Corona und das Quasi-Berufsverbot: Paderborn ist ernst, statt lustig
Plädoyer für einen Kulturwinter

Paderborn (WB). Der graue Herbst hat Einzug gehalten und die Stimmung in der Paderborner Kulturszene ist ernst. Das liegt unter anderem am wohl größten Kabarettfestival in Deutschland mit 16 geplanten Veranstaltungen: Das Event „Paderborn macht Ernst mit Lustig“ – musste ein zweites Mal verschoben werden (wir berichteten) . Eine neue Chance auf ein Treffen mit Sebastian Pufpaff, Christoph Sieber, Gerburg Jahnke und Jochen Malmsheimer hat das Publikum erst im April/Mai 2021.

Samstag, 17.10.2020, 10:16 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 10:50 Uhr
Carsten Hormes trifft Corona doppelt: Als Musiker und Veranstalter kann er derzeit nicht auf die Bühne. Foto: Jörn Hannemann
Carsten Hormes trifft Corona doppelt: Als Musiker und Veranstalter kann er derzeit nicht auf die Bühne. Foto: Jörn Hannemann

Den Künstlern und Agenturen in der Region ist angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Pandemie wahrlich nicht zum Lachen zumute, wie Carsten Hormes vom Kulturbüro OWL betont. Die Auflagen für Events mit maximal 250 Besuchern nehme den Veranstaltern die Möglichkeit, betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein. Geld verdienen funktioniere erst ab 350 bis 450 Gästen.

Dabei habe es trotz Corona mit dem Paderborner Kultursommer Dank der Unterstützung durch die heimische Politik eine hervorragende Veranstaltungsreihe gegeben, erinnert sich Hormes. Die meisten Veranstaltungen seien zu 98 Prozent ausgelastet gewesen. Und bei der Umsetzung der Coronaschutzauflagen habe man bewiesen, dass ein Kulturbetrieb auch mit Corona funktioniere.

Jahrhunderthalle in Bochum gibt es kostenlos für Künstler

Eine solche Initiative wünscht sich Hormes nun auch für die kommenden Monate: Nach dem Kultursommer sollte ein Kulturwinter folgen, meint der Musiker und Veranstalter.

Zu realisieren wäre dies allerdings nur, wenn die Stadt zum Beispiel bei der Paderhalle auf Mieteinnahmen verzichten und sich stattdessen mit Unkostenbeiträgen begnügen würde, schlägt Hormes vor. „In anderen Städten geht das doch auch“, sagt der Altenbekener und verweist auf das Beispiel Jahrhunderthalle in Bochum: Bochumer Künstler, Kulturbetriebe und Kulturschaffende bekommen die Bühne, auf der Veranstaltungen unter Coronaschutzbestimmungen stattfinden können, kostenfrei. Der Erlös geht dabei komplett an die Veranstalter, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Bochum. Auch in Lügde, Gütersloh und Horn-Bad Meinberg gebe es große Bemühungen, Kleinkunst stattfinden zu lassen, sagt Hormes, der diese Spielstätten bestens kennt.

„Kultur ist systemrelevant“

„Kultur ist systemrelevant“, betont er. Durch den Wegfall von aufklärendem Kabarett gehe der Gesellschaft ein Stück Demokratie verloren. Er habe schon einige Ideen und noch mehr Kontakte zu Künstlern, um die Bühne der Paderhalle bespielen zu können. Das Konzept stehe: Bei 250 Zuschauern könne man eine Bankett-Bestuhlung an Tischen vornehmen. Das Programm würde auf 70 Minuten begrenzt, zwei Shows an einem Tag, Einbahnstraßensystem und zwischenzeitliche Desinfektion in der Halle.

Carsten Hormes fordert nun die Paderborner Politik auf, sich des Themas anzunehmen. „Künstler wollen keine staatliche Hilfen, sie brauchen die Bühne“, betont er.

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