieren. Den Bürgern soll veranschaulicht werden, dass die Wasserversorgung aufgrund des Klimawandels eine große Herausforderung ist. Denn die Bedingungen hätten sich verschoben.

„Gerade in den Sommermonaten, wenn uns das Wasser fehlt, registrieren wir gleichzeitig einen erhöhten Verbrauch etwa für die Pools im Garten oder das Rasensprengen“, so Wittler. Manche Gartenpools fassten 20 Kubikmeter Wasser, das sind 20.000 Liter. Die Aufzeichnungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass sich der Niederschlag insgesamt vom Sommer in den Winter verschiebt – es gibt also ausgerechnet dann zu wenig Regen, wenn es heiß ist und ohnehin mehr Wasser gebraucht wird als sonst.

Auch wenn es nach langer Trockenheit schlagartig zu heftigen Niederschlägen komme, könne der ausgetrocknete Boden das Wasser nicht aufnehmen, die Vegetation nicht versorgen, die Grundwasserstände nicht füllen. Der Sommer gehe zwar zu Ende, Entwarnung könne es daher aber nicht geben. „Wir hoffen jetzt, dass es regnet, damit sich die Speicher wieder auffüllen“, so Wittler.

Rohring: neue Bewirtschaftungskonzepte

„Weil sich die Verfügbarkeit des Wassers verändert, müssen wir über Bewirtschaftungskonzepte nachdenken, etwa wie wir das Wasser anders aufteilen“, ergänzt Daniel Rohring. Im Verbund der Wasserpartner helfe man sich untereinander. Über die Vernetzung der Kommunen sei es möglich, die Kontingente flexibel einzusetzen. Das sei derzeit noch ein Frage des Geldes. Im schlimmsten Fall aber, wenn die Talsperre leer und der Grundwasserspiegel abgesunken sei, gebe es vielleicht nichts mehr zu verteilen.

Über den Preis wollen die Wasserpartner den sorgsamen Umgang mit dem Lebensmittel nicht regulieren. „Wasser muss allen zur Verfügung stehen und darf nicht zu teuer sein“, sagt Wittler. Vielmehr werben die Wasserexperten in ihrer Kampagne für eine Wertschätzung und einen sinnvollen Umgang mit dem Trinkwasser. Jeder sollte versuchen, nach seinen Möglichkeiten Trinkwasser zu schonen und zu schützen. „Wir wollen zeigen, dass Trinkwasser kein Selbstverständnis ist“, so Daniel Rohring. In einem nächsten Schritt Anfang Oktober gehen die Wasserpartner mit ihrer Kampagne in die Grundschulen.

In der WV-Serie wird es in den nächsten Folgen unter anderem um die Auswirkungen des Wassermangels auf den Wald und die Qualität unseres Wasser gehen. Außerdem wollen wir zeigen, wie ein Tag ohne Wasser aussieht und wie jeder Wasser sparen kann, ohne auf Hygiene und Komfort zu verzichten.

