Christoph Rüther (CDU) wird Chef im Kreishaus – eine Homestory
Fit fürs Landrats-Amt

Paderborn/Fürstenberg  (WB). 68.636 Wahlberechtigte im Kreis Paderborn haben am 13. September Christoph Rüther (CDU) ihre Stimme gegeben. Mit 53,45 Prozent schaffte der Fürstenberger gegen sieben Konkurrenten den Sprung ins Kreishaus. Am 2. November wird er dort in das Amt des Landrats verpflichtet. Doch wer ist Christoph Rüther? Wie lebt er, was hat er für Hobbys? Ein Treffen mit ihm in seinem Heimatort.

Samstag, 17.10.2020, 08:00 Uhr
Körperliche Fitness gehört für Christoph Rüther dazu. An der Aabachtalsperre läuft er, um den Kopf frei zu bekommen. Foto: Ingo Schmitz
Körperliche Fitness gehört für Christoph Rüther dazu. An der Aabachtalsperre läuft er, um den Kopf frei zu bekommen. Foto: Ingo Schmitz

Eines muss man ihm lassen: Christoph Rüther gibt gerne den Takt an. Und nicht nur er. Auch seine Töchter Birte (14) und Frauke (18). „Wir sind ein musikalisches Haus“, sagt der leidenschaftliche Schlagzeuger. Die Töchter spielen Querflöte und Saxophon. Und auch ein Klavier gibt es. Und was wird gespielt? Highway to Hell? „Ja, auch. Aber auch Orchestermusik“, sagt der 55-Jährige, der auch die Musik der Kult-Band Queen mag.

Schlagzeug im Arbeitszimmer

Das elektronische Schlagzeug steht in seinem Arbeitszimmer. „Home is, where my family is“, ist auf einem Schild an der Tür zu lesen. „Ein Geschenk meiner Frau Margaret. Ein Signal, dass ich gerne wieder nach Hause komme“, sagt er und schmunzelt. Vom Arbeitszimmer aus hat er einen weiten Blick ins Tal. Diesen Ausblick hatte er in den vergangenen Monaten öfter, als ihm lieb war. Als Bürgermeister der Stadt Bad Wünnenberg war zwangsläufig auch er im Homeoffice. So oft zuhause zu sein, das sind Frau und Kinder eigentlich nicht gewohnt. Fast 16 Jahre lang führte das Paar wegen seiner Tätigkeit bei der Telekom eine Wochenendehe. Das änderte sich erst, als Rüther Bürgermeister wurde.

Schon früh wurde ihm Führungsverantwortung zugetraut. Mit Mitte 20 war er Telekom-Filialleiter am Paderborner Königsplatz und übernahm danach die Vertriebssteuerung in Dresden mit Zuständigkeit für die Region Dresden, Magdeburg, Cottbus und Halle. „Beim Elbehochwasser 2002 blieben auch die Telekom-Shops nicht verschont. Wir haben mit den bloßen Händen die Handys aus dem öligen Wasser gezogen und in Container geschmissen. Anschließend haben wir den Menschen, die von der Kommunikation abgeschnitten waren, neue Handys geschenkt“, erinnert er sich an kräftezehrende Wochen.

Von Dresden ging es nach Bonn als Leiter der zentralen Vertriebssteuerung. Die nächste Station war Bielefeld als Mitglied der Geschäftsführung. Danach wurde er in Hannover Leiter der Kundenbindung mit Teams in Hannover, Dortmund, Chemnitz und Kempten. Dort war er für 1300 Mitarbeiter zuständig, stellte 90 Leute pro Jahr ein. „Damals habe ich den Airport Paderborn-Lippstadt schätzen gelernt: Alle 14 Tage flog ich morgens nach München. Dann ging es weiter mit dem Leihwagen nach Kempten und abends mit der letzten Maschine wieder zurück.“

Von Paderborns Bürgermeister Michael Dreier angesprochen

Rüther, als Schützenoberst von Fürstenberg über den Ort hinaus bekannt, sei damals von Paderborns Bürgermeister Michael Dreier angesprochen worden, ob er nicht in die Politik gehen wolle. „Ich war Mitglied in der CDU und habe mich 2014 für den Stadtrat in Bad Wünnenberg aufstellen lassen“, erzählt Rüther. Sofort wurde er zum Fraktionschef gewählt und ein Jahr später kandidierte er als Bürgermeister. Der Coup gelang: Rüther bekam sensationelle 76,7 Prozent und wurde Bürgermeister seiner Heimatkommune.

