Rohbau für 18-Millionen-Euro-Gebäude fertiggestellt – Universität Paderborn will in Spitzenforschung
Hier zieht Paderborns Superrechner ein

Paderborn (WB). Zehn Millionen Euro soll er kosten und die Universität Paderborn in die erste Liga der computergestützten Spitzenforschung katapultieren: der neue Superrechner Noctua, was Latein ist und Nachteule bedeutet. Für den Hochleistungscomputer wird seit gut einem Jahr für 18 Millionen Euro am Mersinweg ein neues Rechenzentrum gebaut. Am Montag wurde der Rohbau der Öffentlichkeit vorgestellt, denn ein eigentlich geplantes Richtfest musste coronabedingt ausfallen.

Dienstag, 29.09.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 03:02 Uhr
Blick in das Herzstück des neuen Forschungsgebäudes: In diesem 340 Quadratmeter großen Rechnersaal in der Mitte des Gebäudes wird der Hochleistungscomputer eingebaut. Foto: Oliver Schwabe
Blick in das Herzstück des neuen Forschungsgebäudes: In diesem 340 Quadratmeter großen Rechnersaal in der Mitte des Gebäudes wird der Hochleistungscomputer eingebaut. Foto: Oliver Schwabe

„Für die Universität ist dieser Bau ein Meilenstein“, sagt Uni-Vizepräsidentin Simone Probst. Mit dem neuen Rechenzentrum und der zweiten Ausbaustufe des Noctua-Rechners könne die Uni es schaffen, weltweit eine Vorreiterrolle im Bereich effizienter und innovativer High-Performance-Computing-Systeme einzunehmen. „Wir können uns damit in der internationalen Spitzenforschung noch besser positionieren. Wir werden noch attraktiver für Wissenschaftler – auch international“, sagt Probst.

Das insgesamt 2500 Quadratmeter große zweigeschossige Forschungsgebäude besteht im Kern aus einem 340 Quadratmeter großen Rechnersaal, der sechs Meter hoch ist. Dort werden künftig der Hochleistungsrechner sowie dessen mögliche Ausbaustufen eingebaut. Außer dem Rechnerraum entsteht ein Bürobereich mit Arbeitsplätzen und einer IT-Werkstatt für die Mitarbeiter des Paderborner Centers for Parallel Computing (PC2) sowie Besprechungs-, Labor- und Schulungsräume. „Eine Besonderheit ist die extrem leistungsstarke und gleichzeitig stromsparende Kühlanlage mit mehr als zwei Megawatt Leistung“, erklärt Diplom-Ingenieur Sascha Peters vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), der für den Bau des Gebäudes verantwortlich ist. Die Kühlung des Supercomputers sei die größte Herausforderung, denn der Computer müsse stets im optimalen Temperaturbereich arbeiten.

Professor Christian Plessl (von links), Uni-Vizepräsidentin Simone Probst und Wolfgang Feldmann, Leiter der Bielefelder BLB-Niederlassung, freuen sich über die Baufortschritte.

Professor Christian Plessl (von links), Uni-Vizepräsidentin Simone Probst und Wolfgang Feldmann, Leiter der Bielefelder BLB-Niederlassung, freuen sich über die Baufortschritte. Foto: Oliver Schwabe

Professor Christian Plessl, Vorstandsvorsitzender des Centers for Parallel Computing: „Die Kühlung von Hochleistungsrechnern ist technisch aufwendig. Sie bietet aber auch ein hohes Potential für Energieeinsparung. Im neuen Rechenzentrum wird im Vergleich zum bisherigen Stand nur noch ein Drittel der zuvor eingesetzten Energie für die Kühlung benötigt.“ Möglich gemacht werde das durch eine Wasserkühlung. „Das Wasser hat zu Beginn eine Temperatur von 35 Grad. Und wenn es nach oben kommt 45 Grad“, sagt Plessl. Auf dem Dach gibt das Wasser die Wärme an die Umgebung ab. Zusätzlich verfügt das Rechenzentrum auch über Kühlaggregate. Im Winter soll die Abwärme zum Heizen von Gebäuden auf dem Uni-Campus genutzt werden.

Ein aktueller Schwerpunkt der Forschung an der Uni Paderborn ist nach eigenen Angaben die Entwicklung neuer Materialien zur Erzeugung von Wasserstoff durch Wasserspaltung mit Sonnenlicht, die sogenannte Photokatalyse. Der Hochleistungsrechner soll für diese Anwendung als virtuelles Mikroskop verwendet werden. Mit Hilfe einer Computersimulation sei es gelungen, den Wirkungsgrad der Wasserspaltung auf Rekordwerte zu steigern und den zeitlichen Ablauf der chemischen Reaktionen auf der Ebene von Atomen zu verstehen und weiter zu optimieren. Wie Chemie-Professor Thomas Kühne erläutert, solle der Superrechner möglichst von vielen Fakultäten genutzt werden, „um Probleme zu lösen, die ohne einen Computer nicht mehr zu lösen“ seien. Mit Noctua solle etwa im Bereich Nachhaltigkeit zur Bindung von CO 2 geforscht werden. In diesem Zusammenhang gehe es auch darum, aus dem Prozess in einer Rückwärtsreaktion wieder Energie zu gewinnen, sagt Kühne. Der Supercomputer solle aber nicht nur für Paderborner Forscher zur Verfügung stehen, sondern für Forschungsprojekte bundesweit.

Architektin Silke Grote zeigt auf eine Visualisierung des Rechenzentrums. Das 18 ­Millionen Euro teure Gebäude wird mit einer anthrazit-farbenen Alu-Cobond-Fassade verkleidet. Die Baukosten teilen sich Bund und Land. 10,5 Millionen Euro übernimmt das Land, den Rest steuert der Bund bei.

Architektin Silke Grote zeigt auf eine Visualisierung des Rechenzentrums. Das 18 ­Millionen Euro teure Gebäude wird mit einer anthrazit-farbenen Alu-Cobond-Fassade verkleidet. Die Baukosten teilen sich Bund und Land. 10,5 Millionen Euro übernimmt das Land, den Rest steuert der Bund bei. Foto: Oliver Schwabe

Spätestens im Herbst 2021 soll der Superrechner in das dann fertiggestellte Gebäude einziehen. Bestellt worden ist er noch nicht. Die Verantwortlichen wollen den dafür spätmöglichsten Zeitpunkt abwarten, um sicherzustellen, dass das aktuellste und leistungsstärkste System verbaut wird. Die erste Phase des Noctua-Systems war 2018 im Gebäude O am Pohlweg in Betrieb genommen worden. Professor Plessl geht davon aus, dass die Module im neuen Rechenzentrum alle drei Jahre erneuert werden müssen. Derzeit sind drei Module vorgesehen, zwei sollen genutzt werden, eines bleibt vorerst leer und soll für die Nachrüstung verwendet werden. So soll sichergestellt werden, dass die Systeme bei laufendem Betrieb erneuert werden können.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7607371?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
41 Bewohner positiv getestet
41 Bewohner und 15 Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheimes Jordanquelle in Bad Lippspringe sind bis Montag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Heimleitung steht nach eigenen Angaben in ständigem Austausch mit dem Gesundheitsamt. Foto: Oliver Schwabe
Nachrichten-Ticker