Kommentare

Tytoalba  schrieb: 24.09.2020 18:28
Wenn das mal so einfach wäre...
... mit dem Wasser. Da regnet es mittlerweile recht wenig. Aber zum Blumengießen, Rasensprengen etc. muss(!) ich das Wasser Leitung entnehmen. Sauberes, oft aufbereitetes Wasser. Klar, es gibt Leute, die setzen einen Behälter an ein Ablaufrohr des Daches, um das Regenwasser aufzufangen. Denn auch damit kann man Pflanzen bewässern.
An darf es aber nicht so ohne weiteres! Denn: "Grundsätzlich ist das Versickern von Regenwasser in das Grundwasser erlaubnispflichtig da dies eine Benutzung eines Gewässers darstellt. (§§ 2 und 3 des Wasserhaushaltgesetzes –WHG-)
D.h. um das auf einem Grundstück anfallende Regenwasser in das Grundwasser versickern zu dürfen ist eine wasserrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Wasserbehörde (Amt 66) des Kreises Paderborn zu beantragen.
Eine weitere Vorraussetzung ist, dass die zuständige Stadt/ Gemeinde dieser Versickerung zustimmen muss. (Grundsätzlich besteht nämlich die Pflicht des Bürgers, dass auf seinem Grundstück anfallende Niederschlagswasser dem Abwasserbeseitigungspflichtigen (hier Stadt/ Gemeinde) zu überlassen (Überlassungspflicht)). Um versickern zu dürfen muss sich der Antragsteller von dieser Pflicht durch die Stadt/ Gemeinde befreien lassen. Der Antrag auf Freistellung von der Überlassungspflicht ist bei der Stadt/ Gemeinde zu stellen." kann man auf der Seite des Kreises Paderborn nachlesen.
Das bedeutet: Wenn es auf meinen Rasen regnet und das Regenwasser versickert, ist das in Ordnung. Wenn ich darauf einen Stall baue und dessen Dachablaufwasser nutzen möchte - also das Wasser, was letztens noch in den Boden ging, dass bedarf es dazu einer Genehmigung. Selbst wenn ich es einfach neben dem Stall in meinen Blumenbeeten versickern lassen möchte. Denn JETZT muss das Regenwasser BESEITIGT werden. Wenn ich das machen will, brauche ich die Genehmigung! Das "Niederschlagswasser", was noch kürzlich in meinem Rasen versickerte gehört nun, da ein Dach es an der direkten Versickerung hindert, dem "Abwasserbeseitigungspflichtigen", also der Stadt. Denn "grundsätzlich ist das Versickern von Regenwasser in das Grundwasser erlaubnispflichtig ..."
Geht's blöder?
Flo  schrieb: 24.09.2020 12:51
Wo fängt es an
Der Industrie kann da eh nicht einhalt geboten werden, weniger konsum wird nicht wirklich was verändern. Eher müsste man sich gedanken machen wo jeder für sich sparen kann, also da wo es wirklich nicht nötig ist. Da denke ich z.B. an des deutschen Mannes heiliges Lieblingsspielzeug... das AUTO. Der Zwang jeden Tag eine glänzende sich spiegelnde Oberfläche zu präsentieren sieht zwar schön aus, ist aber nicht nötig ausser für Poser, Protzer und die höheren 10%. Also anstatt z.B jeden Tag in die Waschstraße zu fahren oder den Gartenschlauch an den Kran anzuschließen, einfach Regenwasser dafür verwenden. Möglichkeiten das aufzufangen und zu speichern gibt es genug. Ich habe selbst keinen festen Parkplatz, keinen Garten und keine Möglichkeit Regenwasser zu sammeln, muss als Anwohner manchmal den verhassten Parkplatz unter verschiedenen Bäumen nehmen und darf mich dann darüber freuen, dass 1-2 Tage später alles zugeschiessen ist. Dann fahre ich aber nicht in die Waschstraße, sondern nehme einen Schwamm und verbrauche dabei vielleicht 1-3L Trinkwasser und nicht 100+ .
Gerd  schrieb: 24.09.2020 09:49
Schwachsinn
"Manche Gartenpools fassten 20 Kubikmeter Wasser, das sind 20.000 Liter"

Ja, dass mag richtig sein aber ein Pool oder das tägliche Duschen usw. sind keine Gründe für die Knappheit von Trinkwasser. Vielmehr Schuld ist die Tierzucht bzw. die Landwirte. Für ein Kilo Rindfleisch werden beispielsweise ca. 15.000 Liter Wasser benötigt also ca. ein großer Pool. Ob weniger Duschen (ca. 150 Liter) wirklich etwas bringen halte ich für Schwachsinn.
Vielmehr sollte man sich überlegen ob es sich wirklich lohnt, für ein Stück Discounterfleisch, soviel Trinkwasser zu nutzen.
3 Kommentare
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