Das ständige Leben unterwegs war vorbei, von 1300 Mitarbeitern ging es allerdings zurück auf 240. „Wobei der Großteil Erzieherinnen in den zehn Kitas der Stadt Bad Wünnenberg sind. Zur Kernverwaltung gehören 35 Mitarbeiter sowie 16 zum Bauhof“, erläutert er. Um alle Bereiche der Verwaltung kennen zu lernen, habe er mitgearbeitet: Blaumann an und Schüppe in die Hand. „Das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich. Ich habe Respekt vor dem, was die Kollegen tun“, sagt Rüther. Das habe auch das Verhältnis zu den Beschäftigten deutlich positiv beeinflusst. Und es helfe, einen wachen Blick für das zu behalten, was um einen passiere, meint er.

Nachfolger Christian Carl beim Einstieg behilflich sein

Er habe ein gut bestelltes Haus mit einem tollen Team übernommen und habe in seiner Zeit den Service-Gedanken noch weiter gestärkt, sagt er. Es falle nicht leicht zu gehen, weil einige Projekte, die er angestoßen habe, noch nicht abgeschlossen seien – wie zum Beispiel das Kurmittelhaus. Er werde seinem Nachfolger Christian Carl aber beim Einstieg ins Bürgermeisteramt behilflich sein.

Und was erwartet ihn als Landrat? „Ich hatte bereits einen Termin im Kreishaus. An meinem ersten Arbeitstag werde ich die Führungsmannschaft zu einem weiteren Gespräch bitten. Danach sind die weiteren Führungsebenen dran.“

Fortführung des Airports als größte Aufgabe

Als eine der großen Aufgaben sieht er die Fortführung des Airports an. „Es muss uns gelingen, dass da alle an einem Strang ziehen. Ein weiteres wichtiges Thema ist Corona und die Folgen. Als Ordnungsbehörde werden wir da weiter sehr stark gefragt sein.“

Auch in Richtung Politik habe man bereits die Fühler auf Kreisebene ausgestreckt. Wegen des Verlusts der absoluten Mehrheit im Kreistag führe die CDU Sondierungsgespräche. „Meine Beobachtung ist, dass es von allen Parteien eine sehr hohe Wertschätzung gibt. Ich sehe meine Verantwortung darin, dass das so bleibt.“

Lange Arbeitstage und Termine an Wochenenden

Zu seiner Arbeit als Bürgermeister und künftiger Landrat meint Rüther: „Das ist ein toller Job. Man muss das aber mögen. Über Work-Life-Balance darf ich nicht nachdenken.“ Lange Arbeitstage und viele Termine an den Wochenenden sind halt inklusive.

Als Ausgleich geht er an der Aabachtalsperre laufen oder stellt sich sonntags an den Herd, um zu kochen. „Meine Töchter helfen gerne mit. Das ist für mich Entspannung“, sagt der Vater. Apropos: Rüther selbst ist ein klassisches Sandwichkind: Er hat eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Seine Schwester ist in Marsberg politisch aktiv. Seine Mutter sowie sein Bruder leben in unmittelbarer Nähe. Margret ist die junge Frau aus der Nachbarschaft, die er vor 27 Jahren heiratete und die ihm seit Jahren den Rücken freihalte. „Familie ist mir das Wichtigste. Das ist meine Home­station, hier tanke ich Kraft“, sagt Rüther und lässt dabei seinen Blick durch das Tal schweifen. Diese Kraft wird er für das neue Amt brauchen.

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