Spontan geht nicht mehr: Zulassungs- und Führerscheinstelle in Paderborn arbeiten nur mit Terminen
Das Warten im Amt hat ein Ende

Paderborn (WB). Wer als Privatperson beim Kreis Paderborn sein Auto, Motorrad oder Wohnmobil um- oder abmelden oder neu zulassen will, muss einen Termin haben. Das gilt auch für alle Führerscheinangelegenheiten. Die Terminvergabe erfolgt per Internet oder telefonisch. Spontane Besuche in dem Behördenhaus an der Talle sind seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr möglich.

Mittwoch, 30.09.2020, 11:42 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 12:12 Uhr
Jürgen Niggemeyer, Leiter des Straßenverkehrsamts Paderborn, und die stellvertretende Sachgebietsleiterin Jaqueline Titz erläutern die neue Terminvergabe. Sie funktioniert per Internet, App und weiterhin auch telefonisch. Foto: Ingo Schmitz
Jürgen Niggemeyer, Leiter des Straßenverkehrsamts Paderborn, und die stellvertretende Sachgebietsleiterin Jaqueline Titz erläutern die neue Terminvergabe. Sie funktioniert per Internet, App und weiterhin auch telefonisch. Foto: Ingo Schmitz

Noch vor einigen Monaten warteten zu Spitzenzeiten 40 und mehr Bürger im Straßenverkehrsamt mit ihren Kennzeichen unter dem Arm auf einen freien Platz bei einem der insgesamt 24 Mitarbeiter. Die Zeiten sind vorbei. „Seit dem 16. März gibt es die gesteuerte Einlassregelung“, berichtet Amtsleiter Jürgen Niggemeyer. Übersetzt heißt das: Jeder muss sich selbst einen Termin buchen.

So funktioniert es

Wer einen Termin für Führerschein- oder Zulassungsstelle benötigt, wird auf der Internetseite des Kreises fündig: Dort gibt es den Button „Online-Terminvergabe StvA“. Auf der nächsten Seite folgt man dem gewünschten Bereich. Unter „Zulassungen“ geht es mit den verschiedenen Rubriken weiter. Wer ein Auto ab- und ein anderes zulassen will bucht die Rubriken „Außerbetriebsetzung“ und „Zulassung/Ummeldung“. Danach werden die nächsten freien Termine angezeigt.

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Zu Beginn der Krise wurden die Termine nur per Mail vergeben. Autohäuser und Zulassungsdienstleister hatten Priorität, Privatkunden kamen nur im Ausnahmefall zum Zug. Das Team sei in zwei Gruppen aufgeteilt worden, die von 6 bis 21 Uhr in zwei Schichten gearbeitet hätten. In sechs Wochen seien 6000 Mails bearbeitet worden, berichtet der Chef.

Am 11. Mai startete dann die Online-Terminvergabe. Gab es zuvor zwei Wochen Wartezeit auf einen Termin, so stieg diese in den Monaten Juni, Juli und August auf 3,5 Wochen an. Wer schneller bedient werden wollte, musste den kostenpflichtigen Service eines Dienstleisters in Anspruch nehmen. Für den Stau beim Straßenverkehrsamt gab es laut Niggemeyer mehrere Gründe. „Das Aufkommen wuchs beträchtlich. Es gab mehrere Krankheitsfälle, hinzu kam die Urlaubszeit. Im Juli spürten wir dann die Folgen der Mehrwertsteuersenkung auf den Automarkt sowie eine Zunahme der E-Autos.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zulassungsstelle arbeiten im Großraumbüro hinter Spuckschutzwänden.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zulassungsstelle arbeiten im Großraumbüro hinter Spuckschutzwänden. Foto: Ingo Schmitz

Die Lastwagen, Busse und Taxis, die zwischenzeitlich abgemeldet waren, wurden wieder zugelassen, erzählt Sachgebietsleiterin Jaqueline Titz. Viel Arbeit machten auch die Sondereintragungen: „Jede neue Plexiglasscheibe in Bus oder Taxi ist eine technische Veränderung, die eingetragen werden muss“, ergänzt sie.

Auch wenn die elektronische Terminvergabe für Privatkunden zwischenzeitlich für Wartezeiten von fast vier Wochen sorgte, hat die Umstellung auf das Terminsystem für die Bürger auch erhebliche Vorteile. Die Wartezeit im Amt vor Ort sei im Durchschnitt auf unter fünf Minuten gesunken. Selten seien es mal 20 Minuten. Trotzdem sei dies kein Vergleich zu früher, wo die Bürger viel Zeit mitbringen mussten: „Vor Corona musste man sich einen halben Tag Urlaub nehmen. Heute kann man den Termin zwischendurch wahrnehmen und hat nach 20 Minuten alles erledigt“, sagt Jürgen Niggemeyer.

 

Und wie sieht es aktuell aus? Eine Stichprobe zeigt: Wer am Dienstag einen Termin für eine Kfz-Abmeldung benötigte, wurde sogar noch tagesaktuell fündig. Die nächsten Zulassungen von Fahrzeugen waren allerdings erst von Montag, 5. Oktober, an möglich. Freie Termine zum Umtausch des alten Führerscheins gab es am Dienstag ebenfalls noch für die laufende Woche.

Die Zahl der Vorgänge in der Zulassungsstelle habe in den vergangenen Wochen massiv zugenommen. Gab es im März 2020 noch 7979 Vorgänge (Vorjahr: 8970), so waren es im Juni 8503 (2019: 7765) sowie im Juli 9783 (2019: 9331).

Wesentlichen Anteil daran hat die generelle Zunahme des Kfz-Bestands. Im Kreis Paderborn sind aktuell 255.636 Fahrzeuge gemeldet – 4000 mehr als im August 2019. Der Anteil der E-Autos wächst langsam, aber stetig. Am 25. August 2020 gab es 1566 reine E-Autos auf den Straßen des Kreises. Stand Dienstag waren es bereits 1704. Hinzu kommen die Hybride: 2543 im August gegenüber 2734 Stand Dienstag. Übrigens: Für die Nutzung der elektronischen Terminvergabe ist ein Erklär-Film in Arbeit. Er soll in Kürze zur Verfügung stehen unter www.kreis-paderborn.de.

Die Wartezeit ist in der Regel kürzer als fünf Minuten.

Die Wartezeit ist in der Regel kürzer als fünf Minuten. Foto: Ingo Schmitz

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