Führender Branchenevent Europas in diesem Jahr nur im Internet
Brettspieler gehen online

Essen/Bielefeld/Paderborn (WB). Überfüllte Messehallen, in denen sich Brett- und Kartenspieler Tisch an Tisch und Stuhl an Stuhl an den Ständen der Verlage und in den Gängen drängeln: Das es dies in Coronazeit nicht geben wird, ist spätestens seit Mitte Mai klar. Immerhin kann die weltgrößte Spielemesse in Essen im Internet stattfinden – im Gegensatz zu vielen kleineren Events, darunter Traditionsveranstaltungen wie ebenfalls im Herbst die Spielewelt in Bielefeld und der Paderborner Spieletag.

Mittwoch, 14.10.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 15.10.2020, 11:38 Uhr
Ein Bild aus der Zeit, als die Spiel in Essen noch „voll analog“ und stationär stattfinden konnte. Foto: Bernhard Hertlein
Ein Bild aus der Zeit, als die Spiel in Essen noch „voll analog“ und stationär stattfinden konnte. Foto: Bernhard Hertlein

Die Spieleverlage sind in einer schwiergen Lage. Zwar gewinnt als Kehrseite der coronabedingten Krise der Veranstaltungsbranche das Spiel in der Familie und im kleinen Freundeskreis an Bedeutung. Doch andererseits fehlt auch den Spieleherstellern der Umsatz aus den Wochen oder Monaten, in denen die Geschäfte nicht nur in Deutschland geschlossen waren. Vor allem kleine Verlage, von denen es in der Branche viele gibt, haben aktuell keine Bühne, um ihre Neuheiten vorzustellen.

„Siedler von Catan“ feiert gerade seinen 25. Geburtstag. Mit über 30 Millionen Exemplaren ist es nach Monopoly das zweitmeistverkaufte Spiel.

„Siedler von Catan“ feiert gerade seinen 25. Geburtstag. Mit über 30 Millionen Exemplaren ist es nach Monopoly das zweitmeistverkaufte Spiel. Foto: dpa

Ob die Spiel Digital in diesem Jahr auch so viele Spieler anlocken wird die stationäre Spiel 2019 in den Essener Messehallen, nämlich mehr als 200.000, ist natürlich offen. Immerhin ist sie barrierefrei, das heißt auch: Sie kostet keinen Eintritt. Damit nimmt die Veranstalterin, der Friedhelm Merz Verlag in Bonn, nach Angaben der Geschäftsführerin Dominique Metzler in Kauf, dass die Messe vom 22. bis 25. Oktober ein Minus-Geschäft wird. Immerhin: eine digitale Spendenbox kann das Loch noch verkleinern. Zudem bleibt die Plattform nach der Messe erhalten, zumindest bis 31. Dezember. Auch seien die hohen Einmalkosten selbst dann nicht umsonst, wenn die Messe 2021, was Metzler hofft, wieder stationär in Essen stattfinden kann. Denn dann werde sie mit Sicherheit hybrid sein – schon um den deutlich höheren Anteil internationaler Verlage, dem die Kosten bisher zu hoch waren, bei der Stange zu halten.

Live-Events und Gelegenheim zum Spielen

Mehr als 400 Aussteller machen 2020 mit, im Vorjahr waren es 450. Zahlreiche Live-Events sind geplant, Präsentationen neuer Spiele, Interviews, Workshops, aber auch auf der Plattform „Tabletopia“ das gemeinsame Ausprobieren und Spielen. Und natürlich wird es auch Verkaufsstände geben, nur eben diesmal online.

Auch wenn die Spiel nicht die erste digitale Messe ist inklusive der Computerspielmesse Games­com: Für Metzler und ihr kleines Organisationsteam ist die digitale Spiel eine Riesenherausforderung. „So viel Stress hatte ich in 30 Jahren nie zuvor.” Am 19. Mai begannen die Vorbereitungen. Zunächst mussten Metzler und ihr Sohn Max, die „treibende Kraft hinter der Spiel digital“, eine IT-Firma ausfindig machen, die die Plattform erstellt. Seitdem müssen die digitalen Angebote der Verlage, „die alle unterschiedliches Wissen und unterschiedliche technische Voraussetzungen mitbringen“, mit den Anforderungen der Plattform in Einklang gebracht werden. Metzler: „Ohne den Druck der Pandemie wären dafür noch viele Jahre ins Land gegangen.“

Ausgezeichnete Spiele

Am Vorabend der „Spiel“ in Essen wird der Deutsche Spielepreis vergeben. Dabei handelt es sich um einen Publikumspreis. Die Abstimmung im Internet läuft (Zugang über die Webseite der Messe). Bereits stattgefunden hat die Vergabe des Jurypreises „Spiel des Jahres“. Gewonnen hat „Pictures“ (PD-Verlag), ein bildhaftes Kreativspiel für 3 bis 5 Personen ab 8 Jahren. Die Vielspieler-Auszeichnung „Kennerspiel des Jahres“ ging an die kooperative Weltraumreise „Die Crew reist gemeinsam zum 9. Planeten“ des Kosmos-Verlages. Beim „Kinderspiel des Jahres“ gewann „Speedy Roll“ (Lifestyle Boardgames und Piat­nik), ein spannendes Wettrollen für 1 bis 4 Kinder ab 4.

Und hier geht es zur Website: www.spiel.digital

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