Geldtransporter-Prozess in Paderborn: 21-Jähriger soll unter Folgen leiden – als Mitwisser beschuldigt
Welche Rolle spielte der Fahrer?

Paderborn (WB). Die Beweisaufnahme im Geldtransporter-Prozess stellt sich weiter als komplex dar: Insgesamt acht Zeugen hat das Landgericht Paderborn am Montag vorgeladen, um weitere Erkenntnisse zum Raubüberfall im Parkhaus Neuhäuser Tor zu gewinnen. Im Fokus der rund vierstündigen Anhörung stand der 21-jährige Fahrer des Geldtransporters. Und das, obwohl er überhaupt nicht anwesend war.

Dienstag, 29.09.2020, 03:10 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 04:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

So wollte das Gericht vom Geschäftsführer des überfallenen ­Sicherheitsdienstes wissen, ob der Fahrer nach dem Überfall lange ausgefallen sei. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er sich hat krankschreiben lassen“, sagte der Chef des Sicherheitsdienstes. Der Fahrer ist auch heute noch für das Unternehmen tätig. Der 21-jährige Mann habe nach eigenen Angaben bis heute mit psychischen Problemen zu kämpfen, bei ihm soll eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert worden sein. Zudem ließ sich das Gericht erklären, wie der Sicherheitsdienst standardmäßig die Geldautomaten von Parkhäusern entleert.

Fahrer als Mit­wisser beschuldigt

Mehr Auskünfte zum Fahrer konnte eine Polizeibeamtin machen, die nach der Tat am 28. Februar dieses Jahres mit dem überfallenen Mitarbeiter sprach. Sie beschrieb den Mann als aufgewühlt, erschrocken und blass im Gesicht, so dass ein Rettungswagen zum Parkhaus gerufen wurde. „Er hat mir berichtet, dass er mit einer Pistole bedroht worden sei, und beschrieb mir die Tatverdächtigen“, gab die Beamtin zu Protokoll. Das Gericht versuchte, mehr über den psychischen Zustand des Fahrers herauszufinden, da er von den drei Angeklagten als Mit­wisser beschuldigt wird.

Die Tatverdächtigen haben ihre Beteiligung am Überfall bereits zugegeben, bestreiten aber, den Fahrer mit einer Schreckschusspistole bedroht zu haben. Geklärt werden konnte dieser Sachverhalt am Montag nicht. Dafür kamen neue Details zur vermeintlichen Tatwaffe zum Vorschein. Dabei handele es sich laut einem Waffenexperten der Polizei um eine Schreckschusspistole (acht Millimeter), die nicht scharf gemacht worden sei und keine Besonderheiten aufgewiesen habe. „Auf kurze Distanz ist das dennoch eine gefährliche Waffe“, sagte der Polizist.

Schreckschusspistole auf dem Schreibtisch

Drei weitere Polizisten berichteten von ihren Hausdurchsuchungen bei den Beschuldigten. Bei einem Angeklagten sei die Schreckschusspistole auf dem Schreibtisch gefunden worden, sie sei nicht versteckt gewesen, sagte ein Polizist. Ein anderer Beamter fand 141 Fünf-Euro-Scheine bei einer Zimmerdurchsuchung, die Teil der Beute sind. Die drei Angeklagten – ein Guineer (23), ein in Paderborn geborener Türke (27) und ein Syrer (26) – sollen etwa 5500 Euro erbeutet haben.

Der Prozess wird am Freitag, 2. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.

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