IG Metall will mit Petition mehr Stellen für Azubis erreichen – größter Ausbilder im Kreis Paderborn
Benteler unter Druck

Paderborn-Schloß Neuhaus (WB). Von 82 auf 14: Den Kahlschlag der Firma Benteler bei den Ausbildungsplätzen wollen Gewerkschaften, Betriebsrat und Jugendvertretung nicht hinnehmen. Sie haben eine Unterschriftenliste gestartet, um „politischen Druck“ auf die Geschäftsführung des Automobilzulieferers auszuüben und „gesellschaftliche Unterstützung“ einzuwerben, wie der Jugendsekretär der IG Metall Paderborn, Felix Eggersglüß, am Montag betonte.

Dienstag, 20.10.2020, 05:32 Uhr aktualisiert: 20.10.2020, 05:40 Uhr
Melih Eksi, Clea Stille, Betriebsratsvorsitzender Manfred Block, Konrad Jablonski und Felix Eggersglüß (von links) wollen erreichen, dass die unter den niedrigen Stahlpreisen und der Wende zur E-Mobilität leidende Firma Benteler mehr Azubis einstellt. Foto: Oliver Schwabe
Melih Eksi, Clea Stille, Betriebsratsvorsitzender Manfred Block, Konrad Jablonski und Felix Eggersglüß (von links) wollen erreichen, dass die unter den niedrigen Stahlpreisen und der Wende zur E-Mobilität leidende Firma Benteler mehr Azubis einstellt. Foto: Oliver Schwabe

Online können sich Paderborner unter der Adresse www.openpetition.de/!fqklv für den Erhalt der Ausbildung bei Benteler in der bisherigen Form stark machen. Die Petition läuft bis zum 14. Dezember. Unterschrieben haben bereits mehrere Bundestagsabgeordnete, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, Peter Gödde, und Vertreter der Kirchen.

Befürchtung: Andere Firmen könnten folgen

Das Paderborner Unternehmen mit den Sparten Automotive, Stahl und Rohr habe bis 2018 jährlich gut 80 junge Menschen ausgebildet, sagte Eggersglüß. Im Jahr 2019 habe die Firma 30 Stellen gestrichen und 2020 sogar 70. „Wir haben jetzt nur noch 14 Menschen, die ausgebildet werden“, beklagte der Jugendsekretär der IG Metall. Dieses Verhalten widerspreche dem 2017 von der IG Metall mit der Geschäftsführung vereinbarten Ergänzungstarifvertrag, kritisierte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Paderborn, Konrad Jablonski. In dem bis 2021 laufenden Vertrag sei festgelegt, dass die Ausbildung auf dem alten Niveau von 80 Personen beibehalten werden solle. Jablonski: „Benteler hat einen Ruf als ausgezeichneter Ausbilder zu verlieren.“

In der Tat ist die Firma mit ihrem hochmodernen Aus- und Weiterbildungszentrum (AWZ) in Schloß Neuhaus der größte Ausbilder im Kreis Paderborn und als Technologiekonzern mit gut 4000 Mitarbeitern allein in Paderborn strukturprägend in seiner Branche. Die Gewerkschaftssekretärin des DGB Paderborn, Clea Stille, befürchtet eine Sogwirkung. Wenn Benteler die Azubi-Stellen zusammenstreiche, könnten andere Firmen folgen. Ohnehin sei die Zahl der Ausbildungsplätze im Kreis Paderborn während der Corona-Pandemie um 20 Prozent gesunken, sagte Clea Stille, die davor warnte, in Wirtschaftskrisen hier den Rotstift anzusetzen: „Im Nachhinein haben Firmen immer wieder gesagt, dass das der größte Fehler gewesen war.“ Wenn Benteler deutlich weniger junge Leute ausbilde, gefährde das Unternehmen den Standort Paderborn, weil es einen „großen Fachkräftebedarf“ in zwei, drei Jahren riskiere, meint Felix Eggersglüß.

Benteler: Kürzungen gehören zu einem Restrukturierungsprogramm

Der Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Benteler Steel/Tube, Melih Eksi, bedauert, dass die Geschäftsführung von Benteler nicht mehr in Familienhand sei. Jetzt hätten Sanierer das Sagen, denen es nur darum gehe, Kosten zu sparen. Bei der Ausbildung anzusetzen, bedeute an der Zukunft zu sparen, sagte Eksi, der bereits in dritter Generation bei Benteler arbeitet: „Mein Opa kam als Gastarbeiter und hat bei Benteler Arbeit gefunden. Für mich ist das Engagement hier eine Herzenssache.“

Die Pressesprecherin der Benteler-Gruppe, die inzwischen von Salzburg aus gelenkt wird, bestätigte, dass 2020 in Paderborn nur 14 Auszubildende eingestellt worden seien. An den anderen deutschen Standorten hätten sich die Auszubildendenzahlen „in Summe kaum geändert“, erläuterte Birgit Held. Die Kürzungen gehörten zu einem Restrukturierungsprogramm, das in den vergangenen Monaten intensiviert und beschleunigt worden sei: „Unsere gesamte Branche befindet sich zurzeit in einem Transformationsprozess, der für viele Unternehmen dieser Tage mit schwierigen Entscheidungen verbunden ist. Die Pandemie hat die Situation weiter verschärft. Wir bei Benteler können uns von dieser Entwicklung nicht abkoppeln.“ Derzeit liefen Gespräche über die Zahl der Azubis ab 2021 und danach. Held: „Wir gehen aktuell davon aus, dass wir im kommenden Jahr die Anzahl der Auszubildenden wieder erhöhen werden.“

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